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Maschinenpflege: Putzen wie die Profis

Wer hunderte Euro in Technik und edle Bohnen versenkt, seine Maschine aber nicht pflegt, bekommt irgendwann eine Brühe, die nach Pottsau schmeckt. Kaffeefett setzt sich überall ab, wird ranzig und ruiniert gnadenlos jeden Espresso. Regelmäßige Pflege ist absolute Pflicht!

1. Die E61-Brühgruppe entfetten (Rückspülen)

Die Faema E61 ist ein Traum, aber ihre feinen Kanäle und das 3-Wege-Ventil sammeln Kaffeefett. Wenn der Espresso plötzlich kratzig und fies schmeckt, ist es meist nicht die Bohne, sondern eine dreckige Brühgruppe.

Hierfür brauchst du ein Blindsieb (ein Siebeinsatz ohne Löcher) und Kaffeefettlöser (z. B. Puly Caff oder ein ähnliches Pulver).

Wie oft?

  • Täglich (oder nach jedem Betriebstag): Nur mit klarem Wasser rückspülen! Blindsieb rein, Bezugshebel hoch (ca. 5 Sek.), dann runter. Der Druck spült lose Kaffeekrümel aus dem Duschsieb und Ventil in die Tropfschale. 3-5 Mal wiederholen.
  • Alle 1–2 Wochen (je nach Nutzung): Die große Tour mit Kaffeefettlöser.

Die Chemiekeule: Rückspülen mit Fettlöser

  1. Maschine ist heiß.
  2. Blindsieb in den Siebträger, ca. 3g (halber Teelöffel) Fettlöser rein.
  3. Siebträger fest einspannen.
  4. Bezugshebel ganz nach oben (Pumpe rödelt, Druck baut sich auf). Nach ca. 5–10 Sekunden…
  5. …Hebel zügig ganz nach unten kloppen. Das Überdruckventil rotzt den schmutzigen, weißen Schaum unten in die Tropfschale.
  6. Das machst du so ca. 5 Mal hintereinander.
  7. Profitipp: Lass den Hebel zwischendurch mal in der mittleren Position stehen. So baut sich kein Druck ab, aber der Reiniger kann schön einwirken und festsitzendes Fett anlösen.

  8. Blindsieb rausnehmen und ausspülen.
  9. Klarspülen: Den ganzen Quatsch OHNE Reiniger mehrmals wiederholen, bis unten nur noch sauberes Wasser rausschießt.

1.1 Hilfe, mein Hebel quietscht! (Die richtige Schmierung)

Wenn du die Chemiekeule benutzt hast, ist die Brühgruppe innen blitzeblank. Das alte Kaffeefett ist weg. Das Problem: Das Fett hat die inneren Metallteile (den Exzenter/Nocken, der die Ventile drückt) geschmiert. Jetzt reibt Messing auf Messing. Der Hebel geht schwer und quietscht fürchterlich.

Viele sagen: *„Warte einfach 2-3 Espresso, dann schmiert das neue Kaffeefett das wieder.“* Das stimmt zwar, aber wer seine ECM wirklich liebt und Metallabrieb vermeiden will, der schmiert von Hand!

Welches Fett? Nimm um Himmels willen kein WD-40, Maschinenöl oder normales Schmierfett! Wir sind hier im Lebensmittelbereich (Heißwasser). Du brauchst zwingend lebensmittelechtes Silikonfett / Hahnfett (z.B. OKS 1110 oder Molykote 111). Das ist hitzebeständig, geschmacksneutral und wäscht sich nicht sofort wieder raus.

So fettest du den E61-Hebel richtig (Der kleine Service):

  1. Maschine ausschalten und abkühlen lassen.
  2. An der rechten Seite (wo der Bezugshebel sitzt) ist am dicken Zylinder der Brühgruppe eine große Sechskantmutter.
  3. Mit einem passenden Schraubenschlüssel (oft 22er oder 26er, leg ein Tuch unter, um den Chrom nicht zu verkratzen!) diese Schraube vorsichtig aufdrehen.
  4. Zieh die Schraube samt der inneren Welle und dem Hebel vorsichtig heraus.
  5. An der Welle siehst du einen Nocken (ein unförmiges Metallstück), der drinnen die Ventilstößel betätigt.
  6. Wisch den Nocken mit einem Zewa trocken und sauber.
  7. Streiche den Nocken und die Dichtungsringe auf der Welle hauchdünn (!) mit dem lebensmittelechten Silikonfett ein. Nicht ertränken, sonst klebt das Fett im Ventil!
  8. Welle wieder reinschieben, Schraube festziehen (handfest, nicht anknallen!).
  9. Fertig! Der Hebel gleitet wieder butterweich wie am ersten Tag.

2. Duschsieb & Siebträger schrubben

Das Rückspülen reinigt die inneren Kanäle, aber nicht alles.

  • Die Gruppenbürste (Fürs Grobe): Hol dir eine kleine, abgeknickte Reinigungsbürste mit harten Nylonborsten. Nach dem Bezug kurz den Hebel hoch (Wasser läuft) und mit der Bürste die Dichtung und das Duschsieb (von unten) abschrubben. Das entfernt den Kaffeesatz, der sich an der heißen Dichtung festbrennt.
  • Siebträger-Bad: Die Siebträger selbst sammeln fiesen, schwarzen Schmodder in den Ausläufen. Nimm den Siebeinsatz raus. Lege das Sieb und den metallenen Teil des Siebträgers (Griff bleibt draußen!) in eine Schale mit heißem Wasser und etwas Kaffeefettlöser. 30 Minuten einwirken lassen, abspülen, glänzt wie neu.

3. Die Mühle: Oft vergessen, immer wichtig

Eine Mühle mahlt nicht nur, sie zerquetscht die öligen Bohnen. Dieses Öl klebt an den Mahlscheiben und im Auswurfschacht, wird ranzig und versaut dir den frisch gemahlenen Kaffee.

  • Das Granulat (Fauler Kompromiss): Es gibt Reinigungsgranulat (z. B. Grindz), das man wie Kaffeebohnen durch die Mühle jagt. Das bindet Öl und reinigt ganz ordentlich. Danach musst du aber ordentlich Kaffeebohnen nachmahlen, um die Granulatreste rauszubekommen.
  • Der Sauger (Der schnelle Weg): Halt nach jedem Bohnenwechsel oder einmal pro Woche einfach den Schlauch vom Staubsauger (mit etwas Gefühl) an den Auswurf und oben an den Hopper, um alte Krümel und Spelzen rauszusaugen.
  • Die große Operation (Alle paar Monate): Mühle vom Strom! Hopper abnehmen. Den oberen Mahlkranz (die Verstellung) abschrauben. Jetzt liegen die Mahlscheiben frei. Mit einem weichen Pinsel und dem Staubsauger alles peinlich genau säubern.

    Achtung: Merk dir unbedingt (oder markiere), wie der Mahlkranz aufgeschraubt war, sonst ruinierst du dir deinen perfekten Mahlgrad beim Zusammenbau!

4. Vorbeugende Entkalkung

Wer seine Maschine liebt, nutzt weiches Wasser (6-8° dH). Wenn du doch entkalken musst, nimm schonende Entkalker (z.B. Amidosulfonsäure), sonst frisst du dir die Technik kaputt.

HALT, STOPP! Diese Anleitung ist NUR für die vorbeugende Entkalkung. Deine Maschine hat Jahre keinen Service gesehen und ist komplett verkalkt? Dann auf gar keinen Fall das Zeug einfach durchlaufen lassen! Gelöste Kalkbrocken verstopfen dir sofort Magnetventile und die feinen Kanäle der E61-Gruppe. Dann wird's richtig teuer.

  1. Maschine heiß werden lassen (Betriebsdruck).
  2. Ausschalten.
  3. Kessel leer machen: Heißwasserhahn aufdrehen. Gleichzeitig den Bezugshebel hochlegen (leert den Wärmetauscher). Alles wieder zudrehen.
  4. Entkalker-Mix (nach Anleitung) in den leeren Wassertank kippen.
  5. Maschine anwerfen. Sie zieht sich jetzt automatisch den Entkalker in den leeren Kessel.
  6. Bezugshebel hoch, bis Wasser (Entkalker) aus der Brühgruppe schießt. (Wärmetauscher ist voll).
  7. Expansionsventil fluten: Siebträger mit Blindsieb rein. Hebel drei Mal für 20 Sekunden hochlegen (Pumpe baut Druck auf), dazwischen immer wieder ganz runterdrücken.
  8. Kaffeepause! Lass den Entkalker ca. 30 Minuten einwirken.
  9. Restlichen Entkalker aus dem Wassertank durch die Brühgruppe jagen.
  10. Maschine aus. Kessel wieder komplett über den Heißwasserhahn entleeren. *(Profitipp: Schraub vorher das kleine Sieb am Hahn ab, sonst hängt der Dreck drin).*
  11. Spülen, Spülen, Spülen: Tank auswaschen, frisches Wasser rein.
  12. Maschine an (Kessel füllt sich).
  13. Expansionsventil spülen (wieder 3x 20 Sek. mit Blindsieb).
  14. Wärmetauscher spülen (Hebel einfach mal 60 Sek. laufen lassen).
  15. Diesen ganzen Zirkus (Kessel über Heißwasser leeren und neu befüllen) machst du drei- bis fünfmal, bis da absolut nix mehr nach Chemie schmeckt.