In vielen Autos der Luxusklasse ist Holz als Dekoration verbaut. Meist befindet sich ein dünnes Furnier unter einer dicken Lackschicht. Daher sollte es eher heißen: Den Lack vom Holz restaurieren. Bei älteren Fahrzeugen kommt es auch vor das sich der Schaden bis ins Furnier gefressen hat. Dann ist der Aufwand deutlich größer. Doch im ersteh Kapitel befasse ich mich mit dem Wiederaufarbeiten leicht zerkratzten oder matten Holzapplikationen im Innenraum.
Grundsätzlich ist die Aufbereitung eines Autolacks mit unserem Vorhaben vergleichbar, nur das der Lack auf dem Holz deutlich weicher und kratzempfindlicher ist.
Da die Holzteile meist eingebaut sind müssen wir die umgebenden Materialien schützen. Soweit möglich alles abkleben was an die Holzteile grenzt. Bei sehr aufwändigen Stücken, wie dem Arden Interieur auf dem Bild, empfiehlt es sich ein Teststück zu haben. Ich schaue auf eBay ob ich ein gebrauchtes Holzteil für wenige € ergattere. Daran teste ich dann ob sich die Reiniger mit dem Lack vertragen und ob am Ende das Ergebnis den gewünschten Effekt hat. Wir brauchen:
Mit Glasreiniger und Microfasertuch reinige ich die Teile vor. Da neue Microfasertücher selbst 2-Komponetet Autolack angreifen, bitte mit wenig Kraft arbeiten. Jetzt sehe ich ob kleine Stellen im Lack ausgebessert werden müssen. Wirklich kleine Stellen fülle ich mit Sekundenkleber Gel und schleife es mit 2000er Nassschleifpapier wieder glatt.
Danach wird mit der Autopolitur und einem Schwämmchen die Oberfläche poliert. kleine Kratzer können heraus poliert werden. Danach alles reinigen und mit Nano-Versiegelung behandeln und mit dem Poliertuch auf Hochglanz polieren.
Bitte weder Möbelpolitur, Pflege-Öle oder Wachs verwenden. Das Alles verklebt nur die Oberfläche. Im schlimmsten Fall löst das Mittel den Lack an und ihr springt unweigerlich zu Kapitel Zwei.
Bevor ihr frisch ans Werk geht, schaut euch diese Seite an: https://www.mercedesscheune.de/portal/workshops/oldtimer-holz-restaurieren
Immer noch motiviert? Respekt!
Bei der Beschreibung gehe ich davon aus, dass das eigentliche Furnier nicht beschädigt ist. In den meisten Fällen zeigt sich die Lackschicht matt milchig und gerissen. Daher ist es weniger eine Holzrestauration als eine Lackrestauration.
Der Feind jeder Restauration sind Silikon basierende Pflegemittel. Dringt die Flüssigkeit durch einen Riss bis in die Holzschicht, haftet hier kein Lack und kein Kleber mehr. Ein Totalaustausch oder ein neuer Furnierüberzug wird fällig.
Schnelles Arbeiten mit der Schleifmaschine. Wer das noch nie gemacht hat, sollte bei diesen wertvollen Stücken nicht damit anfangen. Der Original Lack ist ziemlich wärme empfindlich. Wenn mit zu großer Geschwindigkeit oder zu großem Druck gearbeitet wird, kann das den Lack weich werden lassen. Und dass man mit der Flex und 80er Körnung einen Millimeter Edelholz in Nullzeit zu Staub verwandeln kann ist auch keiner Erklärung bedürftig.
Wundermittel sind wunderbar dafür geeignet ziemlich wunderliche Ergebnisse zu ergeben. Wer nicht genau weis was er tut sollte von Abbeize und Co die Finger lassen.
Der Lack muss also runter, was mit herkömmlichen Abbeizern nicht gelingt. Also Abschleifen oder mit Hitze abziehen. Ich habe mich für die Hitze entschieden und mittels Heißluftpistole den Lack erwärmt und dann Stück für Stück vorsichtig mit einer Kunststoffspachtel runter gehoben. Das ist mühsam, geht aber ganz gut ohne das Furnier zu beschädigen.
Anschließend mit 600er Schleifpapier trocken das Furnier geglättet. Zu diesem Zeitpunkt kann das Furnier gebeizt werden und anschließend die Holzfasern wieder mit Schleifpapier geglättet werden.
Frage nach dem passenden Lack, der auch vom Laien mit einfachen Mitteln verarbeitet werden kann. Da kommt das Ergebnis mit DD-Bootslacken recht schnell. Diese sind sehr deckend, transparent und lassen sich mit dem Pinsel verstreichen.
Man nehme einen guten Pinsel (der keine Haare verliert), streiche die Flächen satt, an der Luft einen Tag trocknen lassen, dann mit 600er Nass-Schleifpapier wieder alles glätten und säubern und der nächste Anstrich folgt. Nach 3 Lagen sind die Holzporen aufgefüllt, nach insgesamt 10 Schichten habe ich das Lackieren eingestellt.
Nun der lustige Part des Schleifen und Polierens, der maßgeblich für das Endergebnis ist.
Mit 600er Papier plangeschliffen und dann mit 1000er, 2000er und 4000er feingeschliffen. Mittels Poliermaschine erst mit reiner Schleifpaste poliert, dann mit Politur den Glanz herausgebracht und mit Hartwachs und Glanzwachs den letzten Gang erledigt.
Von Schleifmaschinen sollte Abstand genommen werden. Außerdem ist das Schleifen mit der Hand (solange man abwechselnd rechten und linken Arm in Bewegung bringt) ein wertvolles Training für Arm- und Brustmuskeln. Ich habe in meinem Fall eine Ziehklinge benutzt, um den Lack zu entfernen. Allen Leuten ohne Erfahrung empfehle ich allerdings, sich mal von einem Meister oder gutem Altgesellen zeigen zu lassen, wie man ein solches Werkzeug gebraucht.
Tiefe Spuren können einem den Tag verderben oder auch das ganze Werkstück. Abbeizmittel sollten besser nicht verwendet werden. Das Verändert den Farbton und das Furnier könnte sich ablösen. Mit 150er-180er Papier (um den Lack zu entfernen ) fängt man an.
Ist die alte Schicht soweit geglättet, geht es an die kleinen Risse und Löcher. Holzspachtel auf Wasserbasis kann man in entsprechendem Farbton kaufen. Mit einem normalen, farbechten Schultuschkasten kann man jetzt die Spachtelmasse individuell einfärben (NICHT ANMALEN !!) und somit das breite Farbspektrum des Holzes nachahmen. Denkt bitte wieder an den Test mit der Verdünnung, um die Farbintensität zu erreichen!
Natürlich gibt es tausend spezielle Spezialspachtelmassen und Farben, doch eine solche Ausstattung kostet hauptsächlich viel Geld und besser wird es beim ersten Mal auch nicht davon. Nur die Erfahrung kann schließlich lehren, auch aus Scheiße Gold zu schmieden. Von Wachskitt (eigentlich eine tolle Sache) rate ich beim fahrbaren Untersatz ab ,da Sonnenlicht ein Auto doch ganz schön aufheizt.
Ist der Spachtel gut getrocknet, wird solange geschliffen bis die restlichen Lack- und Spachtelrestreste verschwunden sind. Mit 220er- oder 240er Schleifpapier gibt man sich anschließend nochmal so viel Mühe, bis alles so glatt wie ein Baby Popo ist. Zwischendurch sollte man die Flächen mal ordentlich mit Druckluft reinigen, um zu sehen, ob noch feine Risse oder Löcher einer glatten Oberfläche die Perfektion rauben. Eventuell mit Spachtel nacharbeiten.
Da Autoschrauber.de bereits ein umfassendes Werk zum Thema Lackierarbeiten der Allgemeinheit zum Geschenk gemacht hat, gehe ich hier nur auf ein paar Differenzen zum Bereich der Holzoberflächen ein. Der nun wohl langwierigste Teil der Arbeiten liegt unmittelbar vor einem ,wenn man es darauf anlegt eine spiegelblanke und porendichte Oberfläche zu erschaffen. Am besten sind heutzutage 2-Komponentenfüller, welche kompatibel zum Decklack ausgesucht werden sollten. Ich würde es nicht wagen, diese Lacke im Baumarkt zu kaufen. Der Weg zum Fachhändler oder zur Tischlerei des Vertrauens bietet wesentlich bessere Fachberatung und erspart eine Menge Tränen.
Gerade als Frau ist es erstaunlich, was für einen Blödsinn man sich vom “Fachpersonal“ eines Baumarktes anhören kann. Doch auch das ist ein sehr umfangreiches Thema, zu dem es diesmal allerdings keine Literatur gibt.
Die Oberflächen werden sehr gründlich abgepustet und er Füller angemischt. Nun kann man alle Teile das erste mal “Füllern“. Ich empfehle, beim ersten Durchgang den Füller mit Verdünnung zu strecken oder eine spezielle Grundierung zu verwenden, damit die erste Schicht tief eindringt und die Holzmaserung ordentlich zur Geltung bringt. Das nennt man „anfeuern“. Zudem hält der Lack dann auch besser auf dem Furnier. Wenn alles durchgetrocknet ist, beginnt die Schleifarie mit 220er Papier. Alles schön plan schleifen und wieder Füllern, bis keine Dellen und Löcher mehr zu sehen sind . Das können durchaus 7 bis 10 Schichten werden.
Wichtig ist immer wieder sehr viel vom Füller abzutragen, damit die Poren sich langsam auffüllen. Ansonsten erschafft man sich eine Art Kraterlandschaft. Mit der Zeit wird das Ergebnis immer besser und man kann mit einer Patina auf Lösungsmittelbasis eventuelle Farbunterschiede an den gespachtelten Stellen retuschieren. Das erfordert allerdings Fingerspitzengefühl und einen feinen Pinsel.
Die letzten Schichten des Füllers können nun aufgetragen werden und das Schleifpapier sollte bis mindestens zur Körnung 400 ausgewählt sein, da gerade Hochglanzlack jegliche Schleifspuren in ein glitzerndes Inferno verwandeln kann. Es kommt der Moment, in dem man nochmal seinem alten Rosenkranz, der Buddha-Statue oder ähnlich glücksbringendem huldigen sollte, da Hochglanzlack nach meiner Erfahrung eine Art unerbittliches Selbstbewusstsein hat und jeden Fehler anprangert, als wäre man unwürdig, ihn überhaupt verwendet zu haben.
Die zu lackierenden Teile sollten so auf einem Tisch oder einem Lackiergestell liegen, dass keine Verwirbelungen einen Pelz von Spritznebel hinterlassen können. Am besten auf ein Gitter legen, damit der Lack nicht an Stellen zurückkommt, wo er Spuren verursachen könnte. Aufgepasst auch beim Einstellen der Spritzpistole und der Stärke von Luftdruck und Lackmenge. Es ist besser, kurz vorher zu üben, damit Läufer keine Chance bekommen, einem mindestens 40 Stunden Arbeit zu versauen!
Das Problem beim Hochglanzlack ist nämlich auch, dass er sich nicht gut anschleifen lässt. Irgendwie liegt es wohl daran, dass man selbst mit feinstem Papier ( ich meine 400er ,denn mit 1000er bekommt man keine Läufer weg) wieder Schleifspuren erzeugt, die so aussehen, als hätte man schlampig gearbeitet - wieso das passiert, ist mir echt ein Rätsel. Deshalb bleibt meistens zur ein Ausweg: Glanzlack wieder komplett mit 400er abtragen und nochmals lackieren.