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Ich glaube eine der größten Revolutionen der Fotografie war die Erfindung der Kamera-Handys. Waren diese anfangs eher erbarmungswürdige Notlösungen um bestenfalls farbige Pixelhaufen zu erzeugen, schlagen heute selbst Billig-Smartphones mit weit über 10 Megapixel auf den Markt.

Wo der Hobbyfotograf sich Gedanken um Verschlußzeiten, Blende, Focus und Güter der Objektive macht, hat der Homo Mobilis schon Zehn Bilder geschossen und gleich via Twitter verbreitet. Mal ehrlich, wer hat in den 90er die Foto-AG besucht und welchen Stellenwert hatte die Fotografie in der Gesellschaft? Es gab den

  • Die Laborratte. Ja, ich habe in meiner Wohnung eine Dunkelkammer eingerichtet. Ich entwickle meine Fotos selber. Ok, da hat jemand keine Freunde. Statt Party zu machen sitzt er lieber im Dunkeln um Papierbildchen durch stinkendes Wasser zu ziehen.
  • Der Angeber. Leica? Naja, nur wenn meine Hassie nicht dabei ist. Da schleppt der Spinner 10.000 DM durch London, nur um den Big Ben das Zehntausendste mal perfekt aufzunehmen. Eine Postkarte hätte nicht einmal ein Pfund gekostet.
  • Der Manuelle. Ihn erkannte man an den zwei Belichtungsmesser um den Hals. Es wurde gemessen, überlegt, nachgemessen, diskutiert - meist mit sich selbst - und dann… — … war der Hirsch weg.
  • Der Massenknipser. Habt ihr Lust heute Abend zu kommen? Ich zeige Dias von meinem Urlaub. Nicht so viele wie das letzte Mal, nur die 500 Wichtigsten.

Aber alle wollten eigentlich nur uns an ihrem Hobby teilhaben lassen.
Heute ist das Zeigen von Fotos Alltag, ja es wird sogar in den Medien erwartet. Das Leben wird immer öffentlicher und das geht nur wenn man immer und überall ein Foto machen kann.

Bleibt die Frage ob sich die Hadyfotografie irgendwann zu hochwertigen Ergebnissen führt. Hat sie schon lange. Heutige Smartphones sind mit Mehrfach-Linsen von bis über 40 Megapixel ausgestattet. Zumindest die Werbung verspricht Ergebnisse in Profiqualität. Sei hier die Frage erlaubt wie man Qualität misst?

Pixelwunder

Was sagt die Pixelmenge aus. Eigentlich ist es nur ein technischer Wert wie viele Bildrezeptoren auf dem Chip sind. Meistens ist der Wert auch noch durch Interpolation künstlich übertrieben. Da aber genau diese Zahl heute für die Qualität einer Digitalkamera ausschlaggebend sein soll, übertrumpfen sich die Hersteller mit astronomischen Werten. Ein Rechne Beispiel:
Will man seine Bilder an einem 24„ Monitor bewundern, reichen rechnerisch bei einer Auflösung von 1920×1080 etwas über 2 Mpx aus. Mehr passt nicht auf den Monitor. Mit etwa 3,5 Mpx könnte man ein 13×18 cm Bild bei 300DPI ausdrucken. Ein Din A0 Poster von 100DPI benötigt etwa 15 Mpx.
Aber mit der Pixelmenge steigt die Detailgenauigleit und die Bilder werden schärfer? Nein! Falsch. Die Details gehen unter weil der Chip so ultrawinzig ist das er kaum zum Erfassen kleiner Strukturen taugt, und die Linse ist ein blindes Stück Plastik. Jeder Analogfotograf weis das die Qualität bei gleichem Filmmaterial sehr stark von der eingesetzten Technik abhängig ist. Solange sich an der Handyfront hier nichts tut, wird ein Smartphone nie in der Liga der vollformatigen Spiegelreflexer mitspielen können.

Doch hier bewegt sich was am Markt. Die ersten Mehrfach-Systeme sind zu haben. Eine Kamera ist optimiert die Formen abzubilden, eine Weitere kümmert sich um die Farben. So wurde die aktive Fläche verdoppelt. Mehr Licht = mehr Informationen. Ich kann mir vorstellen das in naher Zukunft ein Handy mit vielleicht 4 Kameras daher kommen wird. Eine für Schwartz/Weiß und jeweils eine für die Farben. Es bleibt spannend.

Ein strahlender Name wie Hasselblad oder Zeiss ist leider kein Indikator für gute Technik, eher für gutes Sponsoring.

Informationsmenge

Wenn ich bei den Smartphone-Herstellern in den Werbeblättchen stöbere, kann ich manchmal neidisch werden. Hier wird mit 40 und mehr Megapixel geworben, mehrfach vergütete Multilinsen gepriesen und ein Ultra lichtempfindlicher Chip versprochen. Alles was ich bei meiner DSLR mal gerade so auch erreiche. Kann also ein Handy so gute Bilder wie meine Sigma machen? Physikalisch: Nein.
Die Linse ist winzig klein und eigentlich nur mäßig als optisches Werkzeug zu gebrauchen. Der Chip ist ähnlich klein und dazu meist noch gebogen um einen kleineren Abstand zum Linsenpaket zu realisieren. Alleine schon die dadurch geringe auswertbare Lichtmenge hat eine recht bescheidene Informationsmenge zur Folge. Egal wie viel Megapixel dahinter lauern.
Doch wenn ich mir anschaue wie viele Bildpunkte mein Monitor verarbeiten kann, reicht mein Handy locker dafür aus. Also doch wieder brauchbar?

Zoom

Jetzt wird es eklig. Da habe ich ein leckeres Bild vom Big Ben geschossen, will aber nur das Zifferblatt sehen. Mit dem Handy habe ich entweder die Möglichkeit den digitalen Zoom einzusetzen oder am PC den Bildausschnitt zu vergrößern. In beiden Fällen ist das Ergebnis ernüchternd. Ist ja auch logisch, wenn man Folgendes bedenkt: Die Informationsmenge des Handybildes ist stark begrenzt. Jetzt schmeiße ich davon auch noch 80% weg, weil ich nur einen kleinen Teil benötige. Bei meiner DSLR habe ich einen optischen Zoom. Den stelle ich vor dem Auslösen ein und schieße dann das Bild. Die Informationsdichte dieses Bildes ist genau so groß wie bei jeden anderen Bild mit dieser Kamera. Es fällt ja immer genau gleich viel Licht durch das Objektiv auf den Chip. Nur die Linsen vergrößern das Motiv. Daher kann ich dann am PC von diesem Bild locker noch eine Vergrößerung abfertigen ohne nur komisch farbige Quadrate zu sehen.

Rechenkünstler

Warum sehe ich eigentlich Quadrate? Das liegt an der digitalen Umrechnung. Jedes digitale Bildaufnahmegerät erstellt aus der Licht-Information eine RAW-Datei. Leider wird diese Datei nur sehr selten gespeichert. Sie wird meist sofort im Arbeitsspeicher zu einem anderen Bildformat, meist jpg, konvertiert. Dabei kommt es zu Verlusten. Wie drastisch diese sind kommt sehr auf den angewandten Algorithmus an. Je weniger Verlust desto größer wird das Ergebnis und der Rechenvorgang dauert länger. Hier muss eine verträgliche Kombination gefunden werden. Leider machen sich nur wenige Hersteller an dieser Stelle eigene Gedanken. Ab Android 5 kann es jeder selbst ausprobieren: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/raw-fotografie-mit-dem-smartphone-a-1171543.html

Fazit

Die Handy-Hersteller sind auf einem guten Weg. dieser ist aber physikalisch stark begrenzt. Mit allen Tricks wird ein Telefon kein Profi-Fotoapparat. Doch je nach Anforderung an das Ergebnis kann ein Handy hervorragende Bilder erstellen.