Sigma SD1 Merrill - Mein Benutzerhandbuch
1. Vor dem ersten Einsatz
Akku laden
Die SD1 läuft mit dem Lithium-Akku BP-21, dem gleichen wie bei SD14 und SD15.
Das Ladegerät BC-21 braucht für eine volle Ladung etwa 2,5 Stunden.
Die SD1 ist kein Sparwunder. Ein Ersatzakku gehört in die Fototasche, vor allem bei Kälte und bei häufiger Bildkontrolle am Display.
Für Langzeitaufnahmen im Studio gibt es den Netzadapter SAC-4.
Speicherkarte einsetzen
Die SD1 nimmt nur CF-Karten vom Typ I, idealerweise mit UDMA. Microdrives und CF-Karten vom Typ II passen nicht.
Neue Karten immer in der Kamera formatieren, nie am Rechner. Das erspart Ärger mit dem Dateisystem.
Eine RAW-Datei ist je nach Motiv etwa 45 bis 60
MB groß. Für 100 Bilder sollte die Karte mindestens 8
GB haben.
Wichtig: Die SD1 schreibt langsam. Solange die Zugriffsleuchte blinkt, niemals die Karte entnehmen oder den Akku ziehen. Sonst ist im schlimmsten Fall die ganze Karte hin.
Objektiv ansetzen
Weißen Punkt am Objektiv auf den Punkt am Bajonett ausrichten und im Uhrzeigersinn drehen, bis es einrastet.
Hinter dem Bajonett sitzt das Staubschutzglas. Es bleibt drin! Es schützt Spiegelkasten und Sensor. Herausnehmen nur zur Reinigung (siehe Kapitel 10).
Objektivwechsel möglichst mit der Öffnung nach unten und nicht im Wind.
Sucher einstellen
Mit dem Dioptrienrad neben dem Sucher die Anzeige scharf stellen. Einstellbereich: -3 bis +1,5 Dioptrien.
Der Sucher zeigt etwa 98 % des späteren Bildes. Am Rand ist also immer ein kleines bisschen mehr drauf, als man sieht.
Datum und Uhrzeit
Gleich beim ersten Einschalten im Hauptmenü (32) einstellen. Sonst stimmen später die Aufnahmedaten in den Bildern nicht - und die Bildverwaltung am Rechner wird zum Puzzle.
2. Meine empfohlenen Grundeinstellungen
Diese Einstellungen haben sich bei mir bewährt. Wer neu mit der SD1 anfängt, liegt damit selten falsch.
| Einstellung | Empfehlung | Warum |
| Bildformat | RAW | Nur so holt man alles aus dem Foveon. Die internen JPGs sind bestenfalls oberes Mittelmaß |
| Bildgröße | HI | Volle Auflösung. Verkleinern kann man später immer noch |
| Farbraum | sRGB | Standard für Monitore und Abzüge. Adobe RGB nur, wenn die ganze Kette mitspielt |
| Farbmodus | Vivid | Etwas kräftigere Farben. Bei viel Blau im Bild den Landschafts-Modus nehmen |
| ISO | 100 bis 400 | Der Foveon ist ein Licht-Junkie. Über 800 wird es schnell unschön |
| Weißabgleich | Auto oder passende Vorwahl | Bei Kunstlicht und Mischlicht lieber manuell. Bei RAW lässt er sich später in SIGMA Photo Pro korrigieren |
| Messmethode | Mehrfeldmessung | Für den Alltag die beste Wahl |
3. Die Belichtungsprogramme
Das Programm wird am Betriebswählrad (20) eingestellt.
P - Programmautomatik: Die Kamera wählt Zeit und Blende. Für Schnappschüsse - wobei die SD1 ohnehin keine Schnappschusskamera ist.
S - Blendenautomatik: Ich wähle die Belichtungszeit, die Kamera die Blende. Für Bewegung, Sport und Tiere.
A - Zeitautomatik: Ich wähle die Blende, die Kamera die Zeit. Mein Standardprogramm, weil die Blende die Schärfentiefe bestimmt. Auch das einzige Programm, das mit adaptierten manuellen Objektiven funktioniert.
M - Manuell: Ich wähle beides. Für Stativ, Studio, Langzeitbelichtung und Nachtaufnahmen.
Für Zeit und Blende hat die SD1 eigene Wahlräder. Das macht das Arbeiten in A, S und M angenehm direkt.
Belichtungszeiten: von 30 Sekunden bis 1/8000 Sekunde, dazu Bulb für Langzeitbelichtungen.
4. Belichtungsmessung und Belichtungskorrektur
Die vier Messmethoden
Gewählt wird die Messmethode über die Taste (21) oder im Quick-Set-Menü.
Mehrfeldmessung: 77 Messfelder, verknüpft mit den AF-Feldern. Die Allzweckwaffe.
Mittenbetonte Integralmessung: misst das ganze Bild, gewichtet die Mitte stärker. Berechenbar, gut für Porträts.
Mittenbetonte Messung: konzentriert sich noch stärker auf die Bildmitte.
Spotmessung: misst nur einen kleinen Bereich. Für schwierige Lichtsituationen, Gegenlicht und Bühne.
Belichtungskorrektur
Mit der Taste (23) und dem Wahlrad lässt sich die Belichtung in Drittelstufen korrigieren.
Mein Tipp für den Foveon: Ausgefressene Lichter verzeiht der X3 noch weniger als ein Bayer-Sensor. Bei hellen Motiven, Schnee, Himmel oder weißem Gefieder lieber 1/3 bis 2/3 Blende knapper belichten. In SIGMA Photo Pro lassen sich die Schatten viel besser retten als die Lichter.
Belichtungsspeicher (AEL)
Mit der AEL-Taste (31) wird die gemessene Belichtung festgehalten. Typischer Ablauf: Spotmessung auf die wichtigste Stelle, AEL drücken, Bildausschnitt wählen, auslösen.
Belichtungsreihe
Bei schwierigem Licht nimmt die SD1 automatisch 3 oder 5 Bilder mit unterschiedlicher Belichtung auf. Abstand in Drittelstufen, bis ±3 EV bei 3 Bildern oder ±1,7 EV bei 5 Bildern. Ideal auch als Ausgangsmaterial für HDR.
5. Autofokus
Die SD1 hat 11 AF-Felder mit Doppelkreuzsensoren.
Die Feldwahl erfolgt automatisch oder manuell über den Messfeldwähler (29).
Mein Tipp: Manuell das mittlere Feld wählen. Es ist das empfindlichste. Scharfstellen, Auslöser halb gedrückt halten, Bildausschnitt wählen, auslösen.
Die AF-Taste (30) auf der Rückseite kann den Fokus unabhängig vom Auslöser steuern. Gerade bei Tieren praktisch: Fokus mit dem Daumen, Auslösen mit dem Zeigefinger.
Bei lichtschwachen Objektiven (f/5,6 und dunkler) und wenig Licht stößt der Autofokus an seine Grenzen. Dann hilft nur: manuell scharfstellen oder lichtstärkeres Glas.
Ein Druck auf die QS-Taste (37) öffnet das Schnellmenü. Damit spart man sich den Weg ins Hauptmenü.
QS-Menü 1: ISO-Empfindlichkeit, Blitzmodus, Messmethode, AF-Modus
QS-Menü 2: Weißabgleich, Bildqualität, Bildgröße, Farbmodus
Mit dem Wahlrad oder den Pfeiltasten auswählen, fertig. Das QS-Menü ist das wichtigste Werkzeug im Alltag.
7. Serienbilder und Puffer
Die SD1 schafft 5 Bilder pro Sekunde.
Der Puffer reicht für 7 RAW-Bilder in Folge. Danach ist Pause.
Das Wegschreiben auf die Karte dauert spürbar. In dieser Zeit lässt sich die Kamera eingeschränkt bedienen.
Mein Rat: Die SD1 ist keine Sportkamera. Lieber den richtigen Moment abwarten, als auf die Serie zu hoffen.
8. Der eingebaute Blitz
Entriegelt wird der Blitz mit der Taste (8).
Leitzahl 11, Ausleuchtung bis 17 mm Brennweite.
Synchronisation bis 1/180 Sekunde.
Die Steuerung erfolgt über S-TTL. Mit der Taste (9) lässt sich die Blitzleistung korrigieren.
Ehrlich gesagt: Zum Aufhellen von Porträts bei Tageslicht taugt er. Für alles andere braucht es einen Aufsteckblitz.
9. Stativ, Spiegelvorauslösung und Langzeitbelichtung
Die Stärke der SD1 ist die Detailschärfe. Und die geht beim kleinsten Wackler verloren.
Bei Makro, Teleobjektiven und Langzeitbelichtungen immer vom Stativ arbeiten.
Die Spiegelvorauslösung nutzen. Der Spiegel klappt zuerst hoch, die Erschütterung klingt ab, erst dann öffnet der Verschluss.
Dazu einen Kabelauslöser oder den Selbstauslöser verwenden, damit der Finger am Auslöser nicht wackelt.
Den
Bildstabilisator (OS) im Objektiv auf dem Stativ ausschalten. Er kann sonst selbst Unschärfe erzeugen.
Mit der Abblendtaste (10) lässt sich die Schärfentiefe vor der Aufnahme im Sucher kontrollieren.
10. Sensor und Staubschutz reinigen
Sigma hat eine eigene Lösung gegen Staub: das Staubschutzglas hinter dem Bajonett. Staub landet auf diesem Glas statt auf dem Sensor.
Staub auf dem Schutzglas: mit einem Blasebalg vorsichtig wegpusten. Kein Druckluftspray, keine Finger.
Hartnäckiger Schmutz: das Glas nach der Anleitung im offiziellen Handbuch herausnehmen und mit einem Reinigungstuch für Optik säubern.
Staub auf dem Sensor: Das kommt dank Schutzglas selten vor. Wenn doch: nur mit Blasebalg und sehr viel Vorsicht. Im Zweifel ab zum Service.
Ohne Schutzglas niemals fotografieren und die Kamera nicht offen herumliegen lassen.
11. RAW-Entwicklung mit SIGMA Photo Pro
Die RAW-Dateien der SD1 (Format X3F) lassen sich nur mit SIGMA Photo Pro (SPP) wirklich ausreizen. Gängige RAW-Konverter unterstützen den Foveon nur eingeschränkt oder gar nicht.
Mein Arbeitsablauf:
Bilder von der Karte auf den Rechner kopieren.
In SPP öffnen und die beste Aufnahme aussuchen.
Weißabgleich prüfen und korrigieren. Bei Foveon-Bildern lohnt sich das fast immer.
Belichtung, Kontrast, Schatten und Lichter anpassen.
Schärfe nur sparsam erhöhen. Der Foveon liefert ohne Tiefpassfilter von Haus aus enorm scharfe Bilder.
Als 16-Bit-TIFF exportieren und in Gimp oder einem anderen Programm weiterbearbeiten.
Unter Linux: SPP für Windows herunterladen und mit Wine installieren. Das funktioniert.
Eine ausführliche Anleitung gibt es im Sigma-Blog.
Mit einem Adapterring von Kiev-Bajonett auf Sigma SA lassen sich Objektive aus der 6×6-Welt verwenden, zum Beispiel das Jupiter-36B 3,5/250.
Die Kamera arbeitet dann nur in der Zeitautomatik (A) oder manuell.
Blende und Fokus werden am Objektiv eingestellt.
Zum Fokussieren bei Offenblende scharfstellen, dann abblenden. Der Sucher wird dabei dunkler.
Am APS-C-Sensor der SD1 nutzen diese Objektive nur den besten, mittleren Teil ihres großen Bildkreises. Das freut die Randschärfe.
13. Wenn es hakt: typische Probleme
| Problem | Ursache und Lösung |
| Die Kamera reagiert nach der Aufnahme kaum | Sie schreibt noch auf die Karte. Warten, bis die Zugriffsleuchte erlischt |
| Der Akku ist schnell leer | Normal für die SD1. Ersatzakku mitnehmen, Bildkontrolle am Display sparsam nutzen |
| Bilder rauschen stark | ISO zu hoch. Möglichst bei ISO 100 bis 400 bleiben, notfalls Stativ statt hoher ISO |
| Farbstiche im Bild | Weißabgleich bei Mischlicht. In RAW fotografieren und in SPP korrigieren |
| Lichter sind ausgefressen | Überbelichtet. Belichtungskorrektur ins Minus, Spotmessung auf helle Bereiche |
| Dunkle Flecken an immer gleicher Stelle | Staub auf dem Schutzglas oder Sensor. Siehe Kapitel 10 |
| Autofokus findet nichts | Zu wenig Licht oder zu lichtschwaches Objektiv. Mittleres AF-Feld nutzen oder manuell fokussieren |
| Unschärfe trotz Stativ | Bildstabilisator ausschalten, Spiegelvorauslösung und Kabelauslöser verwenden |
14. Technische Daten auf einen Blick
Sensor: Foveon X3 Direktbildsensor, 23,5 x 15,7 mm (APS-C), 4.800 x 3.200 Pixel x 3 Schichten
Objektivanschluss: Sigma SA-Bajonett
Sucher: Pentaprisma, ca. 98 % Bildfeld, 0,95-fache Vergrößerung, Dioptrienausgleich -3 bis +1,5
Autofokus: 11 Felder, Doppelkreuzsensoren
Belichtungsmessung: 77 Segmente; Mehrfeld-, mittenbetonte Integral-, mittenbetonte und Spotmessung
ISO: 100 bis 6400
Verschluss: 30 s bis 1/8000 s, Bulb, ausgelegt auf über 100.000 Auslösungen
Serienbilder: 5 Bilder/s, bis zu 7 RAW in Folge
Blitz: eingebaut, Leitzahl 11, Synchronzeit 1/180 s, S-TTL
Monitor: 3,0 Zoll, ca. 460.000 Bildpunkte
Speicher: CF-Karte Typ I, UDMA-kompatibel
Akku: Lithium-Ionen BP-21, Ladegerät BC-21
Gehäuse: Magnesiumlegierung, Tasten und Anschlüsse mit Dichtungen gegen Staub und Spritzwasser
Bildprozessor: Dual TRUE II
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