Sigma SD1 Merrill - Tipps und Tricks
Das steht in keinem Handbuch. Gesammelt aus Praxis, Foren und so manchem Fehlschuss.
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Aufnahme
Der Sweet Spot der Blende
Bei 15 Megapixeln pro Schicht auf einem APS-C-Sensor ist zwischen f/5,6 und f/8 meist das Maximum an Schärfe erreicht. Ab f/11 frisst die Beugung sichtbar Details. Wer die volle Auflösung will, blendet also nicht reflexartig auf f/16 ab. Mehr Schärfentiefe gibt es lieber über einen größeren Abstand oder eine kürzere Brennweite.
Weißabgleich mit Graukarte
Der Foveon liegt bei Mischlicht gerne mal daneben. Ein manueller Weißabgleich auf eine Graukarte bringt hier mehr als bei Bayer-Kameras. Gerade bei Serien unter gleichem Licht spart das viel Korrekturarbeit am Rechner.
Das Histogramm richtig lesen
Das Histogramm im Display basiert auf dem internen JPG, nicht auf den RAW-Daten. Im RAW steckt etwas mehr Reserve in den Lichtern, als das Display zeigt. Blinkende Lichter trotzdem ernst nehmen. Was wirklich ausgefressen ist, bleibt ausgefressen - und der Foveon verzeiht das noch weniger als andere Sensoren.
Manuell fokussieren ohne Live-View
Die SD1 hat keinen Live-View. Für präzises manuelles Fokussieren, etwa mit adaptierten Mittelformat-Objektiven, helfen:
- eine Sucherlupe zum Aufstecken
- eine Probeaufnahme, dann das Bild am Display stark vergrößern und nachkorrigieren
- bei Makro: Fokus fest einstellen und mit der ganzen Kamera vor- und zurückbewegen
Infrarot: der versteckte Trumpf
Bei den Sigma-SD-Modellen ist das abnehmbare Staubschutzglas gleichzeitig der Infrarot-Sperrfilter. Wer es herausnimmt, hat eine Kamera, deren Sensor auch Infrarot sieht - ganz ohne teuren Umbau.
So geht's
- Staubschutzglas nach Anleitung im Handbuch vorsichtig herausnehmen und staubfrei aufbewahren.
- Einen IR-Filter vor das Objektiv schrauben, zum Beispiel 720 nm. Je höher der Wert, desto weniger sichtbares Licht kommt durch und desto stärker wird der typische Infrarot-Look.
- Vom Stativ fotografieren. Mit dem Filter wird es im Sucher praktisch schwarz, und die Belichtungszeiten werden lang.
- Bildausschnitt und Fokus ohne Filter einstellen, dann den Filter aufschrauben und auslösen.
- Belichtung und Weißabgleich ausprobieren. Ein manueller Weißabgleich auf grünes Laub ist ein guter Startpunkt.
Darauf achten
- Ohne Schutzglas ist der Sensor ungeschützt. Objektivwechsel nur in staubfreier Umgebung, und das Glas nach der IR-Session sofort wieder einsetzen.
- Infrarotes Licht wird anders gebrochen als sichtbares. Der Fokus kann leicht danebenliegen. Etwas abblenden schafft Sicherheit.
- Manche Objektive erzeugen im Infrarot einen hellen Fleck in der Bildmitte (Hotspot). Das ist kein Kamerafehler. Einfach testen, welches Objektiv sauber bleibt.
Bei der SD14 war das in der Szene ein beliebter Trick. Bei der SD1 funktioniert das Prinzip genauso - am besten an der eigenen Kamera ausprobieren.
SIGMA Photo Pro
Schärfung zurücknehmen
Viele Foveon-Fotografen stellen die Schärfung in SPP ins Minus und schärfen erst später gezielt in Gimp nach. Der Sensor liefert ohne Tiefpassfilter schon genug Biss, und die SPP-Schärfung erzeugt schnell helle Säume an Kanten.
X3 Fill Light
Der Regler X3 Fill Light hellt die Schatten auf, ohne die Lichter anzufassen. Bei kontrastreichen Motiven ist er oft das wichtigste Werkzeug überhaupt.
Schwarzweiß mit dem Foveon
Die Monochrom-Umwandlung in SPP gilt als eine der besten Schwarzweiß-Wiedergaben im Digitalbereich. Feine Tonwerte, kein Farbrauschen, viel Zeichnung. Unbedingt ausprobieren, besonders bei Landschaft, Architektur und Porträt.
Stapelverarbeitung über Nacht
SPP ist langsam. Größere Mengen am besten abends anstoßen und am Morgen die fertigen TIFFs einsammeln.
Linux ohne Wine
Das Open-Source-Projekt Kalpanika X3F Tools (Programm x3f_extract) wandelt X3F-Dateien in DNG oder TIFF um. Eine gute Alternative zum Wine-Umweg. Die gängigen Linux-RAW-Konverter wie Darktable oder RawTherapee können mit Foveon-RAWs dagegen kaum etwas anfangen.
Objektive
Geheimtipps
- Sigma 70 mm F2,8 EX DG Macro: In der Szene gilt es als eines der schärfsten Objektive, die Sigma je für das SA-Bajonett gebaut hat. An der SD1 eine Wucht, und auch als Porträt-Tele bestens geeignet.
- Sigma 30 mm F1,4 EX DC: Eine lichtstarke Normalbrennweite an der SD1. Klein und günstig.
Gebrauchtmarkt nutzen
Objektive mit SA-Bajonett sind heute oft für einen Bruchteil ihrer früheren Preise zu haben, weil kaum noch jemand SA-Kameras nutzt. Für SD1-Fotografen ein Paradies.
Farbstiche am Bildrand
Bei manchen Weitwinkelobjektiven neigt der Foveon zu Farbverschiebungen an den Bildrändern. Wer es genau nimmt, macht eine Weißaufnahme durch eine Streuscheibe als Referenz und korrigiert damit. Für die meisten Motive reicht es aber, nicht zu weit ins Weitwinkel zu gehen.
Kamera und Zubehör
Firmware aktuell halten
Die letzte Firmware für die SD1 Merrill sollte drauf sein. Sie verbessert unter anderem die Kompatibilität mit Speicherkarten und die Verarbeitung.
Akkus
Nachbau-Akkus für den BP-21 sind günstig und funktionieren meist, halten aber oft kürzer. Für den Ernstfall immer mindestens einen Originalakku dabeihaben.
Gebrauchtkauf
Wer heute eine SD1 gebraucht kauft, sollte prüfen:
- Staubschutzglas: keine Kratzer, kein Belag
- Hotpixel: eine Aufnahme mit aufgesetztem Objektivdeckel machen und am Rechner stark vergrößern
- CF-Kartenschacht: Pins nicht verbogen. Das ist ein typischer Totalschaden bei CF-Kameras.
- Display und Tasten: alles reagiert, keine toten Pixel
- Firmware-Version: im Menü nachsehen

