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audio:highend:highend [07 19 2026 20 : 19] – André Reichert-Creutzaudio:highend:highend [09 52 2026 18 : 52] (aktuell) – André Reichert-Creutz
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 Mein E-Technik-Studium lenkte ich Richtung Datenübertragung, Lichttechnik und Schallübertragung. Meine Semester- und Diplomarbeit waren Lautsprecherboxen mit dreidimensionalem Charakter. Surround stand damals noch lange nicht in jedem Wohnzimmer. Mein E-Technik-Studium lenkte ich Richtung Datenübertragung, Lichttechnik und Schallübertragung. Meine Semester- und Diplomarbeit waren Lautsprecherboxen mit dreidimensionalem Charakter. Surround stand damals noch lange nicht in jedem Wohnzimmer.
  
-==== Mein Setup heute ====+---- 
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 +===== Die Edelanlage meiner Jugend ===== 
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 +> //Erarbeitet als Schüler und Azubi. Jede Mark, jeder Ferienjob, jedes Lehrlingsgehalt landete im Turm.// 
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 +Was heute ein DLNA-Server erledigt, brauchte damals einen ganzen Turm voller Geräte. Und jedes einzelne hatte seinen Charakter. 
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 +==== Vor- und Endstufe: Kenwood C2 und M2a ==== 
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 +Die Basis bildete eine Vor- und Endstufen-Kombi von Kenwood: die Vorstufe **C2** und die Endstufe **M2a** aus der Basic-Serie. Die Teile habe ich einer Lautsprecher-Edelschmiede abgekauft. Getrennte Vor- und Endstufe statt Vollverstärker - das war damals das Zeichen, dass man es ernst meint. Die Vorstufe kümmert sich in Ruhe um das zarte Signal, die Endstufe um die rohe Kraft. Keiner stört den anderen. 
 + 
 +==== CD-Player: Philips CD303 ==== 
 + 
 +**Die absolute Legende.** Der CD303 gehörte zur ersten Generation von CD-Spielern überhaupt. Philips setzte damals auf einen 14-Bit-Wandler mit vierfachem Oversampling und digitalem Filter, während die Konkurrenz auf 16 Bit schwor. Auf dem Papier unterlegen, im Ohr oft überlegen. 
 + 
 +An diesem Gerät habe ich gelernt: **Auch digital gespeicherte Musik klingt je nach Abspielgerät total unterschiedlich.** Nullen und Einsen sind eben nicht alles. Wandler, Filter und Analogteil machen den Klang. Eine Erkenntnis, die mich bis heute begleitet. 
 + 
 +==== Tape-Decks: Nakamichi Dragon und Onkyo TA-2900 ==== 
 + 
 +Ein **Nakamichi Dragon** diente als Tape-Deck. Der Drache war das Nonplusultra der Kassettentechnik. Drei Tonköpfe, Autoreverse - und seine Spezialität: Er richtete den Wiedergabekopf automatisch auf die Spur jeder Kassette aus. Selbst Bänder, die auf einem schiefen Billigdeck aufgenommen waren, klangen damit plötzlich wieder klar und brillant. 
 + 
 +Sein Gegenspieler war ein **Onkyo TA-2900**. Zwei Decks, das hieß: Überspielen, Zusammenschneiden, Basteln. 
 + 
 +**Was habe ich Nächte damit verbracht, meine Mixtapes aufzunehmen.** Pegel einmessen, Pausentaste im richtigen Moment lösen, und bloß keinen Song am Ende der Seite abschneiden. Ein Mixtape war damals eine Liebeserklärung mit Laufzeit 90 Minuten. 
 + 
 +==== Equalizer: Kenwood GE-1100 ==== 
 + 
 +Der **Kenwood GE-1100** war kein gewöhnlicher Equalizer. Mit beiliegendem Messmikrofon konnte man den Raum selbst einmessen. Dazu speiste man **rosa Rauschen** ein - ein Rauschen, bei dem jede Oktave die gleiche Energie hat, sodass es für unser Ohr gleichmäßig klingt. Das Mikrofon am Hörplatz zeigte dann, welche Frequenzen der Raum anhebt oder verschluckt. Und dann hieß es: Regler für Regler von Hand abmischen, bis die Kurve gerade war. Raumkorrektur von Hand - lange bevor Software das automatisch erledigte. 
 + 
 +==== Tuner: Sansui TU-717 ==== 
 + 
 +Ein **Sansui TU-717** sog die Musik aus dem Äther. Ein Tuner, der bis heute einen hervorragenden Ruf genießt. Empfindlich, trennscharf und mit einem warmen, offenen UKW-Klang. Damals die Quelle für neue Musik und für das eine oder andere Mixtape, das direkt aus dem Radio entstand. 
 + 
 +==== Kabel: Marke Eigenbau ==== 
 + 
 +Alle Kabel waren selbst konfektioniert: massive, vergoldete Cinch-Stecker, dazu **Monitor Cobra** und **Silver Cable**. Lötkolben, ruhige Hand, viel Geduld. Ob man den Unterschied hört? Darüber streiten HiFi-Fans bis heute. Ich habe es mir jedenfalls eingebildet - und das war auch schon was wert. 
 + 
 +==== Der Plattenspieler: 125 Kilo Eigenbau ==== 
 + 
 +Abgerundet wurde das Ganze mit meinem **selbst gebauten Plattenspieler**. Und der war kein Spielzeug: 
 + 
 +  * **Fundament:** eine **100-Kilo-Marmorplatte**. Was nicht schwingt, kann auch nicht stören. 
 +  * **Teller:** **25 Kilo, aus Bronze, selbst gedreht.** Masse ist Ruhe. Einmal in Schwung, lässt sich so ein Teller durch nichts mehr aus dem Takt bringen. 
 +  * **Antrieb:** ein **Papst-Außenläufermotor**. Bei diesem Motortyp dreht sich das Gehäuse um die feststehende Wicklung. Das sorgt für einen besonders ruhigen, gleichmäßigen Lauf - nicht umsonst setzten ihn auch namhafte Plattenspielerhersteller ein. 
 +  * **Riemen:** ein hauchzarter, metallisierter Gummiriemen. Er entkoppelt den Motor vom Teller und übernahm gleichzeitig den **Potentialausgleich**, damit sich der Teller nicht statisch auflädt und kein Brummen entsteht. 
 +  * **Steuerung:** Die Drehzahlregelung mit **optischer Stabilisierung** habe ich gemeinsam mit einem Modellbau-Kollegen entwickelt und selbst zusammengelötet. Ein optischer Sensor tastet die Drehzahl ab, und die Elektronik regelt den Motor bei jeder Abweichung nach. Eine Nachlaufregelung, wie man sie aus der Regelungstechnik kennt. 
 + 
 +Damit lief der Teller exakt, ruhig und unbeirrbar. Rumpeln? Gleichlaufschwankungen? Nicht auf meiner Marmorplatte. 
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 +==== Zwei Wege zur Vorstufe ==== 
 + 
 +Je nach Musik nahm das Signal vom Plattenspieler zwei verschiedene Wege: 
 +  * **Rock und Pop:** direkt in die Kenwood-Vorstufe. Klar, schnell, druckvoll. 
 +  * **Jazz:** über eine **Röhren-Vorstufe von Heinz Schmitt**. Mehr Wärme, mehr Raum, mehr Luft um die Instrumente. 
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 +Die Liebe zur Röhre hat also eine lange Geschichte. Heute erledigt das der Little Bear. 
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 +==== Was davon geblieben ist ==== 
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 +Der Turm ist längst Geschichte. Aber er hat mich geprägt. Jedes Gerät brachte mir etwas bei: dass digitale Musik nicht gleich digitale Musik ist, dass ein Raum mitspielt, dass Masse Ruhe bedeutet und dass eine Röhre den Jazz atmen lässt. **Alles, was ich heute höre, steht auf diesem Fundament.** 
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 +===== Mein Setup heute =====
  
   * **Quelle:** unzählige digitale Dateien auf einem DLNA-Server, abgespielt über meinen [[audio:stream:start|Raspi-Streamer]]   * **Quelle:** unzählige digitale Dateien auf einem DLNA-Server, abgespielt über meinen [[audio:stream:start|Raspi-Streamer]]