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Meine Autogeschichte

Von der Vernunftentscheidung zum Virus. Siebzehn Autos, acht Marken, vier Jahrzehnte — und zu jedem ein Stück Geschichte über Blech, Rost und die Freude am Schrauben.

17
AUTOS

8
MARKEN

1962
ÄLTESTER JAHRGANG


Škoda 120 L

Škoda 120 L

01 · 1985 · „Mobiles Understatement„

Ja, so ungefähr sah auch Meiner aus, nur in Weinrot. Mobiles Understatement würde man heute gnädigerweise sagen. Damals, 1985 als Neuwagen, war es eine Vernunftentscheidung. Ich war in der Lehre und das Studium stand vor der Tür — da hatte ich keine Lust auf eine unzuverlässige Schrauberbude. Für unschlagbare 8200 DM gab es einfachste Technik in sehr überschaubarer Menge, dafür bar fast jeden Komforts und jeder Sportlichkeit. Bis auf thermische Probleme des kleinen Heckmotors verrichtete der 120 acht Jahre seinen Dienst, ohne zu mucken. Einmal fiel der Bremskraftverstärker aus — der Geber war aus der Halterung gerutscht.

Mercedes-Benz W123 200 D

02 · 1979 · Die ersten Gehversuche

Mein Nächster sollte etwas für die Ewigkeit sein. Ein Daimler, des isch halt was. Ein echter 1979er mit 2-Liter-Diesel. Als ich ihn übernahm, glänzte er durch — nichts, außer 300.000 km gut gewarteter Technik. Die Schweller hatten Rost, die dunklen Stoffsitze waren durch, an Sonderausstattung gab es ein mechanisches Schiebedach. Einige Wochen später hatte er eine Mörder-Musikanlage und alles an Chrom und Extras, was der Schrottplatz hergab. An diesem Prachtkerl machte ich meine ersten Restaurations-Gehversuche. Meine Meinung über „mobiles Blech“ begann sich zu wandeln: Ein Auto war nicht mehr nur notwendig, sondern brachte auch Spaß. Technisch tipp-topp, kämpfte ich erfolgreich gegen die braune Pest — wenn auch hier und da mit suboptimaler Glasfasertechnik. Der Überburner war die fast neuwertige pechschwarze Echtleder-Ausstattung.

Mercedes-Benz W123 200 D

Mercedes-Benz W123 230 CE

Mercedes-Benz W123 230 CE

03 · 1982 · „Wacker-Wacker„

Ein Traum wird wahr. Ein 230er Coupé, Baujahr 1982. Fensterheber, Schiebedach, alles elektrisch. Vollausstattung mit hellem MB-Tex und Zebrano, nur die Klimaanlage fehlte. Ein Lager der Vorgelegewelle machte Geräusche — daher auch sein Spitzname: Wacker-Wacker. Der 230 E hatte schon 300.000 km runter, stand aber noch gut im Saft. Die 136 PS ließen ein fast sportliches Fahrgefühl aufkommen. Leider trennte uns im Dezember 1999 der TÜV: am hinteren rechten Schweller war der Rost ausgebrochen und hatte die Hinterachsaufhängung geschwächt. Mit fast 420.000 km verkaufte ich den Wagen an einen tunesischen Exporteur. Zwei Monate später erhielt ich eine Postkarte aus Mali — ein höherer Beamter bedankte sich für sein neues Prestigefahrzeug.

Citroën CX 2.0 Leader

04 · 1986 · Die frankophile Dame

Hinten im Hof eines Gebrauchtblechverkäufers blickte mich diese elegante frankophile Dame an und lockte mit ihrem Preisschild: 400 DM. Die Variante „Leader“ versprach nur eine kurze Liste an Extras, aber es war ein völlig rostfreies Exemplar der zweiten Serie. In fast fünf Jahren Betrieb hatte ich insgesamt nur 700 DM Reparatur- und Verschleißkosten. Alles an diesem Auto war bequem. Die Straßenlage war durch die Hydropneumatik legendär, wenn auch nicht sportlich — südfranzösische Buckelpisten wurden plötzlich so glatt wie ein Babypopo. Jede technische Lösung strahlte die französische Freude am Besonderen wieder, wenn auch manche einfach nur merkwürdig waren.

Citroën CX 2.0 Leader

Citroën XM V6 Prestige

Citroën XM V6 Prestige

05 · Die neue Göttin

Noch ein Franzose. Der XM war der Nachfolger des CX und — wie von Citroën zu erwarten — ein hochmodernes Auto. Selten so eine perfekte Reise-Limousine gefahren. Die Ausstattungsliste war inklusive Clubledergestühl sehr komplett. Leider gab die neue Göttin mit Motorblockriss auf. Sehr schade.

Mercedes-Benz 280 SLC R107

06 · Need 4 Speed

Eine gute Basis. Kaum Rost, prima Technik, mieser Innenraum. Der Vorbesitzer hatte den Wagen frisch lackieren lassen, als ein Nachbar im Rausch mit einem Brecheisen die Heckscheibe einschlug. Die Polizei zog den Wagen als Beweisstück ein und verwahrte ihn wochenlang bei Regen auf dem Hof — Hutablage und Rückbank saugten sich voll Wasser. In einer zur Werkstatt aufgemotzten Halle war der Schaden gut zu beheben. Eine blaue Lederausstattung bekam ich im Tausch gegen eine Honda CB-Four. Hier einige Bilder. Eine nette Sideshow: Die Entwickler von „Need 4 Speed„ suchten german cars für einen 450 SLC 5.0 — aber keiner der Programmierer hatte so ein Gefährt. Ich bot an, den Wagen zu vermessen und Bilder zu senden. Auch wenn mein SLC nicht mehr existiert — im Computer ist er noch ein wenig vorhanden.

Mercedes-Benz 280 SLC R107

Tatra 603

Tatra 603

07 · 1962 · Erste Voll-Restauration

Der Ruf der Exotik. Ein V8 im Heck, luftgekühlt — die tschechische Avantgarde-Antwort auf westliche Luxusschlitten. Der Tatra 603 wurde meine erste Voll-Restauration. Als ehemalige Staatskarosse des Genossen Alfred Neumann stand der Berg aus schwarzem Blech auf dem Darß und wartete auf seinen zweiten Frühling. Ich erwarb den Wagen gestrippt und für die Lackierung vorbereitet. Zum Glück gab es die Teile von fast drei Autos dazu, darunter einen neuwertigen Motor — doch die weitere Ersatzteilversorgung war katastrophal. Einem brauchbaren Querlenker musste ich ein dreiviertel Jahr nachjagen. Jetzt steht der Wagen in einem Privatmuseum bei Prag.

Chrysler LeBaron GTC

08 · Turbo-Ami

Ein Cabrio in Bestzustand, mit Turbo, 177 PS, Leder und Vollausstattung für 2000 €? Ja, das gibt es. Der Baron ist ein echter Ami: überschwängliche Ausstattung bei haarsträubender Verarbeitung. Wenn man sich mit knarrendem Plastik und butterweicher Karosserie arrangieren kann, macht der GTC einen Sauspaß. Die werksseitigen 177 PS lassen eine recht flotte Gangart zu. Die Mopar-Tuningkiste ist mit den leckersten Teilen zu günstigen Preisen gefüllt: Waste-Gate, Boost-Elektronik, ein Sport-Fahrwerk und -Auspuff machen aus dem kleinen Ami zunehmend ein Sportgerät.

Chrysler LeBaron GTC

Mercedes-Benz 380 SL R107

Mercedes-Benz 380 SL R107

09 · Der Blender

Hochzeit! Ein SL soll es sein. Gesehen, getestet, gekauft — und gleich wieder zurückgegeben. Ein Blender. Statt versprochener 90.000 km hatte er mindestens 300.000 Meilen auf dem krummen Buckel. Wenn ich davon absehe, dass der Krüppel alle 30 km abstarb und nicht mehr starten wollte, waren es zwei schöne Wochen. Die Ausstattung war amerikanisch komplett, das graue Leder gut erhalten und Rost hatte das Blech nie gesehen.

ZWISCHENSPIEL — WIEDER EIN BARON

Irgendein Auto braucht der hominis mobile. Also wieder zurück zum Bekannten. In Ludwigshafen sah ich einen LeBaron GTC mit Klima und nur 72.000 km auf der Uhr — an der Frontscheibe klebte sogar noch der Einfahraufkleber. An diesem Wagen sah ich aber von Tuningmaßnahmen größtenteils ab.

BEINAHE — DIE KATZE, DIE ENTKAM

Fast, ja fast hatte ich auch einen Jaguar XJS 4.0. Ohne viel Vorwissen, aber mit sehr viel Enthusiasmus flog ich auf die Insel, um eine dieser Sportkatzen nach Hause zu fahren. Jetzt weiß ich, dass einige Engländer eine völlig andere Auffassung von „sehr gutem Zustand“ haben — leider. Trotzdem: Warwick ist immer eine Reise wert, und einen XJS werde ich mir irgendwann kaufen. Das steht fest.

Jaguar XJ40 Sovereign

Jaguar XJ40 Sovereign

10 · Der Virus

Der Virus ist ausgebrochen — die Katze hat mich erwischt. Ein gut gepflegtes Exemplar mit bekannter Historie und überschaubarem Rost. Leider spann die Alarmanlage. Der Schaden war schnell gefunden, dann blieb nur noch Luxus. Acht Monate machte mir das Dickschiff Freude, leider musste es einem Alltagsauto weichen. Mehr als drei Autos auf einmal sind mir einfach zu viel.

Saab 9-3 Cabrio Aero

11 · Hirsch-veredelt

Genau genommen unser zweiter 9-3. Den ersten hat ein Hobbyrennfahrer spektakulär als Bremseinheit missbraucht — Totalschaden nach vier Wochen. Doch der Vergleich machte die Entscheidung zum zweiten Saab klar, diesmal mit einem Löffel mehr Fett. In Frankfurt wurde ein topgepflegtes 9-3 Cabrio Aero Hirsch angeboten. Hirsch ist der Haustuner von Saab — da geht nur noch ein voll ausgebauter Viggen drüber, aber auch nicht viel. Eine legendäre Mischung aus Design-Understatement, Sicherheit, Qualität und Porschekiller.

Saab 9-3 Cabrio Aero

Jaguar Daimler XJ40 Majestic

Jaguar Daimler XJ40 Majestic

12 · Vanden Plas · Botschaft Bonn

Hoppla, alle Spaß-Autos sind weg, nur noch der Saab lauert in der Einfahrt. Seit ich meine geliebte Baustelle (auch Tatra genannt) verkauft habe, ist mir mein Oldtimerherz schwer. Es muss etwas Neues-Altes her. Um eine gewisse Familientauglichkeit zu wahren, suchte ich mir einen XJ40 raus. Dann aber das volle Programm: eine ehemalige Staatskarosse der britischen Botschaft in Bonn. Falls Sir John Major von 1990 bis 1993 in Bonn Gelüste verspürt hätte, durch die Stadt zu cruisen, wäre er diese black Cat gefahren. Der nächste Eigner fuhr den Wagen dann wirklich — zuletzt rückwärts gegen einen Blumenkübel. Mal sehen, ob ich das Dickschiff wieder flott bekomme.

Volvo 850 T5

13 · Alter Schwede

Alter Schwede! Wir haben ein Haus gekauft, also brauchen wir ein Baustellenfahrzeug — irgendwas mit Anhängekupplung und Platz für eine Tonne Bauschutt. In der Westpfalz stand ein 850 mit Baustellen-Mindestausstattung: Vollausstattung inklusive Leder, Holzlenkrad und einem T5-Motor mit ordentlich Turbo-Leistung. VW-Caddy? PAH! Leider waren beide Domlager völlig ausgeschlagen. Nachdem wir etliche Tonnen Schutt transportierten, zweimal nach Holland reisten und Grünschnitt im großen Stil entsorgten, neigte sich die Baustelle dem Ende zu.

Volvo 850 T5

Volvo XC70

Volvo XC70

14 · Asphalt-Hausboot

Schatz, wo ist der Kombi? Verkauft! Das geht gar nicht. Ein Haus mit Garten und vor der Tür nur ein Cabrio? Ein Grand Transporteur muss wieder her. Diesmal, knapp am SUV vorbei, ein Asphalt-Hausboot mit ECO-Diesel. Als reines Gebrauchsgerät macht der XC70 eine gute Figur: günstig im Unterhalt und zuverlässig im Gebrauch. Der Wagen ist weder sportlich noch besonders schön oder eine Legende — aber praktisch und bequem.

Jaguar XJ8

15 · Unvernünftig schön

Es geht wieder weiter. Boah, ist „praktisch„ langweilig. Ein XJ8 ist unvernünftig, teuer und überhaupt nicht praktisch. Trotzdem sollte jeder so einen fahren :) Das Design ist sehr klassisch, die Qualität überragend. Trotzdem muss nach über 20 Jahren einiges aufgehübscht werden — dazu habe ich noch einige Ideen, das gelungene Design stimmiger zu gestalten.

Jaguar XJ8

Mercedes-Benz R-Klasse W251

Mercedes-Benz R-Klasse W251

16 · Teutonischer Berg

Ein teutonischer Berg von einem Auto. Am Design scheiden sich die Geister, der Fahrkomfort ist über jeden Zweifel erhaben. Der Innenraum verströmt S-Klasse-Daimlerbarock der 2000er und die Ausstattung ist überkomplett. Selten habe ich ein Fahrzeug in diesem Erhaltungszustand gesehen — innen steht er einem Neuwagen kaum nach. Nur die Softlack-Teile haben die übliche Gicht.

Jaguar XKR 4.2 Coupé · R-Performance

17 · 2003 · „Endlich die richtige Katze“

Manche Träume brauchen Jahrzehnte. Seit der XJS-Geschichte auf der Insel wartete eine echte Sportkatze auf ihren Auftritt — seit Mai 2026 steht sie nun in der Einfahrt. Ein XKR 4.2 Coupé in Midnight Black, im selteneren R-Performance-Pack: 396 PS aus dem kompressoraufgeladenen 4,2-Liter-V8, ZF-Sechsgang-Automatik, Brembo-Vierkolbensättel rundum und eine R-Performance-Sportauspuffanlage, die den richtigen Ton trifft. Innen Recaro-Sportsitze in Cashmere/Ivory-Windsorleder, dazu CATS-Fahrwerk und Xenon. Mit 200.500 km gut bewegt, aber gepflegt: Bremsen rundum neu, alle Buchsen auf PU, Getriebe gespült, frischer Alcantara-Dachhimmel — und im Frühjahr 2026 die HU mängelfrei bestanden, fällig erst wieder 06/2027. Ein paar liebevolle Baustellen bleiben: die Heizung mag erst ab 2.500 Touren, die Fernbedienung ziert sich und die Fahrertür hängt einen Hauch. Aber der Motor läuft trocken, ruhig und kraftvoll. Endlich die richtige Großkatze.

Steckbrief, Status & alle Details

Jaguar XKR · R-Performance