Episode V – Das Imperium schlägt zurück · Diesmal bist du allein · 16 Stunden · Zwei Arbeitstage · Kein Netz und kein doppelter Boden
Du hast navigiert. Du hast Dateien bearbeitet, Benutzer verwaltet, Rechte gesetzt, Prozesse kontrolliert, Software installiert und eine Firewall konfiguriert. Vier Phasen. Acht Module. Die Kraft fließt.
Jetzt beginnt die Jedi-Prüfung.
Im Tempel auf Coruscant musste jeder Padawan vor dem Rat beweisen, dass er kein Schüler mehr ist. Nicht durch Theorie. Nicht durch Wiederholung. Sondern durch eine echte Aufgabe in einer echten Situation – allein, unter Zeitdruck, mit Verantwortung für das Ergebnis.
Deine Aufgabe: Einen nackten RHEL 9-Server in einen produktionsbereiten, gehärteten und auditierten Webserver verwandeln. Das System läuft in einem regulierten Umfeld – Versicherungswesen, BaFin, DORA. Es muss nicht nur funktionieren. Es muss compliant sein.
„Die Prüfung zeigt dir nicht, was du kannst. Sie zeigt dir, was du bist.“
– Meister Windu, vor dem Jedi-Rat · und sinngemäß vor dem Abnahme-Gespräch
Zeitrahmen und Rahmenbedingungen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Zeitansatz | 16 Stunden (2 Arbeitstage) |
| Arbeitsweise | Selbstständig – Rückfragen nur nach Konsultation der Manpage |
| Hilfsmittel | Manpages, dieses Wiki, Overleaf-Dokument, freigegebene KI |
| Ergebnis | Lauffähiges System + Fachpräsentation |
| Abnahme | 15 Min. Präsentation + 15 Min. Fachgespräch mit dem Ausbilder |
Padawan, aufgepasst: Folgende Themen wurden im Grundkurs bewusst nicht gelehrt. Sie sind Teil der Prüfung. Du musst sie dir selbst erarbeiten – durch Manpages, das Overleaf-Dokument oder mit KI-Unterstützung. Das ist keine Schwäche, sondern das Kernhandwerk des Systemadministrators: das eigenständige Erschließen neuer Themen.
rwx-Modells: semanage fcontext, restorecon.timer- und .service-Unitstar für Backups, awk für strukturiertes Parsing<note warning> DORA · BaFin · DSGVO – diese Regeln sind nicht verhandelbar
Die Nutzung von KI-Assistenten für Recherche und Syntaxerklärungen ist ausdrücklich erwünscht. Der Einsatz unterliegt jedoch zwingend den folgenden Regeln:
<SERVER-IP> oder user123.KI ist dein Mentor für Syntax, nicht dein Ghostwriter. Meister Yoda hat auch nicht für Luke Skywalker trainiert. </note>
Ziel: Sicherer Zugang · Prinzip der geringsten Rechte (Least Privilege)
Der Server darf nicht mehr über unsichere Protokolle oder schwache Authentifizierung erreichbar sein.
Deine Aufgaben:
dokuwiki an, der keine Login-Shell besitzt (/sbin/nologin). Unter diesem Account läuft später die Applikation.# Schlüsselgenerierung (clientseitig) ssh-keygen -t ed25519 -C "azubi-admin" # SSH-Härtung – relevante Parameter in /etc/ssh/sshd_config: PermitRootLogin no PasswordAuthentication no # Service-User ohne Login anlegen useradd --system --shell /sbin/nologin dokuwiki
<note tip> Warum ed25519? Nicht weil es der neue Hype ist – sondern weil es mathematisch nachweisbar sicherer und performanter als RSA-2048 ist, bei gleichzeitig kürzeren Schlüsseln. RSA-4096 ist regulatorisch noch akzeptabel, aber ed25519 ist der aktuelle Branchenstandard. Das wirst du im Fachgespräch begründen müssen. </note>
Ziel: Bereitstellung der Applikation unter DORA/BSI-Vorgaben
Der Webserver muss laufen, aber vom Betriebssystem isoliert bleiben.
Deine Aufgaben:
httpd (Apache) und php-fpm aus den RHEL-Standard-Repositories (nur BaseOS/AppStream – keine externen Quellen)./var/www/dokuwiki.dokuwiki-User) darf nur in data/ und conf/ schreiben. Alle anderen Dateien gehören root und sind nur lesbar.firewalld freigeben – permanent.Enforcing-Modus. Konfiguriere die Kontexte (httpd_sys_rw_content_t) so, dass Apache in die DokuWiki-Datenordner schreiben darf – persistent via semanage, nicht temporär via chcon.# Installation dnf install -y httpd php-fpm wget tar # Least Privilege Dateirechte chown -R root:dokuwiki /var/www/dokuwiki find /var/www/dokuwiki -type d -exec chmod 750 {} \; find /var/www/dokuwiki -type f -exec chmod 640 {} \; chown -R dokuwiki:dokuwiki /var/www/dokuwiki/{data,conf,lib/plugins} # Firewall firewall-cmd --permanent --add-service=http && firewall-cmd --reload # SELinux – persistent (überlebt restorecon und System-Relabeling) semanage fcontext -a -t httpd_sys_rw_content_t "/var/www/dokuwiki/data(/.*)?" semanage fcontext -a -t httpd_sys_rw_content_t "/var/www/dokuwiki/conf(/.*)?" restorecon -Rv /var/www/dokuwiki
<note warning>
chcon vs. semanage – das ist ein Prüfungsthema:
chcon setzt den SELinux-Kontext temporär. Nach einem restorecon oder System-Relabeling ist er weg. semanage fcontext schreibt die Regel dauerhaft in die Policy. Nur semanage ist die korrekte Produktionslösung.
</note>
Ziel: Nachweisbarkeit und Disaster Recovery
Das System muss seine Konfigurationen sichern und unbefugte Accounts automatisch melden.
Deine Aufgaben:
audit.sh: Lese /etc/passwd mit awk aus und prüfe, ob ein anderer Benutzer als root die UID 0 besitzt. Alarm bei Fund.backup.sh: Archiviere /var/www/dokuwiki und /etc/ssh mit tar und erstelle per sha256sum einen Integritäts-Hash..service und .timer.# audit.sh – UID-0-Prüfung mit awk BAD=$(awk -F: '$3 == 0 && $1 != "root" {print $1}' /etc/passwd) [ -n "$BAD" ] && echo "ALARM: Illegale Root-Accounts: $BAD" && exit 1 echo "Audit OK." && exit 0 # Systemd-Timer – zwei Dateien in /etc/systemd/system/ # backup.service → Type=oneshot, ExecStart=/usr/local/bin/backup.sh # backup.timer → OnCalendar=*-*-* 02:00:00, Persistent=true # Aktivieren: systemctl daemon-reload systemctl enable --now backup.timer systemctl list-timers | grep backup
<note tip>
Warum Systemd-Timer statt Cron? Weil systemd-Timer im journalctl sichtbar sind, exakt steuerbar, in den Start-Abhängigkeitsgraph integriert und auf RHEL 9 der Standard sind. Cron funktioniert – aber wer in einer DORA-Umgebung Cronjobs einrichtet, wenn Systemd-Timer verfügbar sind, muss das sehr gut begründen können.
</note>
Ziel: Vorbereitung auf die IHK-Prüfung und Kundenkommunikation
Technische Umsetzung ist nur die halbe Miete. Du musst deine Entscheidungen rechtfertigen können.
15 Minuten Präsentation (als Folien oder als Seite in deinem neuen DokuWiki):
journalctl oder Apache-Logs gefunden?15 Minuten Fachgespräch – der Ausbilder stellt Rückfragen zu jedem Aspekt deiner Umsetzung. Typische Fragen:
chcon und semanage fcontext.root laufen?PasswordAuthentication yes wieder aktiviert?Vollständiges Projektdokument – als LaTeX oder PDF
Das Dokument enthält: vollständige Aufgabenstellung, Transferleistungs-Hinweise, KI-Richtlinie sowie den Lösungsbogen mit Alternativen und Fallstricken (Abschnitt für Ausbilder).
Overleaf (Quelldatei + Live-Vorschau):
→ Overleaf: Linux Padawan Workshop – Abschlussprojekt
Checkliste vor dem Start des Projekts – beantworte jede Frage ohne Nachschlagen:
useradd --system --shell /sbin/nologin bewirkt und warum es so gemacht wird.chmod 640 und chmod 750 im Schlaf erklären.Enforcing bei SELinux bedeutet und warum setenforce 0 keine Option ist.journalctl -u httpd -n 50 ohne Nachdenken eintippen.–permanent und ohne bei firewall-cmd.dnf für Pakete zuständig ist und welche Repos erlaubt sind.Wenn du alle Häkchen setzen kannst: Möge die Macht mit dir sein. Fang an.
← Phase IV – Paketverwaltung und Netzwerk
↑ Übersicht – Der Weg zur Macht
„Ein Jedi-Ritter ist nicht jemand, der keine Fehler macht.
Es ist jemand, der seine Fehler im Logfile findet und daraus lernt.“
Möge journalctl -xe dir den Weg zeigen.
[azubi01@rhel9-kurs ~]$ _