Phase II – Das Handwerk des Jedi

Episode II · Angriff der Konfigurationsdateien · Wer schreibt, der bleibt – wer löscht ohne rm -i, der weint


Die erste eigene Waffe

Ein Padawan, der navigieren kann, ist orientiert. Aber orientiert sein reicht nicht.
Yoda hat nicht Jahrzehnte Weisheit angehäuft, indem er durch Verzeichnisse spazierte.

In Phase II baust du deine erste eigene Waffe: du bearbeitest Dateien.

Das klingt unspektakulär. Es ist es nicht. Denn nahezu jede Aktion auf einem Linux-Server – Dienste konfigurieren, Benutzer anlegen, Logs auswerten – läuft über das Lesen und Schreiben von Textdateien. Wer einen Texteditor nicht beherrscht, beherrscht keinen Server.

Und dann wartet noch die zweite Lektion dieser Phase: Menschen auf dem System. Benutzer. Gruppen. Berechtigungen. Der Jedi-Rat entscheidet, wer Zugang zum Tempel bekommt – und in welchen Raum.

„Mächtig du bist. Nützlich, erst wenn du auch andere verwalten kannst.“

– Meister Yoda, sinngemäß, auf sudo bezogen

Was dich in Phase II erwartet

Modul Titel Was du lernst Schwierigkeit
3 Dateiverwaltung und Editoren cp, mv, rm · Umleitungen · grep · vi und nano ● ● ○
4 Benutzer und Gruppen useradd, passwd, groupadd · sudo · /etc/passwd verstehen ● ● ●

Die Lernziele des Padawan

Was du nach Phase II kannst – und erklären kannst:

  • Dateien und Verzeichnisse erstellen, kopieren, verschieben, löschen
  • Ausgaben in Dateien schreiben (>, ») und weiterleiten (|)
  • In Dateien suchen mit grep – auch rekursiv, case-insensitiv, mit Zeilennummer
  • Texte mit nano bearbeiten (der freundliche Weg)
  • Texte mit vi bearbeiten (der Jedi-Weg – überall verfügbar, immer verfügbar)
  • Den Aufbau von /etc/passwd, /etc/shadow und /etc/group erklären
  • Benutzerkonten anlegen, sperren, entsperren und löschen
  • Gruppen erstellen und Benutzer zuweisen
  • Den Unterschied zwischen su und sudo erklären und korrekt anwenden

Das Lichtschwert – deine Befehle in Phase II

Modul 3 – Dateien und Ausgaben
touch datei.txt          # Leere Datei erstellen
mkdir -p a/b/c           # Verschachtelte Verzeichnisse auf einmal anlegen
cp datei.txt kopie.txt   # Kopieren
cp -r ordner/ /tmp/      # Verzeichnis rekursiv kopieren
mv alt.txt neu.txt       # Umbenennen (oder verschieben)
rm -i datei.txt          # Löschen – mit Rückfrage (immer so!)
rm -r ordner/            # Verzeichnis rekursiv löschen
 
echo "Text" > datei.txt  # Ausgabe in Datei schreiben (überschreibt!)
echo "Zeile" >> datei.txt  # Ausgabe anhängen
ls -la | grep ".conf"    # Pipe: Ausgabe filtern
grep -n "root" /etc/passwd    # Mit Zeilennummer
grep -r "Listen" /etc/httpd/  # Rekursiv in Verzeichnis
grep -v "nologin" /etc/passwd # Zeilen OHNE Treffer
Modul 3 – Editoren
nano datei.txt   # Öffnen – Ctrl+O speichern, Ctrl+X beenden, Ctrl+W suchen
 
vi datei.txt     # Öffnen
# i        → Einfügemodus (Insert) – jetzt kannst du schreiben
# Esc      → zurück in den Normal-Modus
# :wq      → speichern und beenden
# :q!      → beenden OHNE zu speichern (Notausgang)
# dd       → Zeile löschen
# u        → rückgängig (undo)
# /wort    → suchen
Modul 4 – Benutzer und Gruppen
sudo useradd -m -s /bin/bash -c "Max Muster" maxm  # Benutzer anlegen
sudo passwd maxm             # Passwort setzen
sudo passwd -l maxm          # Konto sperren (lock)
sudo passwd -u maxm          # Konto entsperren (unlock)
sudo userdel -r maxm         # Benutzer + Home-Verzeichnis löschen
 
sudo groupadd projektteam    # Gruppe anlegen
sudo usermod -aG projektteam azubi01  # Benutzer zur Gruppe hinzufügen
sudo groupdel projektteam    # Gruppe löschen
 
id azubi01                   # uid, gid, alle Gruppen anzeigen
groups azubi01               # Nur Gruppenname
 
su - maxm                    # Vollständiger Benutzerwechsel
sudo befehl                  # Einzelnen Befehl als root ausführen
sudo -l                      # Welche sudo-Rechte habe ich?

Das Fundament: /etc/passwd, /etc/shadow, /etc/group

Wer diese drei Dateien versteht, versteht, wie Linux Identitäten verwaltet.
Es ist das Bürgerregister der Galaxis – jeder Benutzer, jede Gruppe, jedes Recht.

# /etc/passwd – ein Eintrag pro Benutzer, durch : getrennt:
# Benutzer : x : UID : GID : Kommentar : Home : Shell
  azubi01  : x :1001 :1001 : Azubi Nr1 :/home/azubi01:/bin/bash
#                                                       ^^^^^^^^^
#                  /sbin/nologin hier = kein interaktiver Login möglich
 
# /etc/shadow – Passwort-Hashes, nur root lesbar (deshalb x in passwd)
# /etc/group  – Gruppen und ihre Mitglieder:
#  azubis:x:1002:azubi01,azubi02
Datei Wer darf lesen Direkt editieren?
/etc/passwd Alle Benutzer Nein – useradd, usermod nutzen
/etc/shadow Nur root Nein – passwd nutzen
/etc/group Alle Benutzer Nein – groupadd, usermod nutzen
/etc/sudoers Nur root Nur mit visudo – niemals direkt!

<note warning> Die dunkle Seite der Benutzeradministration: userdel -r löscht das Home-Verzeichnis sofort und endgültig. Immer vorher sichern. Und sudo -i öffnet eine root-Shell – beende sie sofort mit exit, wenn du fertig bist. </note>


Das Holocron zu dieser Phase

Aufgabenblatt, Theorie und Musterlösungen – als LaTeX oder PDF

Das vollständige Dokument zu Phase II enthält alle Erklärungen, Aufgaben und Musterlösungen.

Overleaf (Quelldatei + Live-Vorschau):
→ Overleaf: Linux Padawan Workshop


Dein Auftrag, solltest du ihn annehmen

Mission Briefing – Phase II

Du baust in dieser Phase deine eigene Verzeichnisstruktur, editierst Dateien mit vi und legst Benutzer an, die du danach wieder kontrolliert entfernst.

Wichtigste Regel dieser Phase:

  1. rm immer mit -i – bis du sicher genug bist
  2. vi nicht verlassen, bis du :wq und :q! im Schlaf kennst
  3. userdel erst ausführen, wenn du verstanden hast was -r bedeutet

Wer Phase II abgeschlossen hat, hinterlässt nach sich ein ordentliches System – keine Leichen im Home-Verzeichnis, keine gesperrten Konten ohne Grund, keine undokumentierten Änderungen.


← Phase I – Erster Kontakt mit der Macht
↑ Übersicht – Der Weg zur Macht
→ Phase III – Berechtigungen und Systemüberwachung


„Einen Sith erkennt man nicht daran, dass er böse aussieht –
sondern daran, dass er 'chmod 777' für eine Lösung hält.“

[azubi01@rhel9-kurs ~]$ _