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Ansible für Einsteiger — RHEL und Ubuntu Server

Ein praxisorientiertes Tutorial für den Einstieg in die Automatisierung mit Ansible.

Über dieses Tutorial

Dieses Tutorial richtet sich an Administratoren, die Linux-Server bereits von der Kommandozeile aus bedienen, aber noch nie mit einem Konfigurationsmanagement-Werkzeug gearbeitet haben. Alle Beispiele sind so aufgebaut, dass sie gleichzeitig auf Red Hat Enterprise Linux 9 und Ubuntu Server 24.04 LTS funktionieren. Genau darin liegt der didaktische Kern: Wer von Anfang an mit zwei Distributionen arbeitet, lernt automatisch sauberer zu automatisieren.

Zeitbedarf: ca. 6–8 Stunden inklusive der Übungen.

Hinweis zur Wiki-Syntax

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Verwendete Kastentypen:

  • '' — Erläuterung, Hintergrund

    • '' — Praxistipp, Empfehlung

      • '' — muss man wissen

        • '' — Warnung, Gefahr von Schaden

          —- ===== 1. Einleitung ===== ==== 1.1 Was ist Ansible und wofür wird es eingesetzt ==== Ansible ist ein Werkzeug zur Automatisierung von IT-Infrastruktur. Man beschreibt in Textdateien den gewünschten Zustand eines Systems — welche Pakete installiert, welche Dienste gestartet und welche Konfigurationsdateien vorhanden sein sollen — und Ansible sorgt dafür, dass die Zielsysteme diesen Zustand erreichen. Der entscheidende Perspektivwechsel für Einsteiger: ^ Klassisches Shell-Skript ^ Ansible ^ | Beschreibt Schritte („installiere Paket X“) | Beschreibt Zustände („Paket X soll vorhanden sein“) | | Zweiter Durchlauf kann Schaden anrichten | Zweiter Durchlauf ändert nichts | | Distributionsspezifisch | Abstrahiert über Module | | Fehlerbehandlung muss selbst gebaut werden | Bricht bei Fehlern kontrolliert ab | Typische Einsatzgebiete sind die Grundkonfiguration frisch installierter Server, das Ausrollen von Anwendungen, Patch-Management, Compliance-Prüfungen und die Orchestrierung mehrstufiger Abläufe über mehrere Systeme hinweg. ==== 1.2 Agentless-Prinzip: Push statt Pull ==== Auf den verwalteten Systemen muss keine Ansible-Software installiert werden. Ansible meldet sich per SSH an, überträgt ein kleines Python-Programm (das Modul), führt es aus, holt das Ergebnis ab und löscht das Programm wieder. <code> Control Node Managed Nodes ┌────────────────┐ ┌──────────────────┐ │ ansible-core │ ── SSH ──────▶ │ RHEL 9 │ │ Playbooks │ │ python3, sshd │ │ Inventory │ └──────────────────┘ │ │ ┌──────────────────┐ │ │ ── SSH ──────▶ │ Ubuntu 24.04 │ └────────────────┘ │ python3, sshd │ └──────────────────┘ </code> Daraus folgen zwei praktische Konsequenzen: * Die Zielsysteme brauchen nur SSH-Zugang und einen Python-3-Interpreter. Beides ist bei RHEL 9 und Ubuntu 24.04 standardmäßig vorhanden. * Der Control Node ist der einzige Ort, an dem Ansible installiert und gepflegt werden muss. Er läuft nicht unter Windows — WSL, eine VM oder ein Linux-Server sind erforderlich. ==== 1.3 Abgrenzung zu Puppet, Chef, Salt ==== ^ Werkzeug ^ Modell ^ Agent nötig ^ Sprache der Definitionen ^ | Ansible | Push | nein | YAML | | Puppet | Pull | ja | eigene DSL | | Chef | Pull | ja | Ruby | | Salt | beides | meist ja | YAML | Ansible ist für den Einstieg deshalb attraktiv, weil die Einstiegshürde niedrig ist: kein Server, kein Agent, keine neue Programmiersprache. Der Preis dafür ist geringere Geschwindigkeit bei sehr großen Umgebungen und das Fehlen einer permanenten Zustandsüberwachung. ==== 1.4 Voraussetzungen für dieses Tutorial ==== Kenntnisse: Umgang mit der Bash, Grundverständnis von SSH, Paketverwaltung und systemd. Technik: Drei Systeme — physisch, virtuell oder als Container. Für ein reines Lernsetup genügen jeweils 1 vCPU und 1 GB RAM. Alternativ funktioniert das gesamte Tutorial auch mit einer einzigen Maschine, auf der zwei VMs unter KVM, VirtualBox oder Vagrant laufen.

          Verwende für die Übungen keine Produktivsysteme. Ansible führt Änderungen ohne Rückfrage aus, sobald ein Playbook startet.

          —- ===== 2. Die Testumgebung aufbauen ===== ==== 2.1 Aufbau: ein Control Node, zwei Managed Nodes ==== ^ Rolle ^ Hostname ^ Betriebssystem ^ Beispiel-IP ^ | Control Node | ''ctrl | beliebig (hier: Ubuntu 24.04) | 192.168.56.10 |

        | Managed Node 1 | rhel9 | RHEL 9 | 192.168.56.11 |

        Managed Node 2 ubuntu24 Ubuntu Server 24.04 192.168.56.12

        Wer keine RHEL-Subskription hat: Die Red Hat Developer Subscription ist für Einzelpersonen kostenlos und umfasst bis zu 16 Systeme. Alternativ funktionieren AlmaLinux 9 oder Rocky Linux 9 in diesem Tutorial identisch — beide melden sich als os_family = RedHat.

        2.2 Netzwerk, Hostnamen und /etc/hosts

        Ohne funktionierende DNS-Auflösung trägt man die Namen auf dem Control Node in /etc/hosts ein:

        sudo tee -a /etc/hosts <<'EOF'
        192.168.56.11   rhel9
        192.168.56.12   ubuntu24
        EOF

        Erreichbarkeit prüfen:

        ping -c1 rhel9
        ping -c1 ubuntu24

        2.3 Benutzer und sudo-Rechte auf den Zielsystemen

        Ansible sollte sich nicht als root anmelden. Stattdessen legt man auf jedem Managed Node einen Automatisierungsbenutzer an, der per sudo ohne Passwortabfrage eskalieren darf.

        Auf RHEL 9:

        sudo useradd -m -s /bin/bash ansible
        sudo passwd ansible
        echo 'ansible ALL=(ALL) NOPASSWD:ALL' | sudo tee /etc/sudoers.d/ansible
        sudo chmod 0440 /etc/sudoers.d/ansible

        Auf Ubuntu 24.04 identisch — Ubuntu verwendet ebenfalls /etc/sudoers.d/.

        NOPASSWD:ALL ist für eine Lernumgebung vertretbar. In produktiven Umgebungen schränkt man die erlaubten Kommandos ein oder hinterlegt das sudo-Passwort per –ask-become-pass bzw. über Ansible Vault.

        2.4 SSH-Schlüssel erzeugen und verteilen

        Auf dem Control Node als der Benutzer, der später Ansible ausführt:

        ssh-keygen -t ed25519 -C "ansible control node"
        ssh-copy-id ansible@rhel9
        ssh-copy-id ansible@ubuntu24

        Test — die Anmeldung muss ohne Passwortabfrage gelingen:

        ssh ansible@rhel9 'hostname; id'
        ssh ansible@ubuntu24 'hostname; id'

        Warum das wichtig ist: Ansible startet je Task eine SSH-Verbindung. Eine interaktive Passwortabfrage würde jeden Playbook-Lauf blockieren. Der Schlüsselaustausch ist die eigentliche Grundvoraussetzung — funktioniert er nicht, funktioniert nichts danach.

        Übung 2.1: Melde dich einmal manuell per SSH an jedem Managed Node an und führe sudo whoami aus. Die Ausgabe muss root lauten, ohne dass ein Passwort abgefragt wird.


        3. Installation von Ansible

        Ansible wird ausschließlich auf dem Control Node installiert.

        3.1 Installation auf RHEL

        Seit RHEL 8 liegt ansible-core direkt im AppStream-Repository:

        sudo dnf install -y ansible-core

        Damit erhält man die Ansible-Engine plus die Collection ansible.builtin. Weitere Collections installiert man bei Bedarf über Galaxy (siehe Kapitel 12.5) oder über Pakete wie rhel-system-roles.

        Wer stattdessen das große Community-Paket möchte, aktiviert EPEL:

        sudo dnf install -y https://dl.fedoraproject.org/pub/epel/epel-release-latest-9.noarch.rpm
        sudo dnf install -y ansible

        3.2 Installation auf Ubuntu

        Aus den Ubuntu-Repositories:

        sudo apt update
        sudo apt install -y ansible

        Das Paket ansible entspricht hier dem Community-Bundle inklusive vieler Collections. Wer nur die Engine will, installiert ansible-core.

        Ubuntu-Pakete hinken der aktuellen Version oft hinterher. Für eine neuere Version bietet das Ansible-Projekt eine PPA an:

        sudo apt install -y software-properties-common
        sudo add-apt-repository --yes --update ppa:ansible/ansible
        sudo apt install -y ansible

        3.3 Installation via pip in einer venv

        Die flexibelste Variante, besonders wenn mehrere Ansible-Versionen parallel benötigt werden:

        python3 -m venv ~/ansible-venv
        source ~/ansible-venv/bin/activate
        pip install --upgrade pip
        pip install ansible ansible-lint

        Deaktivieren mit deactivate. Die venv muss vor jeder Nutzung wieder aktiviert werden.

        Methode Vorteil Nachteil
        Distributionspaket integriert, gepatcht oft ältere Version
        PPA / EPEL aktueller zusätzliche Fremdquelle
        pip in venv volle Versionskontrolle Pflege liegt beim Benutzer

        3.4 Versionen prüfen und verstehen

        ansible --version

        Beispielausgabe:

        ansible [core 2.16.3]
          config file = /home/andre/ansible/ansible.cfg
          configured module search path = ['/home/andre/.ansible/plugins/modules', ...]
          ansible python module location = /usr/lib/python3/dist-packages/ansible
          executable location = /usr/bin/ansible
          python version = 3.12.3
          jinja version = 3.1.2

        Drei Zeilen sind für Einsteiger wichtig:

        • core-Version — bestimmt, welche Module und Syntax verfügbar sind.
        • config file — zeigt, welche ansible.cfg tatsächlich greift. Steht hier None, wurde keine gefunden.
        • python version — der Interpreter auf dem Control Node, nicht auf den Zielen.

        Begriffsklärung: ansible-core ist die Engine. ansible ist ein Bundle aus der Engine plus rund 85 Collections. Beide melden dieselbe core-Version. Prüfen lässt sich das Bundle mit ansible-community –version.


        4. Grundkonfiguration

        4.1 Die Datei ansible.cfg und ihre Suchreihenfolge

        Ansible sucht seine Konfiguration in dieser Reihenfolge und nimmt die erste gefundene Datei — es wird nicht zusammengeführt:

        1. Umgebungsvariable ANSIBLE_CONFIG
        2. ./ansible.cfg im aktuellen Arbeitsverzeichnis
        3. ~/.ansible.cfg
        4. /etc/ansible/ansible.cfg

        Für dieses Tutorial legen wir ein Projektverzeichnis an:

        mkdir -p ~/ansible-tutorial
        cd ~/ansible-tutorial
        ansible.cfg
        [defaults]
        inventory        = ./inventory.yml
        remote_user      = ansible
        host_key_checking = False
        interpreter_python = auto_silent
        stdout_callback  = yaml
        retry_files_enabled = False
         
        [privilege_escalation]
        become        = False
        become_method = sudo
        become_user   = root

        Bedeutung der Einträge:

        Option Wirkung
        inventory Standard-Inventory, spart -i bei jedem Aufruf
        remote_user Benutzer für die SSH-Anmeldung
        host_key_checking False vermeidet Rückfragen bei neuen Hosts — nur in Testumgebungen!
        interpreter_python unterdrückt Warnungen zur Interpreter-Erkennung
        stdout_callback = yaml macht die Ausgabe deutlich besser lesbar

        Ansible ignoriert eine ansible.cfg im aktuellen Verzeichnis, wenn dieses für alle schreibbar ist (chmod 777). Das ist eine Sicherheitsmaßnahme und eine häufige Ursache für „meine Konfiguration wird nicht gelesen“.

        4.2 Das Inventory: INI- und YAML-Format

        Das Inventory beantwortet die Frage: Welche Systeme gibt es und wie sind sie gruppiert?

        INI-Format (kompakt, gut für kleine Umgebungen):

        inventory.ini
        [rhel]
        rhel9 ansible_host=192.168.56.11
         
        [ubuntu]
        ubuntu24 ansible_host=192.168.56.12
         
        [webserver:children]
        rhel
        ubuntu

        YAML-Format (strukturierter, für alles ab mittlerer Größe empfohlen):

        inventory.yml
        ---
        all:
          children:
            webserver:
              children:
                rhel:
                  hosts:
                    rhel9:
                      ansible_host: 192.168.56.11
                ubuntu:
                  hosts:
                    ubuntu24:
                      ansible_host: 192.168.56.12

        Das Ergebnis prüfen — dieser Befehl ist bei Inventory-Problemen das wichtigste Diagnosewerkzeug:

        ansible-inventory --list -y
        ansible-inventory --graph

        4.3 Gruppen, Kindgruppen und die Gruppe all

        • Jeder Host gehört automatisch zur Gruppe all.
        • Ein Host darf in beliebig vielen Gruppen sein.
        • Gruppen dürfen über children verschachtelt werden.
        • Die Gruppe ungrouped enthält Hosts ohne eigene Gruppe.

        Eine bewährte Konvention: Gruppen nach Funktion (webserver, datenbank) und zusätzlich nach Umgebung (prod, test) bilden. Ein Host ist dann in beiden.

        4.4 Erste Verbindung testen

        ansible all -m ansible.builtin.ping

        Erwartete Ausgabe:

        rhel9 | SUCCESS => {
            "changed": false,
            "ping": "pong"
        }
        ubuntu24 | SUCCESS => {
            "changed": false,
            "ping": "pong"
        }

        ping hat nichts mit ICMP zu tun. Das Modul meldet sich per SSH an, startet Python auf dem Ziel und lässt sich pong zurückgeben. Es testet also die komplette Kette: SSH, Authentifizierung und Python — genau das, was Ansible braucht.

        Typische Fehler an dieser Stelle:

        Meldung Ursache
        Permission denied (publickey,password) SSH-Schlüssel nicht verteilt oder falscher remote_user
        Failed to connect … No route to host Netzwerk/Firewall
        /usr/bin/python3: not found kein Python auf dem Ziel
        Missing sudo password become ohne NOPASSWD-Regel

        4.5 Privilege Escalation mit become

        Ohne Eskalation:

        ansible all -m ansible.builtin.command -a "id -un"
        # -> ansible

        Mit Eskalation:

        ansible all -m ansible.builtin.command -a "id -un" --become
        # -> root

        become lässt sich global in ansible.cfg, pro Play oder pro einzelnem Task setzen. Empfehlung für Einsteiger: global auf False lassen und dort aktivieren, wo es gebraucht wird. Das macht sichtbar, welche Tasks tatsächlich Root-Rechte benötigen.

        Übung 4.1: Erweitere das Inventory um eine Gruppe test, die beide Hosts enthält, und prüfe das Ergebnis mit ansible-inventory –graph.


        5. Ad-hoc-Befehle

        5.1 Aufbau eines Ad-hoc-Kommandos

        ansible <muster> -m <modul> -a "<argumente>" [optionen]
        Bestandteil Bedeutung
        <muster> Host, Gruppe oder Muster (all, rhel, web*, rhel:!rhel9)
        -m Modul (Standard ist command)
        -a Argumente für das Modul
        -b Kurzform für –become

        5.2 Nützliche Module für den Einstieg

        # Uptime aller Hosts
        ansible all -m ansible.builtin.command -a "uptime"
         
        # Freier Speicherplatz
        ansible all -m ansible.builtin.shell -a "df -h / | tail -1"
         
        # Datei verteilen
        ansible all -m ansible.builtin.copy \
          -a "src=/etc/motd dest=/tmp/motd.kopie mode=0644"
         
        # Dienststatus abfragen
        ansible all -m ansible.builtin.service_facts
         
        # Alle Fakten eines Hosts anzeigen
        ansible rhel9 -m ansible.builtin.setup

        **command oder shell?** command führt das Programm direkt aus — ohne Shell, also ohne Pipes, Umleitungen und Variablenexpansion. shell startet eine Shell und kann all das. Faustregel: **immer command, außer man braucht wirklich Shell-Funktionen.** command ist sicherer, weil keine Sonderzeichen interpretiert werden.

        5.3 Paketverwaltung: dnf, apt und package

        # Nur RHEL
        ansible rhel -m ansible.builtin.dnf -a "name=tree state=present" -b
         
        # Nur Ubuntu
        ansible ubuntu -m ansible.builtin.apt -a "name=tree state=present update_cache=yes" -b
         
        # Beide gleichzeitig - das generische Modul wählt selbst
        ansible all -m ansible.builtin.package -a "name=tree state=present" -b

        Das package-Modul ist bequem, hat aber eine Grenze: Es abstrahiert nur den Paketmanager, nicht die Paketnamen. httpd heißt unter Ubuntu apache2, und daran ändert package nichts. Wie man das löst, zeigt Kapitel 11.

        5.4 Grenzen von Ad-hoc-Befehlen

        Ad-hoc-Befehle sind ideal für einmalige Abfragen und schnelle Eingriffe. Sie stoßen dort an ihre Grenzen, wo:

        • mehrere Schritte in fester Reihenfolge nötig sind,
        • Bedingungen oder Schleifen gebraucht werden,
        • das Ergebnis reproduzierbar und versionierbar sein soll,
        • jemand anders nachvollziehen können muss, was passiert ist.

        Für all das gibt es Playbooks.

        Übung 5.1: Ermittle mit einem einzigen Ad-hoc-Befehl die Kernel-Version aller Hosts. Übung 5.2: Installiere das Paket htop auf beiden Systemen und deinstalliere es anschließend wieder (state=absent).


        6. YAML-Grundlagen

        6.1 Einrückung, Listen, Dictionaries

        YAML kennt drei Bausteine: Skalare (einzelne Werte), Listen und Dictionaries (Schlüssel-Wert-Paare).

        beispiel.yml
        ---
        # Skalar
        name: webserver
         
        # Liste
        pakete:
          - httpd
          - mod_ssl
          - php
         
        # Dictionary
        benutzer:
          name: andre
          shell: /bin/bash
          uid: 1001
         
        # Liste von Dictionaries - die häufigste Struktur in Ansible
        benutzerliste:
          - name: andre
            uid: 1001
          - name: martina
            uid: 1002

        Die drei eisernen Regeln:

        1. Eingerückt wird ausschließlich mit Leerzeichen, niemals mit Tabulatoren.
        2. Die Einrückungstiefe muss innerhalb einer Ebene konsistent sein (üblich: 2 Leerzeichen).
        3. Nach einem Doppelpunkt folgt ein Leerzeichen: name: wert, nicht name:wert.

        6.2 Strings, Booleans und typische Stolperfallen

        # Booleans - YAML kennt viele Schreibweisen
        aktiv: true          # empfohlen
        aktiv: yes           # gleichbedeutend, aber uneinheitlich
         
        # Norwegen-Problem: NO wird als Boolean false gelesen!
        land: NO             # -> false
        land: "NO"           # -> Zeichenkette "NO"
         
        # Doppelpunkt im Wert erzwingt Anführungszeichen
        meldung: "Fehler: Datei nicht gefunden"
         
        # Führende Null bleibt nur als String erhalten
        modus: 0644          # kann als Zahl interpretiert werden
        modus: "0644"        # sicher
         
        # Mehrzeilig
        skript: |            # Zeilenumbrüche bleiben erhalten
          #!/bin/bash
          echo "Hallo"
        
        beschreibung: >      # Zeilenumbrüche werden zu Leerzeichen
          Dieser Text wird
          zu einer Zeile.

        Der Dateimodus in Ansible sollte immer in Anführungszeichen stehen: mode: „0644“. Ohne Anführungszeichen kann YAML den Wert als Dezimalzahl lesen, was zu falschen Berechtigungen führt.

        6.3 Editor-Unterstützung und Linting

        pip install ansible-lint yamllint
         
        yamllint playbook.yml
        ansible-lint playbook.yml

        Zusätzlich prüft Ansible selbst die Syntax, ohne etwas auszuführen:

        ansible-playbook playbook.yml --syntax-check

        Für vim empfiehlt sich set expandtab shiftwidth=2 softtabstop=2 in der ~/.vimrc, für VS Code die Erweiterung Ansible von Red Hat.


        7. Das erste Playbook

        7.1 Aufbau: Plays, Tasks, Module

        Ein Playbook ist eine Liste von Plays. Jedes Play ordnet einer Hostgruppe eine Liste von Tasks zu. Jeder Task ruft genau ein Modul auf.

        Playbook
         └─ Play        (welche Hosts?)
             └─ Task    (was soll passieren?)
                 └─ Modul  (womit?)

        7.2 Ein Paket installieren und einen Dienst starten

        01-erstes-playbook.yml
        ---
        - name: Grundkonfiguration der Testsysteme
          hosts: all
          become: true
        
          tasks:
            - name: Paket chrony installieren
              ansible.builtin.package:
                name: chrony
                state: present
        
            - name: Dienst chronyd starten und aktivieren
              ansible.builtin.service:
                name: "{{ 'chronyd' if ansible_facts['os_family'] == 'RedHat' else 'chrony' }}"
                state: started
                enabled: true

        Schon im ersten Playbook zeigt sich der Distributionsunterschied: Der Dienst heißt unter RHEL chronyd, unter Ubuntu schlicht chrony. Kapitel 8 zeigt, wie man das sauberer löst als mit einem Inline-Ausdruck.

        7.3 Playbook ausführen, --check und --diff

        # Syntax prüfen
        ansible-playbook 01-erstes-playbook.yml --syntax-check
         
        # Probelauf ohne Änderungen (Dry Run)
        ansible-playbook 01-erstes-playbook.yml --check --diff
         
        # Tatsächlich ausführen
        ansible-playbook 01-erstes-playbook.yml

        –check ist die wichtigste Sicherheitsleine für Einsteiger. Ansible meldet, was es ändern würde, ohne es zu tun. Einschränkung: Die Module command und shell werden im Check-Modus standardmäßig übersprungen, und Tasks, die auf dem Ergebnis eines übersprungenen Tasks aufbauen, können dann fehlschlagen. Ein sauberer –check-Lauf ist also ein gutes Zeichen, aber keine Garantie.

        7.4 Ausgabe lesen

        PLAY [Grundkonfiguration der Testsysteme] **************************
        
        TASK [Gathering Facts] ********************************************
        ok: [rhel9]
        ok: [ubuntu24]
        
        TASK [Paket chrony installieren] **********************************
        changed: [ubuntu24]
        ok: [rhel9]
        
        PLAY RECAP ********************************************************
        rhel9      : ok=3  changed=0  unreachable=0  failed=0  skipped=0
        ubuntu24   : ok=3  changed=1  unreachable=0  failed=0  skipped=0
        Status Bedeutung Farbe
        ok Zustand war bereits korrekt grün
        changed Ansible hat etwas verändert gelb
        failed Task fehlgeschlagen, Host scheidet aus rot
        skipped Bedingung nicht erfüllt blau
        unreachable Host nicht erreichbar rot

        7.5 Idempotenz — das zentrale Konzept

        Führe das Playbook ein zweites Mal aus. Das Ergebnis muss lauten:

        rhel9      : ok=3  changed=0
        ubuntu24   : ok=3  changed=0

        Genau das ist Idempotenz: Ein Playbook beschreibt einen Zielzustand. Ist dieser erreicht, ändert ein erneuter Lauf nichts.

        Merksatz: Ein Playbook, das bei jedem Lauf changed meldet, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit fehlerhaft. Häufigste Ursache sind command- oder shell-Tasks, die keine Zustandsprüfung durchführen. Wie man das repariert, zeigt Kapitel 9.4 mit changed_when und creates.

        Übung 7.1: Schreibe ein Playbook, das die Pakete vim, curl und git installiert. Führe es zweimal aus und prüfe, dass der zweite Lauf changed=0 meldet.


        8. Variablen und Fakten

        8.1 Variablen definieren

        ---
        - name: Variablen-Demonstration
          hosts: all
          vars:
            paketname: tree
            zielverzeichnis: /opt/daten
        
          vars_files:
            - vars/allgemein.yml
        
          tasks:
            - name: Variable ausgeben
              ansible.builtin.debug:
                msg: "Paket {{ paketname }} nach {{ zielverzeichnis }}"

        Von der Kommandozeile:

        ansible-playbook playbook.yml -e "paketname=htop"
        ansible-playbook playbook.yml -e "@vars/extra.yml"

        Variablen werden in doppelten geschweiften Klammern referenziert. Steht eine Variable am Anfang eines Wertes, sind Anführungszeichen zwingend, sonst hält YAML die Klammer für den Beginn eines Dictionaries:

        name: „paketname — richtig name: paketname — Syntaxfehler

        8.2 group_vars und host_vars

        Die sauberste Methode: Variablen werden nach Gruppe bzw. Host in eigene Dateien ausgelagert. Ansible lädt diese Verzeichnisse automatisch, ohne dass man sie einbinden muss.

        ~/ansible-tutorial/
        ├── ansible.cfg
        ├── inventory.yml
        ├── group_vars/
        │   ├── all.yml
        │   ├── rhel.yml
        │   └── ubuntu.yml
        └── host_vars/
            └── rhel9.yml
        group_vars/rhel.yml
        ---
        webserver_paket:  httpd
        webserver_dienst: httpd
        webserver_konfig: /etc/httpd/conf.d/tutorial.conf
        firewall_werkzeug: firewalld
        group_vars/ubuntu.yml
        ---
        webserver_paket:  apache2
        webserver_dienst: apache2
        webserver_konfig: /etc/apache2/conf-available/tutorial.conf
        firewall_werkzeug: ufw

        Damit wird aus dem unübersichtlichen Inline-Ausdruck aus Kapitel 7.2 ein lesbarer Task:

        - name: Webserver installieren
          ansible.builtin.package:
            name: "{{ webserver_paket }}"
            state: present

        Das ist das didaktische Herzstück dieses Tutorials. Nicht der Task kennt den Unterschied zwischen RHEL und Ubuntu, sondern die Variablendatei. Der Task selbst bleibt distributionsneutral und damit lesbar. Diese Trennung von Logik und Daten ist der wichtigste Qualitätssprung beim Übergang vom Skript zur Automatisierung.

        8.3 Fakten sammeln und auswerten

        Zu Beginn jedes Plays sammelt Ansible automatisch Informationen über die Zielsysteme — die Fakten.

        ansible rhel9 -m ansible.builtin.setup
        ansible rhel9 -m ansible.builtin.setup -a "filter=ansible_distribution*"

        Wichtige Fakten für den Einstieg:

        Faktum RHEL 9 Ubuntu 24.04
        ansible_facts['os_family'] RedHat Debian
        ansible_facts['distribution'] RedHat Ubuntu
        ansible_facts['distribution_major_version'] 9 24
        ansible_facts['pkg_mgr'] dnf apt
        ansible_facts['service_mgr'] systemd systemd
        ansible_facts['hostname]'' rhel9 ubuntu24
        ansible_facts['default_ipv4']['address'] 192.168.56.11 192.168.56.12

        Das Sammeln kostet Zeit. Bei Plays, die keine Fakten brauchen, lässt es sich abschalten:

        - name: Schnelles Play ohne Fakten
          hosts: all
          gather_facts: false

        8.4 Distributionsunterschiede über Fakten abfangen

        - name: Nur auf RHEL-Systemen
          ansible.builtin.dnf:
            name: policycoreutils-python-utils
            state: present
          when: ansible_facts['os_family'] == 'RedHat'
        
        - name: Nur auf Debian-Systemen
          ansible.builtin.apt:
            name: ufw
            state: present
            update_cache: true
          when: ansible_facts['os_family'] == 'Debian'

        **os_family statt distribution verwenden.** os_family liefert RedHat für RHEL, CentOS Stream, Rocky, AlmaLinux und Fedora — das Playbook funktioniert damit auf allen. distribution unterscheidet diese Systeme und macht die Bedingung unnötig eng.

        8.5 Vorrangregeln der Variablen

        Ist dieselbe Variable an mehreren Stellen definiert, gewinnt die speziellere. Ansible kennt 22 Ebenen; für den Einstieg genügt diese Reihenfolge von schwach nach stark:

        1. Rollen-Defaults (roles/x/defaults/main.yml)
        2. Inventory-Variablen
        3. group_vars/all
        4. group_vars/<gruppe>
        5. host_vars/<host>
        6. Play-Variablen (vars:)
        7. Task-Variablen
        8. –extra-vars auf der Kommandozeile — gewinnt immer

        Praxisregel: Werte, die überschreibbar sein sollen, gehören in defaults. Werte, die nicht überschrieben werden dürfen, gehören in vars. Und wenn eine Variable sich unerklärlich verhält, hilft ansible-playbook playbook.yml -e „…“ -vvv oder ein debug-Task an der richtigen Stelle.

        Übung 8.1: Lege group_vars/all.yml mit einer Variablen projekt_name an und gib sie in einem Playbook per debug aus. Überschreibe sie anschließend per -e und beobachte das Ergebnis.


        9. Bedingungen, Schleifen und Handler

        9.1 when — Tasks bedingt ausführen

        # Einfache Bedingung
        - name: EPEL nur auf RHEL
          ansible.builtin.dnf:
            name: epel-release
            state: present
          when: ansible_facts['os_family'] == 'RedHat'
         
        # UND-Verknüpfung: Liste bedeutet AND
        - name: Nur auf RHEL 9
          ansible.builtin.debug:
            msg: "RHEL 9 erkannt"
          when:
            - ansible_facts['os_family'] == 'RedHat'
            - ansible_facts['distribution_major_version'] == '9'
         
        # ODER-Verknüpfung
          when: ansible_facts['os_family'] == 'RedHat' or ansible_facts['os_family'] == 'Debian'
         
        # Variable prüfen
          when: webserver_paket is defined
          when: meine_liste | length > 0

        In when stehen Variablen ohne geschweifte Klammern: when: os_family == „RedHat“, nicht when: „os_family == …“. Der Ausdruck wird bereits als Jinja2-Bedingung ausgewertet.

        9.2 loop — Wiederholungen

        # Einfache Liste
        - name: Mehrere Pakete installieren
          ansible.builtin.package:
            name: "{{ item }}"
            state: present
          loop:
            - vim
            - curl
            - git
         
        # Besser: das Modul kann die Liste selbst verarbeiten
        - name: Mehrere Pakete in einer Transaktion
          ansible.builtin.package:
            name:
              - vim
              - curl
              - git
            state: present
         
        # Liste von Dictionaries
        - name: Benutzer anlegen
          ansible.builtin.user:
            name: "{{ item.name }}"
            groups: "{{ item.gruppe }}"
            state: present
          loop:
            - { name: andre,   gruppe: wheel }
            - { name: martina, gruppe: users }
          loop_control:
            label: "{{ item.name }}"

        Bei Paketmodulen ist die zweite Variante deutlich schneller: Statt zehn einzelner dnf-Aufrufe gibt es eine einzige Transaktion. loop_control.label sorgt dafür, dass die Ausgabe nicht das ganze Dictionary zeigt, sondern nur den Namen.

        9.3 Handler und notify

        Ein Handler ist ein Task, der nur ausgeführt wird, wenn ein anderer Task etwas geändert hat — und zwar erst am Ende des Plays, und selbst dann nur einmal.

        ---
        - name: Webserver konfigurieren
          hosts: webserver
          become: true
        
          tasks:
            - name: Konfigurationsdatei ausbringen
              ansible.builtin.template:
                src: tutorial.conf.j2
                dest: "{{ webserver_konfig }}"
                owner: root
                group: root
                mode: "0644"
              notify: Webserver neu laden
        
          handlers:
            - name: Webserver neu laden
              ansible.builtin.service:
                name: "{{ webserver_dienst }}"
                state: reloaded
        • Der Name unter notify muss exakt dem Handler-Namen entsprechen.
        • Ändern drei Tasks dieselbe Konfiguration, läuft der Handler trotzdem nur einmal.
        • Handler laufen erst nach allen Tasks des Plays. Wird der Neustart früher gebraucht, erzwingt man ihn mit - ansible.builtin.meta: flush_handlers.
        • Scheitert ein späterer Task, laufen die Handler standardmäßig nicht–force-handlers ändert das.

        9.4 Fehlerbehandlung

        # Fehler ignorieren
        - name: Optionaler Dienst
          ansible.builtin.service:
            name: irgendwas
            state: started
          ignore_errors: true
         
        # Eigene Fehlerdefinition
        - name: Prüfung ausführen
          ansible.builtin.command: /usr/local/bin/pruefung.sh
          register: ergebnis
          failed_when: "'FEHLER' in ergebnis.stdout"
         
        # Idempotenz für command herstellen
        - name: Reine Abfrage - meldet nie "changed"
          ansible.builtin.command: systemctl is-enabled sshd
          register: ssh_status
          changed_when: false
          failed_when: false
         
        # Nur ausführen, wenn die Zieldatei fehlt
        - name: Archiv einmalig entpacken
          ansible.builtin.command: tar xzf /tmp/app.tar.gz -C /opt
          args:
            creates: /opt/app/bin/start.sh
         
        # Block mit Fehlerbehandlung
        - name: Installation mit Aufräumen
          block:
            - name: Anwendung installieren
              ansible.builtin.package:
                name: meine-app
                state: present
          rescue:
            - name: Fehlerbehandlung
              ansible.builtin.debug:
                msg: "Installation fehlgeschlagen"
          always:
            - name: Temporäre Dateien entfernen
              ansible.builtin.file:
                path: /tmp/installation
                state: absent

        changed_when: false bei reinen Abfragen ist die häufigste Korrektur, die Einsteiger-Playbooks brauchen. Ohne sie meldet jeder command-Task bei jedem Lauf changed — und die Idempotenz-Prüfung aus Kapitel 7.5 wird wertlos.

        9.5 Tags zur selektiven Ausführung

        tasks:
          - name: Pakete installieren
            ansible.builtin.package:
              name: "{{ webserver_paket }}"
              state: present
            tags:
              - installation
              - pakete
        
          - name: Konfiguration ausbringen
            ansible.builtin.template:
              src: tutorial.conf.j2
              dest: "{{ webserver_konfig }}"
              mode: "0644"
            tags:
              - konfiguration
        ansible-playbook site.yml --tags konfiguration
        ansible-playbook site.yml --skip-tags installation
        ansible-playbook site.yml --list-tags

        Übung 9.1: Erweitere das Playbook aus Übung 7.1 so, dass vim nur auf RHEL und neovim nur auf Ubuntu installiert wird.


        10. Templates mit Jinja2

        10.1 Das template-Modul im Vergleich zu copy

        Modul Einsatz
        copy Datei wird unverändert übertragen
        template Datei wird vor der Übertragung durch Jinja2 verarbeitet

        Templates liegen konventionell im Verzeichnis templates/ und tragen die Endung .j2.

        10.2 Variablen, Bedingungen und Schleifen im Template

        templates/tutorial.conf.j2
        # {{ ansible_managed }}
        # Erzeugt fuer {{ inventory_hostname }} am {{ ansible_date_time.date }}
        
        ServerName {{ ansible_facts['fqdn'] }}
        DocumentRoot {{ webserver_docroot | default('/var/www/html') }}
        
        {% if ansible_facts['os_family'] == 'RedHat' %}
        # RHEL: Module werden ueber conf.modules.d geladen
        ErrorLog logs/tutorial_error.log
        {% else %}
        # Debian/Ubuntu: absolute Pfade
        ErrorLog ${APACHE_LOG_DIR}/tutorial_error.log
        {% endif %}
        
        {% for netz in erlaubte_netze %}
        # Freigabe fuer {{ netz }}
        Require ip {{ netz }}
        {% endfor %}

        Zugehöriger Task:

        - name: Konfiguration aus Template erzeugen
          ansible.builtin.template:
            src: tutorial.conf.j2
            dest: "{{ webserver_konfig }}"
            owner: root
            group: root
            mode: "0644"
            validate: "apachectl -t -f %s"
          notify: Webserver neu laden

        ansible_managed erzeugt einen Kommentarhinweis, dass die Datei von Ansible verwaltet wird. Das erspart Kollegen die Frage, warum ihre manuelle Änderung beim nächsten Lauf verschwunden ist. validate prüft die erzeugte Datei, bevor sie an ihren Platz kopiert wird — eine fehlerhafte Konfiguration erreicht den Server damit gar nicht erst.

        10.3 Kontrollstrukturen im Überblick

        Syntax Bedeutung
        ansible Ausdruck wird ausgegeben
        {% … %} Anweisung (if, for, set) — keine Ausgabe
        {# … #} Kommentar, erscheint nicht in der Ausgabe
        {%- … -%} Anweisung, entfernt umgebende Leerzeilen

        10.4 Filter und Defaults

        {{ name | upper }}                      # Großbuchstaben
        {{ pfad | basename }}                   # Dateiname aus Pfad
        {{ wert | default('Standardwert') }}    # Ersatzwert
        {{ wert | default('x', true) }}         # auch bei leerem String
        {{ liste | join(', ') }}                # Liste zu Zeichenkette
        {{ liste | length }}                    # Anzahl Elemente
        {{ zahl | int }}                        # Typumwandlung
        {{ daten | to_nice_json }}              # formatiertes JSON
        {{ text | regex_replace('^a', 'b') }}   # Ersetzung
        {{ pfad | dirname }}                    # Verzeichnisanteil

        Der Filter default() ist das wichtigste Werkzeug für robuste Templates. Er verhindert, dass ein Playbook mit undefined variable abbricht, nur weil eine optionale Variable nicht gesetzt wurde.

        Übung 10.1: Erstelle ein Template für /etc/motd, das Hostname, IP-Adresse, Distribution und Anzahl der CPU-Kerne ausgibt, und bringe es auf beiden Systemen aus.


        11. Praxisbeispiel: Webserver auf RHEL und Ubuntu

        Dieses Kapitel führt alles Bisherige zusammen. Ziel ist ein einziges Playbook, das auf beiden Distributionen einen funktionierenden Apache-Webserver mit geöffneter Firewall hinterlässt.

        11.1 Die Unterschiede im Überblick

        Aspekt RHEL 9 Ubuntu 24.04
        Paket httpd apache2
        Dienst httpd apache2
        Konfigurationsverzeichnis /etc/httpd/conf.d/ /etc/apache2/conf-available/
        Hauptkonfiguration /etc/httpd/conf/httpd.conf /etc/apache2/apache2.conf
        DocumentRoot /var/www/html /var/www/html
        Benutzer des Dienstes apache www-data
        Firewall firewalld ufw
        Aktivierung von Konfigurationen automatisch per conf.d a2enconf nötig
        SELinux aktiv (enforcing) AppArmor, für Apache unkritisch

        11.2 Variablendateien

        group_vars/all.yml
        ---
        webserver_docroot: /var/www/html
        webserver_port: 80
        erlaubte_netze:
          - 192.168.56.0/24
        group_vars/rhel.yml
        ---
        webserver_paket:   httpd
        webserver_dienst:  httpd
        webserver_konfig:  /etc/httpd/conf.d/tutorial.conf
        webserver_benutzer: apache
        group_vars/ubuntu.yml
        ---
        webserver_paket:   apache2
        webserver_dienst:  apache2
        webserver_konfig:  /etc/apache2/conf-available/tutorial.conf
        webserver_benutzer: www-data

        11.3 Das vollständige Playbook

        11-webserver.yml
        ---
        - name: Apache-Webserver auf RHEL und Ubuntu bereitstellen
          hosts: webserver
          become: true
        
          tasks:
        
            # ---------- Installation ----------
        
            - name: Paketcache unter Debian aktualisieren
              ansible.builtin.apt:
                update_cache: true
                cache_valid_time: 3600
              when: ansible_facts['os_family'] == 'Debian'
        
            - name: Webserver-Paket installieren
              ansible.builtin.package:
                name: "{{ webserver_paket }}"
                state: present
         
            # ---------- Inhalt und Konfiguration ----------
        
            - name: Startseite erzeugen
              ansible.builtin.template:
                src: index.html.j2
                dest: "{{ webserver_docroot }}/index.html"
                owner: root
                group: root
                mode: "0644"
        
            - name: Konfigurationsdatei ausbringen
              ansible.builtin.template:
                src: tutorial.conf.j2
                dest: "{{ webserver_konfig }}"
                owner: root
                group: root
                mode: "0644"
              notify: Webserver neu laden
        
            - name: Konfiguration unter Ubuntu aktivieren
              ansible.builtin.command: a2enconf tutorial
              args:
                creates: /etc/apache2/conf-enabled/tutorial.conf
              when: ansible_facts['os_family'] == 'Debian'
              notify: Webserver neu laden
         
            # ---------- SELinux (nur RHEL) ----------
        
            - name: SELinux-Werkzeuge installieren
              ansible.builtin.dnf:
                name: policycoreutils-python-utils
                state: present
              when: ansible_facts['os_family'] == 'RedHat'
        
            - name: SELinux-Kontext des DocumentRoot sicherstellen
              community.general.sefcontext:
                target: "{{ webserver_docroot }}(/.*)?"
                setype: httpd_sys_content_t
                state: present
              when:
                - ansible_facts['os_family'] == 'RedHat'
                - ansible_facts['selinux']['status'] == 'enabled'
              notify: SELinux-Kontext anwenden
         
            # ---------- Firewall ----------
        
            - name: Firewalld installieren und starten
              when: ansible_facts['os_family'] == 'RedHat'
              block:
                - name: firewalld sicherstellen
                  ansible.builtin.dnf:
                    name: firewalld
                    state: present
        
                - name: firewalld starten
                  ansible.builtin.service:
                    name: firewalld
                    state: started
                    enabled: true
        
                - name: HTTP in firewalld freigeben
                  ansible.posix.firewalld:
                    service: http
                    permanent: true
                    immediate: true
                    state: enabled
        
            - name: HTTP in ufw freigeben
              community.general.ufw:
                rule: allow
                port: "{{ webserver_port }}"
                proto: tcp
              when: ansible_facts['os_family'] == 'Debian'
         
            # ---------- Dienst ----------
        
            - name: Webserver starten und aktivieren
              ansible.builtin.service:
                name: "{{ webserver_dienst }}"
                state: started
                enabled: true
         
            # ---------- Verifikation ----------
        
            - name: Erreichbarkeit pruefen
              ansible.builtin.uri:
                url: "http://{{ ansible_facts['default_ipv4']['address'] }}/"
                status_code: 200
                return_content: true
              register: pruefung
              delegate_to: localhost
              become: false
        
            - name: Ergebnis anzeigen
              ansible.builtin.debug:
                msg: "{{ inventory_hostname }} antwortet mit Status {{ pruefung.status }}"
        
          handlers:
        
            - name: Webserver neu laden
              ansible.builtin.service:
                name: "{{ webserver_dienst }}"
                state: reloaded
        
            - name: SELinux-Kontext anwenden
              ansible.builtin.command: "restorecon -Rv {{ webserver_docroot }}"
        templates/index.html.j2
        <!DOCTYPE html>
        <html lang="de">
        <head><meta charset="utf-8"><title>{{ inventory_hostname }}</title></head>
        <body>
          <h1>Willkommen auf {{ inventory_hostname }}</h1>
          <ul>
            <li>Distribution: {{ ansible_facts['distribution'] }}
                {{ ansible_facts['distribution_version'] }}</li>
            <li>Kernel: {{ ansible_facts['kernel'] }}</li>
            <li>CPU-Kerne: {{ ansible_facts['processor_vcpus'] }}</li>
            <li>Bereitgestellt am: {{ ansible_date_time.iso8601 }}</li>
          </ul>
        </body>
        </html>

        11.4 Benötigte Collections

        Die Module ansible.posix.firewalld, community.general.ufw und community.general.sefcontext sind nicht in ansible-core enthalten:

        ansible-galaxy collection install ansible.posix community.general

        11.5 Ausführen und prüfen

        ansible-playbook 11-webserver.yml --check --diff
        ansible-playbook 11-webserver.yml
        ansible-playbook 11-webserver.yml      # zweiter Lauf: changed=0

        Anschließend im Browser http://192.168.56.11/ und http://192.168.56.12/ aufrufen.

        Wenn die Seite unter RHEL nicht erscheint, ist fast immer eine von drei Ursachen schuld: firewalld blockiert Port 80, SELinux verweigert den Zugriff auf den DocumentRoot, oder der Dienst läuft nicht. Diagnose auf dem Zielsystem:

        sudo systemctl status httpd
        sudo firewall-cmd --list-services
        sudo ausearch -m AVC -ts recent

        12. Rollen — Playbooks strukturieren

        12.1 Wozu Rollen

        Das Playbook aus Kapitel 11 ist bereits an der Grenze der Übersichtlichkeit. Rollen lösen drei Probleme: Wiederverwendbarkeit, Lesbarkeit und Teilbarkeit im Team.

        12.2 Verzeichnisstruktur einer Rolle

        ansible-galaxy init roles/webserver
        roles/webserver/
        ├── defaults/main.yml    # Standardwerte, niedrigste Priorität
        ├── vars/main.yml        # feste Werte, hohe Priorität
        ├── tasks/main.yml       # Einstiegspunkt der Rolle
        ├── handlers/main.yml    # Handler
        ├── templates/           # Jinja2-Vorlagen
        ├── files/               # statische Dateien für copy
        ├── meta/main.yml        # Metadaten und Abhängigkeiten
        └── README.md
        Verzeichnis Wird geladen Priorität
        defaults/ automatisch niedrig — zum Überschreiben gedacht
        vars/ automatisch hoch — nicht zum Überschreiben gedacht
        tasks/ automatisch (main.yml)
        templates/ über template-Modul, ohne Pfadangabe
        files/ über copy-Modul, ohne Pfadangabe

        12.3 Distributionsabhängige Variablen in Rollen

        Der elegante Standardweg, um in einer Rolle zwischen RHEL und Ubuntu zu unterscheiden:

        roles/webserver/vars/
        ├── RedHat.yml
        └── Debian.yml
        roles/webserver/tasks/main.yml
        ---
        - name: Distributionsspezifische Variablen laden
          ansible.builtin.include_vars: "{{ ansible_facts['os_family'] }}.yml"
        
        - name: Webserver-Paket installieren
          ansible.builtin.package:
            name: "{{ webserver_paket }}"
            state: present
        
        - name: Konfiguration ausbringen
          ansible.builtin.template:
            src: tutorial.conf.j2
            dest: "{{ webserver_konfig }}"
            mode: "0644"
          notify: Webserver neu laden
        
        - name: Firewall konfigurieren
          ansible.builtin.include_tasks: "firewall-{{ ansible_facts['os_family'] }}.yml"
        
        - name: Dienst sicherstellen
          ansible.builtin.service:
            name: "{{ webserver_dienst }}"
            state: started
            enabled: true

        include_vars mit ansible_facts_os_family.yml ist ein Muster, das in praktisch jeder professionellen Rolle vorkommt. Neue Distributionen werden unterstützt, indem eine weitere Variablendatei hinzukommt — der Task-Code bleibt unverändert.

        12.4 Rollen einbinden

        site.yml
        ---
        - name: Webserver bereitstellen
          hosts: webserver
          become: true
          roles:
            - role: basis
            - role: webserver
              vars:
                webserver_port: 8080

        Alternativ dynamisch innerhalb der Task-Liste:

        tasks:
          - name: Webserver-Rolle bedingt einbinden
            ansible.builtin.include_role:
              name: webserver
            when: inventory_hostname in groups['webserver']
        Variante Zeitpunkt Besonderheit
        roles: statisch, vor allen Tasks Tags vererben sich auf alle Tasks
        import_role statisch, an der Stelle zur Übersetzungszeit aufgelöst
        include_role dynamisch, zur Laufzeit when wirkt auf die ganze Rolle

        12.5 Ansible Galaxy und Collections

        # Suchen und installieren
        ansible-galaxy collection install community.general
        ansible-galaxy role install geerlingguy.apache
         
        # Installiertes anzeigen
        ansible-galaxy collection list
         
        # Abhängigkeiten deklarieren
        ansible-galaxy collection install -r requirements.yml
        requirements.yml
        ---
        collections:
          - name: ansible.posix
          - name: community.general
        
        roles:
          - name: geerlingguy.apache
            version: "3.2.0"

        Vollqualifizierte Modulnamen (FQCN) wie ansible.builtin.package statt nur package sind seit Ansible 2.10 die empfohlene Schreibweise. Sie machen eindeutig, aus welcher Collection ein Modul stammt — wichtig, seit mehrere Collections gleichnamige Module enthalten können.

        Übung 12.1: Überführe das Playbook aus Kapitel 11 in eine Rolle webserver mit vars/RedHat.yml und vars/Debian.yml. Das aufrufende site.yml sollte danach nur noch wenige Zeilen umfassen.


        13. Geheimnisse schützen mit Ansible Vault

        13.1 Verschlüsselte Dateien und Variablen anlegen

        # Neue verschlüsselte Datei anlegen
        ansible-vault create group_vars/all/vault.yml
         
        # Bestehende Datei verschlüsseln
        ansible-vault encrypt secrets.yml
         
        # Bearbeiten (entschlüsselt nur im Editor)
        ansible-vault edit group_vars/all/vault.yml
         
        # Anzeigen
        ansible-vault view group_vars/all/vault.yml
         
        # Passwort ändern
        ansible-vault rekey group_vars/all/vault.yml

        Einzelne Werte lassen sich auch inline verschlüsseln:

        ansible-vault encrypt_string 'GeheimesPasswort' --name 'db_passwort'

        Das Ergebnis wird direkt in eine normale YAML-Datei eingefügt:

        ---
        db_benutzer: app
        db_passwort: !vault |
                  $ANSIBLE_VAULT;1.1;AES256
                  38396437653...

        13.2 Passwortdateien und Vault-IDs

        echo "MeinVaultPasswort" > ~/.vault_pass
        chmod 600 ~/.vault_pass
        ansible.cfg
        [defaults]
        vault_password_file = ~/.vault_pass

        Mehrere Vaults für verschiedene Umgebungen:

        ansible-vault encrypt --vault-id prod@~/.vault_prod secrets_prod.yml
        ansible-playbook site.yml --vault-id prod@~/.vault_prod

        13.3 Playbooks mit Vault ausführen

        ansible-playbook site.yml --ask-vault-pass
        ansible-playbook site.yml --vault-password-file ~/.vault_pass

        Die Passwortdatei gehört niemals ins Git-Repository. Ein passender .gitignore-Eintrag:

        .vault_pass
        *.retry

        Eine bewährte Konvention ist die Trennung in eine unverschlüsselte vars.yml mit sprechenden Variablennamen und eine verschlüsselte vault.yml, die die eigentlichen Werte unter dem Präfix vault_ enthält. So bleibt im Klartext sichtbar, welche Geheimnisse existieren, ohne ihren Inhalt preiszugeben.


        14. Gute Praxis für den Einstieg

        14.1 Verzeichnisstruktur eines Projekts

        ansible-projekt/
        ├── ansible.cfg
        ├── requirements.yml
        ├── .gitignore
        ├── inventories/
        │   ├── test/
        │   │   ├── hosts.yml
        │   │   ├── group_vars/
        │   │   └── host_vars/
        │   └── prod/
        │       ├── hosts.yml
        │       └── group_vars/
        ├── roles/
        │   ├── basis/
        │   └── webserver/
        ├── playbooks/
        │   ├── site.yml
        │   └── webserver.yml
        └── templates/
        ansible-playbook -i inventories/test playbooks/site.yml

        14.2 Versionierung mit Git

        Ansible-Code ist Code und gehört in ein Repository. Der praktische Nutzen:

        • Jede Konfigurationsänderung ist nachvollziehbar — inklusive Autor und Begründung.
        • Ein fehlerhaftes Playbook lässt sich zurückrollen.
        • Für regulierte Umgebungen liefert die Historie einen belastbaren Änderungsnachweis.

        14.3 Namenskonventionen und Lesbarkeit

        • **Jeder Task bekommt ein name:** — es erscheint in der Ausgabe und ist die Dokumentation zur Laufzeit.
        • Namen beschreiben das Ziel, nicht das Modul: „Webserver-Paket installieren“, nicht „dnf ausführen“.
        • Variablennamen in Kleinbuchstaben mit Unterstrich, mit Rollenpräfix: webserver_port statt port.
        • FQCN verwenden: ansible.builtin.copy statt copy.
        • Booleans einheitlich als true/false.

        14.4 Häufige Anfängerfehler

        Fehler Symptom Lösung
        Tabulatoren in YAML found character \t nur Leerzeichen verwenden
        Fehlende Anführungszeichen bei am Zeilenanfang Syntaxfehler name: „var
        in when Warnung, unerwartetes Verhalten Klammern weglassen
        shell statt command unnötiges Sicherheitsrisiko command bevorzugen
        command ohne changed_when immer changed changed_when: false
        mode: 0644 ohne Anführungszeichen falsche Berechtigungen mode: „0644“
        become vergessen Permission denied become: true im Play
        Handler-Name stimmt nicht Handler läuft nie Namen exakt abgleichen
        Produktivsystem ohne –check ungewollte Änderungen erst Dry Run
        Passwörter im Klartext Sicherheitsvorfall Ansible Vault

        14.5 Fehlersuche

        # Ausgabestufen: mehr v = mehr Details
        ansible-playbook site.yml -v      # Ergebnisse der Tasks
        ansible-playbook site.yml -vvv    # inkl. SSH-Kommandos
        ansible-playbook site.yml -vvvv   # inkl. Verbindungsdebug
         
        # Nur bestimmte Hosts
        ansible-playbook site.yml --limit rhel9
         
        # Ab einem bestimmten Task starten
        ansible-playbook site.yml --start-at-task "Konfiguration ausbringen"
         
        # Schrittweise mit Bestätigung
        ansible-playbook site.yml --step
         
        # Was wird ausgeführt?
        ansible-playbook site.yml --list-tasks
        ansible-playbook site.yml --list-hosts

        Das nützlichste Diagnosewerkzeug im Playbook selbst:

        - name: Zwischenergebnis anzeigen
          ansible.builtin.debug:
            var: ergebnis
        
        - name: Alle Fakten eines Hosts anzeigen
          ansible.builtin.debug:
            var: ansible_facts

        15. Ausblick

        15.1 Ansible Automation Platform / AWX

        Sobald mehrere Personen automatisieren, reicht die Kommandozeile nicht mehr. AWX (Open Source) bzw. die Red Hat Ansible Automation Platform (unterstützt) ergänzen:

        • Weboberfläche und REST-API
        • rollenbasierte Rechtevergabe
        • zentrale Verwaltung von Zugangsdaten
        • Zeitpläne und Job-Historie
        • revisionssichere Protokollierung — in regulierten Umgebungen oft der ausschlaggebende Punkt

        15.2 Dynamische Inventories

        Statische Inventory-Dateien werden in Cloud-Umgebungen schnell unbrauchbar. Dynamische Inventory-Plugins fragen die Quelle direkt ab:

        inventory_azure.yml
        ---
        plugin: azure.azcollection.azure_rm
        include_vm_resource_groups:
          - produktion
        keyed_groups:
          - key: tags.rolle
            prefix: rolle

        Verfügbar unter anderem für Azure, AWS EC2, VMware, OpenStack, Proxmox und Red Hat Satellite.

        15.3 Weiterführende Themen

        • Testen: Molecule für automatisierte Rollentests
        • CI/CD: ansible-lint und Playbook-Läufe in GitLab CI oder GitHub Actions
        • Sicherheit: die rhel-system-roles bzw. linux-system-roles, unter anderem für SSH-Härtung, Zeitsynchronisation und Firewall
        • Zertifizierung: Red Hat EX294 (RHCE) prüft genau die hier behandelten Themen
        • Dokumentation: ansible-doc <modul> liefert offline eine vollständige Modulbeschreibung mit Beispielen — oft schneller als die Websuche

        Anhang

        A. Modul-Übersicht für den Einstieg

        Modul Zweck
        ansible.builtin.package Pakete distributionsneutral verwalten
        ansible.builtin.dnf / .apt Pakete distributionsspezifisch verwalten
        ansible.builtin.service / .systemd Dienste steuern
        ansible.builtin.copy Datei unverändert übertragen
        ansible.builtin.template Datei aus Jinja2-Vorlage erzeugen
        ansible.builtin.file Dateien, Verzeichnisse, Links, Rechte
        ansible.builtin.lineinfile einzelne Zeile in Datei sicherstellen
        ansible.builtin.blockinfile Textblock in Datei verwalten
        ansible.builtin.user / .group Benutzer und Gruppen
        ansible.builtin.command / .shell Befehle ausführen
        ansible.builtin.debug Werte ausgeben
        ansible.builtin.setup Fakten sammeln
        ansible.builtin.uri HTTP-Aufrufe und Prüfungen
        ansible.builtin.git Repositories auschecken
        ansible.builtin.cron Cronjobs verwalten
        ansible.builtin.mount Dateisysteme einhängen
        ansible.posix.firewalld firewalld (RHEL)
        community.general.ufw ufw (Ubuntu)
        ansible.posix.seboolean SELinux-Booleans

        B. Befehls-Spickzettel

        # --- Prüfen ---
        ansible --version
        ansible-inventory --graph
        ansible all -m ansible.builtin.ping
        ansible-playbook site.yml --syntax-check
        ansible-playbook site.yml --list-tasks
         
        # --- Ausführen ---
        ansible-playbook site.yml
        ansible-playbook site.yml --check --diff
        ansible-playbook site.yml --limit rhel9
        ansible-playbook site.yml --tags konfiguration
        ansible-playbook site.yml -e "variable=wert"
        ansible-playbook site.yml --start-at-task "Name"
        ansible-playbook site.yml -b -K          # sudo mit Passwortabfrage
         
        # --- Ad-hoc ---
        ansible all -m ansible.builtin.command -a "uptime"
        ansible all -m ansible.builtin.setup -a "filter=ansible_distribution*"
         
        # --- Dokumentation ---
        ansible-doc -l
        ansible-doc ansible.builtin.package
        ansible-doc -s ansible.builtin.service   # nur Beispiel-Snippet
         
        # --- Vault ---
        ansible-vault create   secrets.yml
        ansible-vault edit     secrets.yml
        ansible-vault encrypt_string 'wert' --name 'variable'
         
        # --- Galaxy ---
        ansible-galaxy collection install community.general
        ansible-galaxy init roles/meine-rolle
        ansible-galaxy collection list

        C. Gegenüberstellung RHEL ↔ Ubuntu

        Bereich RHEL 9 Ubuntu 24.04
        Paketmanager dnf apt
        Ansible-Faktum os_family RedHat Debian
        Webserver-Paket httpd apache2
        Webserver-Dienst httpd apache2
        Webserver-Benutzer apache www-data
        Webserver-Konfiguration /etc/httpd/ /etc/apache2/
        NTP-Dienst chronyd chrony
        SSH-Dienst sshd ssh
        MariaDB-Paket mariadb-server mariadb-server
        Firewall firewalld ufw
        Mandatory Access Control SELinux AppArmor
        Repositorydefinition /etc/yum.repos.d/ /etc/apt/sources.list.d/
        Netzwerkkonfiguration NetworkManager netplan
        Paketcache aktualisieren automatisch update_cache: true nötig
        Logdateien Apache /var/log/httpd/ /var/log/apache2/

        D. Lösungshinweise zu den Übungen

        Übung 5.1 — Kernel-Version aller Hosts:

        ansible all -m ansible.builtin.setup -a "filter=ansible_kernel"

        Übung 7.1 — Idempotente Paketinstallation:

        ---
        - name: Werkzeuge installieren
          hosts: all
          become: true
          tasks:
            - name: Basiswerkzeuge sicherstellen
              ansible.builtin.package:
                name:
                  - vim
                  - curl
                  - git
                state: present

        Übung 9.1 — Distributionsabhängiger Editor:

        - name: vim auf RHEL
          ansible.builtin.dnf:
            name: vim-enhanced
            state: present
          when: ansible_facts['os_family'] == 'RedHat'
        
        - name: neovim auf Ubuntu
          ansible.builtin.apt:
            name: neovim
            state: present
            update_cache: true
          when: ansible_facts['os_family'] == 'Debian'

        Übung 10.1 — motd-Template:

        templates/motd.j2
        {{ ansible_managed }}
        ------------------------------------------------------------
         Host        : {{ ansible_facts['fqdn'] }}
         IP-Adresse  : {{ ansible_facts['default_ipv4']['address'] }}
         System      : {{ ansible_facts['distribution'] }} {{ ansible_facts['distribution_version'] }}
         Kernel      : {{ ansible_facts['kernel'] }}
         CPU-Kerne   : {{ ansible_facts['processor_vcpus'] }}
         Speicher    : {{ ansible_facts['memtotal_mb'] }} MB
        ------------------------------------------------------------

        Ende des Tutorials.