Jaguar XJ40 Sovereign 4.0

Mein erster Jaaaag! Wenig Rost, tolle Technik und zum ersten Mal der legendäre 4-Liter-Sechsbänger unter dem rechten Fuß. Gütig wie ein Manatee oder zornig wie ein Rhino - je nach Gaspedalstellung.

Ein Leben in London

Am 01.08.1990 rollte die Katze bei Merritts Jaguar, 44 London Road, Amersham, Bucks, vom Hof. Ihr erster Besitzer: der Chef eines großen Londoner Edelhotels.

Selbst gefahren hat der Herr natürlich nicht. Er wurde chauffiert. Und der Sovereign hatte im Hotel sein eigenes Zuhause, mit Rundum-Service: Waschen, legen, trocknen. Jeden Tag. Damit der Herr abends immer in ein frisch poliertes Fahrzeug einsteigen konnte. Ein Hotelgast auf vier Rädern, sozusagen.

Erst am 12.06.2000 wechselte die Katze zum ersten und einzigen Mal den Besitzer. Zehn weitere Jahre später, am 09.09.2010, kaufte ich den Wagen in Düsseldorf. Zwei Vorbesitzer, englische Papiere, über 160.000 Meilen auf der Uhr - und trotzdem in einem Zustand, von dem viele XJ40 nur träumen können.


Die Überführung: Düsseldorf - Viernheim

Mit Kurzkennzeichen ging es Richtung Heimat. Die Fahrt war ein wahrer Genuss.

Der Wagen ist topp in Schuss und verbreitet immer noch seine Exklusivität und seinen Luxus. Nach dem Schließen der Türen sinken alle störenden Außengeräusche auf ein kaum hörbares Maß. Jeder Schalter, jeder Regler quittiert die Bedienung mit einem sonoren Ton. Das erzeugt ein Gefühl von erstklassiger Qualität, das man in modernen Autos lange suchen muss.

Der Motor hat seine Kraft wie am ersten Tag. Die Lenkung kennt kein Spiel, und die Bremsen scheinen selbst mit den rund 1750 kg Gewicht unterfordert.

Und dann ist da dieser unscheinbare Sport-Knopf am Wählhebel. Einmal gedrückt, das Gaspedal ambitioniert bedient, und aus dem Manatee wird ein Rhino. Der Wagen schiebt wie ein wütendes Nashorn und hört erst bei ca. 200 km/h damit auf. Trotzdem fehlt ihm jegliche Brutalität. Alles bleibt jederzeit absolut beherrschbar. Gentleman eben.

In gut zwei Stunden war ich zu Hause. Die Hatz und drei Tage Stadt und Landstraße brachten einen Durchschnittsverbrauch von 12,5 Litern hervor. Für eine Tonne und dreiviertel britischen Luxus mit 4 Litern Hubraum ein Wert, über den man nicht meckern kann.


Steckbrief

Farbe

Die Fahrgestellnummer entschlüsselt

SAJJHALD3AA624314

Ein kleiner Lesetipp für LWB-Jäger: Bei einem echten Majestic mit langem Radstand steht an vierter Stelle ein M statt eines J. Mehr dazu auf der XJ40-Übersicht.

Typenschild

Ausstattung

Der Sovereign ließ schon ab Werk kaum Wünsche offen:

Die Bordmappe

Ein Traum für jeden Sammler. Alle englischen Papiere inklusive V5C-Certificate und die originale Jaguar-Bordmappe:

Und das absolute Highlight: das originale Owner's Manual auf Kassette. Eingelegt, Play gedrückt, und ein britischer Gentleman erklärt einem das Auto. Sehr 1990. Sehr Jaguar.


Zustand beim Kauf

Absolut trocken. Motor und Getriebe verlieren keinen Tropfen Öl. Bei einem XJ40 mit über 260.000 km keine Selbstverständlichkeit. Das Getriebe schaltet sauber, der Motor hat noch seine volle Kraft und läuft auch im Leerlauf rund. Selbst die Niveauregulierung an der Hinterachse funktioniert - bei vielen XJ40 ist die längst ausgebaut oder hinüber.

Der Wagen ist von seinen bisherigen Besitzern offensichtlich sehr gepflegt worden. Der Service wurde mindestens bis 127.500 Meilen bei Jaguar durchgeführt und dokumentiert, und so macht er auch heute noch einen sehr gewarteten Eindruck. Das tägliche Polieren im Hotel hat ihm sichtlich gutgetan.


Was ich gemacht habe

Nach der Ankunft ging's in die Halle zur umfassenden Auffrischung:


Was noch offen war

Kein Auto ohne Baustellen. Diese Punkte standen beim Verkauf noch auf der Liste:


Abschied

Im März 2011 habe ich die Katze an einen Sammler weitergegeben. Nach nur einem halben Jahr. Es war nicht leicht, aber es war richtig - bei ihm bekommt sie wieder das, was sie aus London gewohnt ist. Ein eigenes Zuhause und jede Menge Zuwendung.

Mein erster Jaguar war es trotzdem. Und der erste vergisst man nie.

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