Phase IV – Die Galaktische Handelsroute

Episode IV – Eine neue Hoffnung auf funktionierende Repos · Die Handelsföderations-Firewall ist aktiv – und diesmal ist das gut so


Der Jedi-Ritter tritt hervor

Du hast navigiert. Du hast Dateien bearbeitet, Benutzer angelegt, Rechte gesetzt, Prozesse kontrolliert. Die Werkzeuge sitzen. Die Macht fließt.

Jetzt wird es RHEL-spezifisch. Denn ein Jedi-Ritter kämpft nicht nur im Übungsraum des Tempels – er kämpft in der echten Galaxie, mit echten Werkzeugen, unter echten Bedingungen.

Phase IV zeigt dir, wie Software auf einem produktiven RHEL 9-System verwaltet wird: mit Subscriptions, Repositories und DNF – dem Paketmanager, der keine Wünsche offen lässt, solange das richtige Repo aktiv ist. Und danach: das Netzwerk. Die Firewall. Der Schild des Servers.

Wenn du Phase IV abgeschlossen hast, bist du kein Padawan mehr.
Du bist bereit für das Abschlussprojekt.

„Vorsicht mit den Repos, junger Padawan. Nicht alles, was sich anbietet, kommt von der hellen Seite.“

– Meister Yoda, über EPEL und unbekannte Paketquellen

Was dich in Phase IV erwartet

Modul Titel Was du lernst Schwierigkeit
7 Paketverwaltung mit DNF dnf, rpm, Repos, Subscription, AppStream ● ● ○
8 Netzwerk und Firewall ip, ss, nmcli, firewalld, ping, traceroute ● ● ●

<note> RHEL-spezifisch: dnf und firewalld sind auf Debian/Ubuntu anders. Was du hier lernst, gilt für RHEL 8/9, CentOS Stream, AlmaLinux und Rocky Linux – also für alle Enterprise-Linux-Distributionen, die du im Berufsalltag antreffen wirst. </note>


Die Lernziele des Padawan

Was du nach Phase IV kannst – und erklären kannst:

  • Den Unterschied zwischen RPM-Paket und DNF-Repository erklären
  • Warum RHEL eine Subscription benötigt – und was BaseOS vs. AppStream bedeutet
  • Software suchen, installieren, aktualisieren und entfernen mit dnf
  • AppStream-Module verstehen und eine konkrete Laufzeitversion auswählen
  • DNF-Transaktionen nachvollziehen und bei Bedarf rückgängig machen
  • rpm für gezielte Paket-Abfragen nutzen (ohne direkte Installation)
  • Netzwerkkonfiguration auslesen: IP-Adresse, Gateway, DNS
  • Offene Ports und aktive Verbindungen mit ss anzeigen
  • Erreichbarkeit testen mit ping und traceroute
  • Die Firewall mit firewall-cmd konfigurieren: Zonen, Services, Ports
  • Den Unterschied zwischen temporären und permanenten Firewall-Regeln kennen

Das Lichtschwert – deine Befehle in Phase IV

Modul 7 – Subscriptions und Repositories
subscription-manager status              # Subscription aktiv?
subscription-manager repos --list-enabled  # Aktive Repos anzeigen
subscription-manager repos --enable=rhel-9-for-x86_64-appstream-rpms
 
dnf repolist                             # Kurzübersicht aller Repos
Modul 7 – DNF: Suchen, Installieren, Verwalten
# Suchen und informieren (kein sudo nötig)
dnf search wget                  # Paket suchen
dnf info wget                    # Details: Version, Repo, Beschreibung
dnf list installed               # Alle installierten Pakete
dnf list installed | grep httpd  # Gezielt suchen
dnf list available | grep php    # Verfügbare Pakete
 
# Installieren und entfernen (sudo nötig)
sudo dnf install -y wget         # Installieren ohne Rückfrage
sudo dnf remove wget             # Entfernen
sudo dnf reinstall wget          # Neu installieren
 
# Updates
dnf check-update                 # Verfügbare Updates anzeigen (kein Install!)
dnf check-update --security      # Nur Sicherheitsupdates
sudo dnf update                  # Alles aktualisieren
sudo dnf update wget             # Nur ein Paket
 
# AppStream-Module (mehrere Versionen gleichzeitig verfügbar)
dnf module list                  # Alle Module anzeigen
dnf module list php              # Verfügbare PHP-Versionen
sudo dnf module enable php:8.1   # Version wählen
sudo dnf install php             # Dann installieren
 
# Transaktionsverlauf
dnf history                      # Alle bisherigen Transaktionen
dnf history info 5               # Details zu Transaktion Nr. 5
sudo dnf history undo 5          # Rückgängig machen
Modul 7 – RPM (Abfragen, nicht installieren!)
rpm -qa                          # Alle installierten Pakete
rpm -qi vim-enhanced             # Info zu einem installierten Paket
rpm -ql vim-enhanced             # Welche Dateien hat dieses Paket?
rpm -qf /usr/bin/vim             # Zu welchem Paket gehört diese Datei?
Modul 8 – Netzwerk auslesen und testen
ip addr                          # Alle Interfaces und IP-Adressen
ip addr show ens33               # Nur ein Interface
ip route                         # Routing-Tabelle
ip route show default            # Standard-Gateway anzeigen
 
cat /etc/resolv.conf             # DNS-Server
cat /etc/hosts                   # Lokale Hostnamen
hostname -f                      # Vollständiger Hostname (FQDN)
 
ping -c 4 8.8.8.8                # Erreichbarkeit testen (4 Pakete)
traceroute google.com            # Netzwerkpfad anzeigen
ss -tlnp                         # Offene TCP-Ports mit Prozessname
ss -tlnp | grep :80              # Läuft etwas auf Port 80?
curl -I http://localhost         # HTTP-Header abrufen
 
nmcli device status              # NetworkManager: Gerätestatus
nmcli connection show            # Konfigurierte Verbindungen
Modul 8 – firewalld: Zonen, Services, Ports
firewall-cmd --state             # Läuft die Firewall?
firewall-cmd --list-all          # Vollständige Regelübersicht
firewall-cmd --list-services     # Freigegebene Dienste
firewall-cmd --list-ports        # Freigegebene Ports
firewall-cmd --get-services      # Alle vordefinierten Dienstnamen
 
# Dienst freigeben:
sudo firewall-cmd --add-service=http            # Temporär (bis Reload)
sudo firewall-cmd --permanent --add-service=http  # Dauerhaft
sudo firewall-cmd --reload                      # Permanente Regeln aktivieren
 
# Port freigeben (wenn kein Servicename vorhanden):
sudo firewall-cmd --permanent --add-port=8443/tcp
 
# Regeln entfernen:
sudo firewall-cmd --permanent --remove-service=http
sudo firewall-cmd --permanent --remove-port=8443/tcp
sudo firewall-cmd --reload

Die Galaxis der Repositories – RHEL-Aufbau

Wer nicht weiß, woher ein Paket kommt, weiß nicht, ob er ihm vertrauen kann.
Das ist in der IT wie in der Politik: Herkunft und Autorisierung zählen.

Repository-ID Inhalt Beispiele
rhel-9-for-x86_64-baseos-rpms Kern-Betriebssystem Kernel, Bash, systemd, coreutils
rhel-9-for-x86_64-appstream-rpms Anwendungen + Laufzeiten httpd, php, postgresql, nginx
satellite-client-6-for-rhel-9-x86_64-rpms Satellite Client-Tools subscription-manager, Katello-Agent

<note warning> Niemals EPEL, RPM Fusion oder unbekannte externe Repos auf Produktivsystemen aktivieren – ohne Genehmigung und ohne zu wissen was man tut. Ein Paket aus einer unverifizierten Quelle kann das gesamte System kompromittieren. Das ist die dunkle Seite der Paketverwaltung. </note>

Das Zonen-Konzept von firewalld

firewalld denkt nicht in Regeln, sondern in Vertrauen. Jede Zone ist ein Vertrauensniveau:

Zone Bedeutung Wann nutzen
public Standard – nur explizit freigegebenes erlaubt Produktivserver im Netz
trusted Alles erlaubt Nur im komplett gesicherten, isolierten Testnetz
drop Alle eingehenden Pakete lautlos verwerfen Maximale Härtung
internal Weniger streng als public Interne Netzwerk-Segmente

Goldene Regel: Erst temporär testen (ohne --permanent), dann erst dauerhaft setzen. Ein vergessenes –reload hat schon manchen Admin aus dem Server ausgesperrt.


Das Holocron zu dieser Phase

Aufgabenblatt, Theorie und Musterlösungen – als LaTeX oder PDF

Das vollständige Dokument zu Phase IV enthält alle Erklärungen, Aufgaben und Musterlösungen.

Overleaf (Quelldatei + Live-Vorschau):
→ Overleaf: Linux Padawan Workshop


Dein Auftrag, solltest du ihn annehmen

Mission Briefing – Phase IV

Du prüfst die aktiven Repositories, installierst Pakete aus den korrekten Quellen, liest die Netzwerkkonfiguration des Servers aus und richtest die Firewall so ein, dass nur HTTP und SSH durchkommen.

Die drei Gesetze dieser Phase:

  1. Pakete kommen ausschließlich aus genehmigten RHEL-Repos – keine Ausnahmen
  2. Firewall-Regeln immer zuerst temporär testen, dann permanent setzen
  3. ss -tlnp läuft bevor und nach jeder Firewall-Änderung – Kontrolle ist Pflicht

Wenn du diese Phase abgeschlossen hast, bist du bereit für das, was danach kommt: das Abschlussprojekt. Kein Tutorial mehr. Kein Schritt-für-Schritt. Nur du, ein leerer Server und eine Anforderung.


Das Abschlussprojekt wartet

Wer Phase I bis IV abgeschlossen hat, ist bereit für das Abschlussprojekt: DokuWiki auf RHEL 9 – mit dediziertem Benutzer, PHP-FPM, Apache, SELinux, Firewall und automatischer E-Mail-Alarmierung bei Dienstausfall.

→ Zum Abschlussprojekt: Webserver


← Phase III – Die Macht kontrollieren
↑ Übersicht – Der Weg zur Macht
→ Abschlussprojekt: Webserver


„Der Weg des Jedi-Ritters ist nicht das Ende der Ausbildung.
Es ist der Anfang der Verantwortung.“

Möge die Macht – und ein stabiler SSH-Tunnel – mit dir sein.

[azubi01@rhel9-kurs ~]$ _