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Okt 1999Ich habe den Wagen in Weingarten als mein zukünftiges Restaurationsojekt gekauft
Okt 2008Ein Männerwochenende - Der Wagen kommt mit allen Ersatzteilen in die Garage
Nov 2008Doppelherz - Der Ersatzmotor bekommt seinen Platz im Heizungskeller
Dez 2008Neue Kleider - Der Wagen wird zum Lackieren abgeholt
März 2009Frisch lackiert wird der Tatra geliefert
Mai 2009grobe Durchsicht der Technik, Motor brauch nicht geöffnet werden, Getriebe funtioniert, Bremsen müssen komplett überhohlt werden
Juli 2009Die Elektrik ist alt, aber nur leicht verbastelt. Das Meiste ist absolut brauchbar.
Sept 2009Schau mir in die Augen - Die Frontmaske ist fertig und fast alle Chromteile sind poliert
Aug 2011Ich habe einen neuen Himmel und alle Gummidichtungen ergattern können
Sept 2011Der Innenraum ist komplett mit Rostschutzfarbe und die Schweller mit Wachs behandelt
Sept 2011Innen im Heckbereich sind die Antidröhnmatten verklebt.
Sept 2011Seit 10 Jahren saß ich das erste Mal in dem Wagen. Die Rückbank ist eingebaut, wenn auch noch provisorisch
Sept 2011Die Frontmaske mit Lampen und Chrom ist an seinem Platz.
Okt 2011Der Innenhimmel ist engebaut und verklebt.
Apr 2012Bitte Platz zu nehmen - Das Gestühl ist komplett
Aug 2012Turbinengehäuse und Eisen wuchten
Sep 2012Regenrinne und hintere Tür
Okt 2012Fenstermechanik der hinteren Tür eingebaut

Jetzt isser mir

Schuld war mal wieder meine Oldtimer-Zeitung. Da las ich einen Bericht über den dicken Tschechen. Ein V8? - Lecker! Im Heck? - und mit Luft gekühlt? Das muss ich mir mal ansehen.
Eigentlich wollte ich mir mal nur schnell einen 603 aus der Nähe betrachten. Wie der Teufel will, gab es auch gleich Einen in der Zeitung Sperrmüll zum Kauf. Eine Handynummer angerufen und schon hatte ich einen Netten Tatra-Eigner an der Strippe:

...
ja wo steht denn der Wagen
in Weingarten
oh, das ist prima, ich wohne auch in der Pfalz. Kann ich mir das Teil mal ansehen?
Ja sicher, aber ich wohne im Badischen.
Ach, das ist ja lustig. Da kommt meine Frau her.
Schau an, wie heisst sie denn?
Karin...
Die Kleine Blonde?
Äh, möglich...
Jaaaa die Kenn ich. Ihrem Opa hatte ich immer das Auto gerichtet. 
Neeeee! Echt? Na dann kome ich am Samstag vorbei.

So ähnlich lief der erste Kontakt ab. Der 603 war rollfähig, aber sonst komplett gestrippt und fertig für die Lackierung. Der Preis war gut, die Teile brauchbar und von üppiger Zahl. Es gab zu dem Einen, Teil zweier weiterer Tatras hinzu. Da der Verkäufer eine Autowerkstatt hatte, kaufte ich den Wagen mit Lackierung. Leider kam die nächsten Jahre, erst bei mir, dann bei der Lackierwekstatt so einiges dazwischen, das der Wagen bis 2008 dort in einem Container, gut verwahrt bleiben musste.

Teile Teile Teile

Es ist Sommer. Etwa ein halbes Jahr nach dem Kauf begann ich meine eisernen Schätze nach Hause zu holen. Genau gesagt in den ehemaligen Tischtennisraum meines Schwiegervaters. Vier komplette Hänger voll Material haben wir an diesem Wochenende transportiert. Ich war sowas von durch - aber glücklich.
Ich hatte eine Menge Pappkartons besorgt um akribisch alle Teile einzeln zu sichten laut Explosionszeichnungen zu katalogisieren und in Baugruppen zu verpacken. 24 Karton Teile, mehrere Stoßstangen, Sitze und weitere Innenausstattung und zu guter Letzt einiges an Karosserieteilen füllten den halben Raum. Jetzt war nur noch der Ersatzmotor, eine Hinterachse mit Getriebe und der Wagen selbst im Container.

Ein Männerwochenende

Das war ein Wochenende! Ein Männerwochenende!
Der Tatra ist gekommen nach Hause kleiner Padawan.

Am Samstag Motgen in Weingarten traf ich mich mit Karins Vater und meinem Dad. Der Tatra 603-2 stand seit ca 10 Jahren in der Garage. Vor ca 6 Jahren hatte ich ihn gekauft. Jetzt sollte er nach Hause in die schwiegerväterliche Doppelgarage.
Zuerst mussten wir den Container in dem die Karosserie stand frei räumen. War nicht so viel. Das Meiste hatten wir schon abgeholt. Dann musste nur noch so ein kleiner 16 Tonner LKW aus dem Weg geräumt werden. Dazu hantierten wir mit Kuhmäulern und Stahlseilen rum. Der Werkstattmeister (der Tatra stand beim Vorbesitzer der ihn restaurieren wollte aber dann doch keine Lust mehr hatte auf seinem KFZ Werkstattgelände) steuerte den Radlader an dem wir dann die LKW Achse anhingen und bei Seite Schafften. Dann nur Noch den Rest vom Schrott LKW etwas zur Seite Schuggen. Ach Ja der alte Deuz 30 Liter Motor musste auch noch verlagert werden. Dann war der Weg -naja- fast frei. Wir zogen den Wagen das erste mal ans Licht. OK, an Bremsen war nicht zu denken und alle Reifen waren platt. Aber Die Lenkung geht traumhaft gut und er rollt fast von Selbst. Und das nach 10 Jahren auf einem Fleck! Das ist Technik die Begeistert. Mit einiger roher Kraft eines Schaufelradbaggers hebten wir den Tatra mit Tauen am Getriebe aus seinem Gefängnis. Dann zogen wir ihn auf die Strasse. Jetzt wollten wir das Ungetüm an einer Abschleppstange an mein Auto hängen und die etwa 2 Km zur Garage ziehen. Aber…. Der Tatra hat keinen Abschlepphaken. Mist! Gut, dann besorge ich einen Hänger und solange schieben wir ihn auf die Seite. Dazu erst mal alle Reifen aufpumpen. Hey, die Pneus halten die Luft. Cool :-) Plötzlich lies sich der Wagen super leicht schieben. Wir waren zu dritt, das musste reichen. Wir schoben den auf 1,4 Tonnen erleichterten Trum von Hand zur Garage. Dann hinten mit 2 Seilen an ein Auto gebunden ließen wir den Tatra endlich in sein neues Heim. Alberts Garage liegt nicht ebenerdig sonder mir reichlich Gefälle im Keller.

Dann bei Licht die erste Inspektion. Motor dreht, Kupplung hat Kraftschluss. Bremse hat keine Wirkung. Klar, ist ja auch kein Öl im Kreislauf. Die Elektrik ist sehr überschaubar aber eigenartig. (12V aber 2X 6V Batterien) Karosserie ist bös dreckig aber komplett rostfrei. Eine Beule hat der hintere Fenstersteg bekommen. Da war die Schaufel des Laders etwas vorwitzig. Ist aber mit Gummihammer und Karosseriezinn einfach zu machen. Ich bin mir ziemlich sicher dass ich den Wagen wieder auf die Strasse bringe. Einiges werde ich wohl machen lassen. Motor mit seinen Vergaser einstellen, Bremsen und das Lackieren lasse ich natürlich von Fachleuten erledigen. Später werde ich mich dann um den Innenausbau kümmern. Ich stelle mir einen schwarzen Lack und gediegenes rotes Leder vor…
Vrooooom vroooom.

Doppelherz

Am Samstag habe ich ein Eisentier gebändigt! Dagegen war Tatra schieben was für kleine Jungs!

Zum Tatra gibt es einen Ersatzmotor. Der war auf einer kleinen Rollpalette (So was nennt man auch gerne Hund) montiert. Da der Motor noch in der Werkstatt stand, wollte ich ihn am Samstag in die Garage transportieren. Naja ein Motörchen. Der sieht doch gar nicht so riesig aus, in dem Motorräumchen. Kaum in der Werkstatt angekommen und den Motor frei geräumt, schlug die Realität zu. Das Tier hat 180 Kg! Ahrg. Ah, und eine Rolle hat sich irgendwann in den letzten 6 Jahren von seinem Gummi gelöst. Also hatte ich ein 180Kg Eisentier mit einem lahmen Bein ca 2 Km zu schieben. Es war die Hölle. Wollte ich auch nur etwas in die eine Richtung lenken, schlug die kaputte Rolle um und ich musste mit aller Macht verhindern dass das Ding quer über den Bürgersteig panzert. Mein Alptraum humpelte im Zickzack und nach 200 Meter hasste ich ihn. Endlich vor der Garage angekommen zerrte ich an dem Gefährt nur noch wie ein nasser Sack. -Verschnaufen -
Na gut jetzt nur noch die Meter runter und dann vor den Tatra gestellt. Die Einfahrt ist ja recht abschüssig. Da muss ich ja nur gegen halten. Kein Problem. Seid ihr schon mal auf ein nasses frisches Blatt einer fröhlich am Wegrand wachsenden Pflanze getreten? Iss rutschig, gell? Dann schob das Eisentier, es war wütend und frei. Gaaanz in der Ferne hörte ich jemanden in Grossbuchstaben reden:
„NA? ANDRE? WIE GEHT ES DENN SO IM MOMENT. PROBLEME?“
…jaaaa
„AH ICH FÜRCHTE DAS WIRD NICHTS… NICHT DASS ICH DIR ANGST MACHEN WILL.“
„ANGST IST JETZT NICHT MEHR WICHTIG.“
In diesem Moment blockierte das halbtote Rad völlig und das Eisentier stand, schaute mich an und ich denke es pfiff leise vor sich hin.
„…MIST“
Die nächsten Stunden verbrachte ich damit den Tatra mit Lappen Bürste und Staubsauger zu reinigen. Ich hatte mich für eine leichte Bürste entschieden.
Jetzt habe ich Muskelkater.

Neue Kleider für das Eisentier

Tja es ist mal wieder Tatrazeit.

Am Samstag ist der grau Koloss aus seiner natürlichen Umgebung (Dunkle Garage) ins Licht gezogen worden. Der Lackierer hatte sich angemeldet. Ich hatte mir eine Liste an den Kotflügel geklebt, welche Teile er mitnehmen muss. Nicht dass ich irgend etwas vergessen würde. Damm machte ich mich an die Arbeit. Die Frontmaske musste noch von ihren 4 Lampen befreit werden. Der Motor (ich hatte ihn ja vor wenigen Tagen lässig in die Garage geschupst) war im Weg und ich wollte nur die besten Teile zum Lackierer geben. Also musste ich alle Türen und die beiden Frontmasken inspizieren. Ich hatte mich für die rostfreien Teile entschieden ;-) Die Schnauze ist zwar aus Glasfaser, aber mit einlaminierten Metallteilen. Das sind die einzigen Roststellen am ganzen Wagen. Das ist doch irgendwie absurd. Kaum waren wir mit den Vorarbeiten fertig, rollte schon ein Auto mit Hänger an. Zwei recht junge Leute stiegen aus dem Wagen und zeigten mildes Erschrecken. Erst mal ne Zigarette.

Na? habt ihr euch den dicken Tschechen so vorgestellt? „Ja klar! Wir machen ja eigentlich nur amerikanische V8er aber der ist cool genug“ -grin- Äh, das ist ein V8 …. …… ….. ja klar Sicher… 2,5 Liter luftgekühlt, im Heck Ich glaube ab dem Moment hatte der Tatra seine Ehre wieder. Dann ist der Lackierer um und unter das Auto getaucht und hat aufgezählt was er alles machen wird. Die Haut wird tiefschwarz mit Klarlack. Mann, es gibt 7 verschiedene schwarz. Ich habe mich für ein eher dunkles schwarz entschieden. Dann der Unterboden wird komplett gestrahlt und mit hochwertigem Unterbodenschutz behandelt (keine Bitumenpampe) Die Kotflügel bekommen innen einen Steinschlagschutz und alle Hohlräume werden mit Wachs behandelt Ich habe ihnen gleich die Werkstatthandbücher mitgegeben. In der Werkstatt gibt es auch Motorengötter, die wollen mal einen Blick auf das Eisentier und die Bremsen werfen. Wenn wir einig werden, kommt der Tatra lackiert zurück, bremst und fährt. Das wäre ja ausnehmend cool. Dann würde ich Anfang Frühling den Wal fahren :-)

Jetzt habe ich 4 Wochen Ruhe

Wer mal eine wirklich coole Truppe an sein Auto lassen will: http://www.riverside-kustomz.de

fast fertig

Na jetzt hat es doch etwas länger gedauert. Ende März ist der Lack so gut wie fertig. Aber dafür hat der Lackierer gezaubert. Die neue Haut ist deutlich besser als jeder Tatra der das Werk verlassen hat. Denn alle 603 hatten leicht wellige Bleche, da die Teile riesige handgefertigte Blechteile sind. Der neue Anstrich ist tiefschwarz, besteht aus mehreren Schichten und ist handpoliert. Deswegen hat der Lack diese gigantische Tiefe.

Schau mir in die Augen

Nach einer längeren Sommerpause habe ich mich jetzt einem neuen Projekt gewidmet, der Frontmaske. Hier ein Bild als Vorgabe:

In meinem Fundus habe ich viele verschiedene Teile gefunden, wie zum Beispiel

  • verschieden breite Chromringe für die Lampen
  • verschiedene Lampentöpfe
  • verschiedene Lampen mit verschiedenen Halterungen

Nach Abwägen der jeweils schönsten und besten Teilen habe ich mich dafür entschieden für die inneren Lampen (Fernlicht) etwas breitere Zierringe zu verwenden als für die äußeren Abblendlampen. Bei der Beleuchtung habe ich die moderneren Halogen H4 und H1 Fassungen gewählt.
Momentan habe ich noch keine Löcher für die Zierteile gebohrt. Ich werde später, wenn die Maske am Auto ist, entscheiden, ob ich den Glitter wieder anbaue.


Was sich als ziemlich schwierig erwies, war das Besorgen der richtigen Gummidichtungen. Doch nach langer Recherche habe ich alle Gummis zusammen. Darunter auch das geschlitzte Rundgummi, welches um die Frontmaske gehört. Damit ist die Front fertig zur Installation.
6 Schrauben halten die Maske an der Front in Position - das ist ja einfach. Sagte ich einfach? Es hat mich einfach 2 Stunden gekostet bis das Teil spannungsarm an seinem Platz saß. Dafür hat der Wagen jetzt ein Gesicht - und was für Eins :-)

Shine, Baby shine

Der Wagen muss blitzen! Auch da wo die Sonne nie wieder scheinen wird.
Die größte Gefahr für ein langes Tatraleben ist die braune Pest. Selbst Blechstärken von der Dimension eines landwirtschaftlichen Großgeräts verzögert das Sterben, kann es aber nicht aufhalten. Wie in den meisten anderen Fahrzeugen gibt es unzählige Stellen wo eine Blechkarosserie rosten kann. Aber nur sehr wenige Autos haben eine komplett geschlossene Blechwanne mit einem eingezogenen Boden. Da der Wagen keinen Rahmen besitzt, ist die Stabilität der Wanne sehr wichtig. Auf das Bodenblech werden Bodenplatten gelegt auf denen die Teppiche verlegt werden. Zwischen diesen Platten und dem Blech ist ein Zwischenraum in dem stehendes Wasser bösen Schaden anrichten kann. Doch zum Schraubers Glück gibt es keine geschlossenen Hohlräume, bis auf die B-Säulen die glücklicherweise schon imprägniert sind. Wenn der Wagen ausgeräumt ist kommt man also in jede Ecke.


Warum ich das alles so ausführlich schreibe?
Weil ich mir die zu erledigende Arbeit schön reden muss. Die nächsten beiden Wochenenden verbrachte ich mit entrosten, reinigen aussaugen, lackieren und wachsen. Alles in gefalteter Haltung in eleganter Arbeitskleidung gehüllt. Immer hart an der Farbfront, die sich Stück um Stück vom Heck durch den Wagen bis zu den Pedalen vorschob.
Die Farbe war ein absoluter Glücksgriff. Die Ein-Liter-Dose reichte trotz üppiger Verwendung für den kompletten Innenraum samt Türen und Dach. Der Lack schützt, stoppt Rost und hübsch glänzen tut er auch noch.
Alle Hohlräume habe ich dann noch mit Wachs ausgesprüht. Jetzt ist der Rostschutz besser als neu.

Aber irgendwie ist es doch schade, dass man von der Pracht später nichts mehr sehen wird.

Heaven

In einer meiner unzähligen Teilekisten schlummert ein arg mitgenommenes Stück hellgraues Kunstleder. vor 40 Jahren war das mal ein super Dachhimmel. Dafür hatten unzählige PVC-Tierchen sterben müssen. Handgenäht und Mundgewalkt, stand es an der Spitze der hohen Himmelkunst tschechischer Automobilwerker.
Was ich aus der Tüte zog war nur noch als Muster geeignet. Ab damit zum nächsten Autosattler:

Ich:     Können Sie den Nachmachen?
Sattler: Ja, kein Problem. Lassen Sie das Ding einfach da.
Ich:     und was soll es kosten?
Sattler: aus Leder oder Kunstleder?
Ich:     Leder
Sattler: 1000€
ich:     ....boah!

Anderer Sattler

Ich:      Können Sie....
Sattler2: Was ist denn Das?
Ich:      Ein Himmel
Sattler2: von WAS???
Ich:      Ein Tatra
Sattler2: Hä? (Er war Pfälzer)
Ich:      Das war ein tsch...
Sattler2: Neee sowas mach ich nicht. Da gibt es keine Schablone
Ich:      Na dann...

Alle weiteren Sattlergespräche waren ähnlich.
Sommer 2011 haben wir uns ein neues Auto gekauft. Ein Saab Cabrio mit Dachschaden. Um nicht viel aufheben zu machen, fuhr ich zu dem nächsten Sattler den ich in den gelben Seiten fand - und nahm den Himmellappen mit. Das Ergebnis des Gesprächs war sehr erfreulich. Er war bereit den Himmel nachzuschneidern, und das für um die 400€.
Just in diesen Tagen bekam ich eine Mail von meinem eBay-Tatra-Suchauftrag. Ein Himmel in allerfeinster Qualität fertig mit Pfeifen für 200€! 3-2-1-Meins.
Ich musste nur noch dem Sattler beichten, dass ich den Himmel nun doch nicht machen lasse. Aber die Sitze lasse ich garantiert bei ihm machen.

Ich kleb' dir Eine(n)

Sooooooo, nur noch schnell einbauen.
Die 6 Bügel sind gereinigt und frisch lackiert, bereit eingezogen zu werden. Dafür hat der Himmel hinten 6 Stofftaschen. Vorne angefangen, habe ich zuerst alle Bügel an ihren Platz geschraubt. Der Himmel hängt, wenn auch noch in leichten Falten. Ich lass ihn erst mal aushängen, damit er sich an die neue Form gewöhnt. Besonders hinten steht der Stoff üppig über. Das muss dann noch zurecht geschnitten werden, wenn die Seiten verklebt sind.

Bis hier hin war es ja noch einfach (Schraubenzieher kann ich). Aber jetzt wird es ernst. Wie fange ich an. Was mache ich hier überhaupt? Wenn ich das Ding versaue, dann ist alles im Eimer und Gozilla erwacht oder die Welt geht unter - wahlweise. So saß ich auf der frisch installierten Rückbank und war schon fast so weit zu meinen: Irgendwie sieht der Wagen auch ohne Himmel gut aus. Muss das jetzt sein? Ja es muss!
Aber wie anfangen. Erst mal Material besorgen.

KlebstoffFür das flächige Kleben habe ich den starken Sprühkleber von Pattex genommen. Superkleber brauche ich für die Feinarbeiten und Pattex aus der Tube zum Nachkleben
Schere Eine Nagelschere für die kleinen Kurven und eine scharfe Tapetenschere für große gerade Schnitte
Cuttermessermit auswechselbarer Klinge
zweiseitiges Klebebandhiermit kann ich testkleben
MalerklebebandIdealerweise ein breites Kreppband, um die Karosserie oder andere Teile vor dem Sprühkleber zu schützen
Gummihammerum den Kontaktkleber richtig andrücken zu können
Terpentinum Verunreinigungen gleich entfernen zu können
Trittschalldämmungfür Laminat. Es eignet sich super als Polsterung
Wäscheklammernzum fixieren

Nach einiger Zeit Rumprobieren mit dem doppelseitigen Klebeband habe ich mir einen Schlachtplan erklebt. Ich fange an der Seite über der Fahrertür an. Alles abgeklebt was nicht kleben soll und her mit dem Sprühkleber. Mit reichlich Kraft (5-10 Kilo) das Leder faltenfrei über die innere Dachkante ziehen und festdrücken. Ich habe besonders darauf geachtet, dass das Leder sauber im Falz anliegt. An dieser Kante habe ich dann überstehende Teile abgeschnitten.

Auf gleiche Weise habe ich mich bis zum kleinen Heckfenster weiter geklebt. Seitlich der B-Säule mußte ich das Material leicht einschneiden. Die Schnitte werden später von der B-Säulen Verkleidung verdeckt. Jetzt ist die Beifahrerseite dran. Von der Fahrerseite strich ich das Leder mit leichten Zug zur anderen Seite hin glatt und verklebte das Ende an der Dachkante, wie auf der Fahrerseite. Danach war der himmel gespannt und faltenfrei.

Kommen wir zur Front. Da hängt ja noch ein Lappen runter. Hier ist es sehr wichtig, dass nur dort Klebstoff hinkommt wo er auch hin soll - und das sind nur die ersten wenigen Zentimeter der Karosserie. Auf das gelochte Blech darf kein Pattex. Ich habe zuerst mit Spannung und doppelseitigen Klebeband das Leder fixiert und grob abgeschnitten, dann den Kleber wieder entfernt und mit Kreppband dort abgeklebt wo kein Kleber hin soll. Der Rest ist fummelig, aber machbar.

Von der Mitte anfangend habe ich den Himmel mit mäßigem Zug gespannt und verklebt. zu den Seiten hin habe ich den Zug leicht erhöht, so habe ich Falten vermieden. In die obere Ecke der A-Säule muss unbedingt ein kleiner Schnitt, sonst ist die Spannung im Material zu hoch.

Alles Glatt? Fein.
Dann Abmarsch zurück zur C-Säule. Jetzt wird es kniffelig. Zuerst muss die Fläche irgendwie begradigt werden, da die C-Säule aus mehreren Teinen geschweißt ist. Das Werk hatte damals Pappe in Form geschnitten, auf dem Blech fixiert, und darüber flächig das Kunstleder geklebt. Ich habe mich dafür entschieden für ein etwas schmeicheligeres haptisches Gefühl zu sorgen. Im Baumarkt gibt es Trittschall-Dämmfolie für den Laminatverleger. Diese Folie gibt es in verschiedenen Stärken. Ich habe mich für eine Stärke ähnlich dem Himmel entschieden. Die Folie habe ich grob zugeschnitten und mit Sprühkleber an die C-Säule geklebt.

Die Folie muss unbedingt so enden, dass umlaufend genügend Platz bleibt um das Leder direkt auf das Blech zu kleben. Wer sich einen Mörderspaß leisten will, kann ja versuchen das frisch auf die Folie geklebte Leder noch einmal abzuziehen um zu korrigieren. Das geht ja sowas von schief!. Das Zeug klebt dann auf dem Blech UND auf dem Leder - so richtig Geil. Also Obacht und beim ersten Mal sauber arbeiten. Die hintere Biegung um das Ausstellfenster ist auch so ein Kandidat für Entlastungsschnitte, wie bei der A-Säule. Den Mittelsteg zwischen den Heckfenstern mußte ich besonders behandeln. Hier passierte bei dem Transport ein Malleur. Der Kran verpasste dem filigranen Gebilde eine satte Breitseite. Außen ist der Schaden sauber korrigiert, nur Innen ist das Blech stark verbeult. Daher habe ich den Bereich mit Spachtel aufgefüllt und verschliffen. Auf eine Polsterung habe ich verzichtet. Das würde mit den nahe liegenden Fensterdichtungen problematisch werden.

Jetzt noch einmal Konzentration. Die A-Säule ruft. Da man das Ding ständig im Blick hat, sollte hier alles superfesch aussehen. Zuerst habe ich das überstehende Material sauber abgetrennt und dann die Säule mit der Folie gepolstert. Das grob ausgeschnittene Leder hat am oberen Ende eine sauber geschnittene Kante bekommen. Diese habe ich hinten mit Kleber eingesprüht und etwa 5mm sauber umgeschlagen und mit dem Gummihammer platt und fest geklopft. Zuerst habe ich das Teil von oben angefangen flächig an die Säule geklebt und dann türseitig mit Spannung in den Falz geklebt. Dann final am fensterseitigen Rand spannen und verkleben. Auf diese Weise können alle nötigen Stoßkanten gearbeitet werden.

Nachtrag

Nach fast einem Jahr Schraubepause muss ich dem geneigten Himmelverkleber eines mit auf dem Weg geben: Pattex Sprühkleber ist suboptimal. Nach einem Jahr lösen sich die Klebeverbindungen. Besonders alle unter Spannung stehenden Ränder muss ich nachkleben. Dieses mal vertraue ich auf Sattler-Spezialkleber. http://www.sattlershop.de/index.php/cat/c6_Kleber.html

Setz Dich

Endlich ist es soweit. Der Innenraum ist fertig zur Anprobe. Heute habe ich die vordere Sitzbank restauriert. Eigentlich war nicht viel zu tun. Hier und da etwas mumifiziertes Fett entfernt und durch Neues ersetzt, Das war es schon. Naja… dann den Bezug abgenommen, alle Federn gerichtet, neues Sisalgewebe gespannt und das Gestell komplett mit roter Rostschutzfarbe angepinselt. Dann die beiden Schemel verkehrt herum am Wagenboden verschraubt, wieder abgenommen und richtig angeschraubt, dann das Gestell installiert, auf die Verstell-Mechanik geachtet und zu guter Letzt die Rückenlehnen verschraubt und den Sitz installiert.
Endlich - das erste Mal vor dem Lenkrad sitzen. Hoppla… ein so großes Auto und so wenig Platz… Sehr groß darf man gerne sein, Ein dicker Bauch stört beim Lenken (ich sollte daran denken nicht mehr zuzunehmen).

Turbinengehäuse und Eisen wuchten

Auch ein schöner Rücken kann entzücken. Besonders bei einem 603er Bürzel. Nach einer schon längst fälligen Aufräumungsarbeit des immer mehr schmelzenden Teilehaufen habe ich das Heckteil in die Finger bekommen. Besonders dieses komplexe Blechteil ist mit dunklen Erinnerungen verbunden. Denn genau dieses Teil hatte der Lackierer zwar lackiert, aber vergessen mitzuliefern. Seit Jahren versuche ich ihn zu erreichen - vergeblich. Schade, aber nicht zu ändern. Zum Glück habe ich Ersatz, wenn auch in Blau. Die Lackierarbeiten halten sich in Grenzen; das kann ich selbst erledigen. Zuvor muss getestet werden wie das Ding installiert wird. Danach kann ich es säubern, schleifen, spachteln, lackieren und zum Schluss final einbauen.
P.S. Rücken - Meiner tut jetzt weh. Aufräumen schadet der Gesundheit!

Fond-Fensterln

Ein schönes Spätsommerwochenende mit Hang zur Grobmechanik. Endlich habe ich die Dachabschlußleisten (Regenrinnen) von der alten Dichtmasse befreit. Mit einigen Kartuschen moderner Scheibendichtmasse - abtupfbar, gehe ich ans Werk. Zuerst mal das lange Edelstahlding anpassen, ok, passt. Dann eine satte Dichtmassenraupe oben in die Ecke des Dachs legen; da fing das Elend an. Laut Beschreibung ist die Pampe mit einer Kartuschenpistole wie Silikon zu verarbeiten (Achtung nehmt bloß kein Silikon!) Gaaanz falsch. Das Zeug ist so zäh, dass meine altgediente Billigpistole an seine mechanischen Grenzen kam und mich zum ausgiebigen Bizepstraining nötigte. Um die Masse aus der Düse zu zwingen musst du drücken wie ein Königstiger. Nach gut 20cm hatte ich einen neuen persönlichen Feind! Der Rest war einfacher: Leiste andrücken, alte Schraubenlöcher mit einer Reißnadel suchen und alles festschrauben. Sollte etwas Dichtmasse den schönen elfenbeinfarbenen Himmel versauen, Ruhe bewahren, 2-3 Stunden warten und die Pampe rückstandsfrei abtupfen.

Wenden wir uns der Schließmechanik zu. Sie besteht aus den äußeren Griff, dem Schloss und dem inneren Hebelmechanik. Erst wenn hier alles an seinem Platz ist, kann das Fenster eingebaut werden.

Jetzt ist es Zeit die Chromrahmen der Seitenfenster zu installieren. Dafür hat sich der Konstrukteur eine aufwändige Klammertechnik einfallen lassen. Am besten geht man so vor:

  • Trockenübung - Vor dem Einbau am Rahmen testen ob die Klammern gut passen, gegebenenfalls etwas nachbiegen.
  • Die Klammern einbauen aber die Schrauben nicht fest ziehen
  • Die Scheibe in den Rahmen und mit einem Band fixieren, dass die Scheibe nicht mehr raus rutschen kann
  • etwas Kriechöl auf den unteren Rahmen
  • Langsam in die Kralle gleiten lassen und so spannungsarm wie möglich den Rahmen einpassen.
  • Alle Schrauben leicht anziehen und bei geschlossener Tür (Halteband entfernen) den Rahmen ausrichten
  • Jetzt alle Schrauben anziehen. Auch die kleine Fixierschraube an den Krallen nicht vergessen.

Das Glas muss sich leicht in der Führung bewegen lassen. Fehlt nur noch die Kurbel und das Seil mit Kette.
Das seil muss von der einen Rolle durch das linke Ohr mit der rechten Hüfte über die Kette geworfen werden. Eine etwas genauere Beschreibung liefert die Explosionszeichnung TAB-51. Liegt das Seil in seinen Führungsrollen und lässt sich mit der Kurbel einwandfrei bewegen, kann die Scheibe mittels kleiner Winkel am Seil fixiert werden. Achtung - Die Kette ist endlich und muss so eingestellt werden, dass das Fenster ganz auf und zu geht. Etwas WD40 für die Rollen und Maschinenöl am Seil gewährt leichten Lauf. Etwas Hohlraumwax bewahrt vor Rost.
Ich könnte den restlichen Nachmittag damit verbringen dieses Fenster hoch- und runter zu kurbeln…

Do Conce

Wo steht das Projekt?

Die Karosserie ist lackiert und versiegelt.
Alle Fenster sind eingebaut
Der Chrom ist poliert
Ein neuer Himmel sitzt und passt
Die Sitze sind gereinigt, die Gestelle lackiert und alles eingebaut.
Alle Karosserieteile, Chrom und Anbauteile sind an ihrem Platz - mit perfektem Spaltmaß
Der Motor läuft
Die Lenkung ist einwandfrei
Neue Karosseriedichtungen sind installiert

Was fehlt noch

Die Elektrik muss renoviert werden
Alle Leitungen und Schläuche müssen ersetzt werden
Neue Teppiche wären angebracht, die Alten sind schäbig.
Ledersitze? Wäre möglich.

Ein neues, viel größeres, Projekt nähert sich in großen Schritten. Wir kaufen uns ein Haus. Zum Einen denke ich das ich die nächsten Jahre mit Umbauarbeiten am noch nicht gekauften Eigenheim genug zu tun haben werde, außerdem brauchen wir das Geld als Eigenkapital. Also startete ich in der Oldtimer-Zeitschrift eine Annonce. Wenige Tage danach meldete sich ein netter tschechischer Herr der starkes Interesse zeigte. Er würde gerne vorbei schauen, alles aufladen und gleich mitnehmen, wenn alles so wie beschrieben ist. Dies versicherte ich und wir machten einen Termin aus. Ich sagte noch: „bringen sie einen Transporter mit, es sind sehr viele Teile dabei“. Der Transporter wurde voll bis über die Ladekante. Dahinter auf einem Hänger den Tatra geschnallt ging mein ewiges Projekt wieder in die Heimat nach Tschechien. Hier weilt es mittlerweile fahrfertig und hochglänzend in einer Privatsammlung.