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DietPi Audiophiler Streamer

Raspberry Pi 2B + HifiBerry DAC — Spotify Connect · Radio Bob · Multiroom

  • Spotify: Raspotify (librespot, armhf)
  • Webradio: MPD + myMPD Web-UI
  • Multiroom: Snapcast (Server + Client)
  • Steuerung: myMPD als PWA am Handy

Getestet auf: Raspberry Pi 2B v1.1 + HifiBerry DAC+ → Kenwood HD 1000 · DietPi ARMv7 / Debian Trixie (13) · Stand: März 2026

Einige Paketnamen und Installationswege unterscheiden sich von älteren Anleitungen. Alle Befehle auf dieser Seite sind für Trixie verifiziert.


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbereitung & DietPi-Installation

1.1 Benötigte Hardware

Komponente Hinweis
Raspberry Pi 2B ARMv7, 1 GB RAM — ausreichend für reine Streaming-Aufgaben
HifiBerry DAC+ DAC+ Standard / DAC+ Pro / DAC2 Pro — alle unterstützt
MicroSD-Karte ≥ 8 GB, Class 10 (empfohlen: 16 GB SanDisk Endurance)
Netzwerk Ethernet empfohlen für Multiroom-Stabilität; WLAN möglich
PC/Mac Zum Flashen des Images und SSH-Zugriff
Spotify Premium Pflicht für Spotify Connect über librespot

1.2 DietPi Image herunterladen & flashen

Das korrekte Image für den Pi 2B ist das ARM 32-bit (ARMv7 / armhf) Image von dietpi.com.

Wichtig beim Image-Download: Auf der DietPi-Downloadseite unbedingt ARM 32-bit wählen — nicht ARMv6 oder ARM 64-bit. Der Pi 2B v1.1 hat einen ARMv7-Prozessor und ist nicht 64-Bit-fähig.

  1. Herunterladen: dietpi.com → Raspberry Pi → ARM 32-bit
  2. Image mit Balena Etcher auf die SD-Karte flashen
  3. SD-Karte nochmals einlegen und vor dem ersten Boot die Datei dietpi.txt auf der FAT-Partition anpassen:
# /boot/dietpi.txt — Voreinstellungen für headless-Betrieb:
AUTO_SETUP_GLOBAL_PASSWORD=dein_sicheres_passwort

AUTO_SETUP_LOCALE=de_DE.UTF-8
AUTO_SETUP_KEYBOARD_LAYOUT=de
AUTO_SETUP_TIMEZONE=Europe/Berlin

AUTO_SETUP_NET_ETHERNET_ENABLED=1
AUTO_SETUP_NET_WIFI_ENABLED=0
AUTO_SETUP_NET_USESTATIC=0
AUTO_SETUP_NET_HOSTNAME=stream01
AUTO_SETUP_BOOT_WAIT_FOR_NETWORK=1

AUTO_SETUP_SWAPFILE_SIZE=1
AUTO_SETUP_SWAPFILE_LOCATION=/var/swap
AUTO_SETUP_HEADLESS=1

AUTO_SETUP_SSH_SERVER_INDEX=-2
AUTO_SETUP_LOGGING_INDEX=-1
AUTO_SETUP_RAMLOG_MAXSIZE=50

AUTO_SETUP_AUTOSTART_TARGET_INDEX=0
AUTO_SETUP_AUTOSTART_LOGIN_USER=root

AUTO_SETUP_AUTOMATED=1

CONFIG_CPU_GOVERNOR=schedutil
CONFIG_NTP_MODE=2
CONFIG_SOUNDCARD=none
CONFIG_ENABLE_IPV6=1
# /boot/dietpi-wifi.txt — nur bei WLAN-Betrieb:
aWIFI_SSID[0]='NetzwerkName'
aWIFI_KEY[0]='WLAN-Passwort'

Headless-Betrieb: Mit AUTO_SETUP_AUTOMATED=1 läuft die Erstinstallation vollständig automatisch durch. Kein Monitor nötig — der Pi ist nach ca. 5–10 Minuten per SSH erreichbar.

  1. SD-Karte einsetzen, Netzteil anschließen, 5–10 Minuten warten
  2. SSH-Verbindung herstellen (IP aus dem Router-Interface ablesen):
ssh root@stream01    # oder: ssh root@192.168.x.xxx
# Passwort: dein_sicheres_passwort

2. HifiBerry DAC konfigurieren

2.1 HifiBerry-Modell identifizieren

Neuere HifiBerry-Karten melden sich per EEPROM automatisch:

cat /proc/device-tree/hat/product

Die Ausgabe erscheint direkt vor dem Prompt ohne Zeilenumbruch, z. B.: DAC+root@stream01:~# — der Modellname ist der Teil vor root.

Ausgabe Modell Treiber in dietpi-config
DAC+ HifiBerry DAC+ Standard hifiberry-dacplus-std
DAC+ Pro HifiBerry DAC+ Pro hifiberry-dacplus-pro
DAC2 Pro HifiBerry DAC2 Pro hifiberry-dacplus-pro
Keine Ausgabe Älteres Modell Optisch identifizieren

2.2 Kernel-Overlay aktivieren

Variante A: DietPi-Config (empfohlen)

dietpi-config
# → Audio Options → Sound Card
# → Passendes Modell auswählen (z. B. hifiberry-dacplus-std für DAC+)
# → Reboot bestätigen

Variante B: Manuell in /boot/config.txt

# Vorhandene audio-Zeile auskommentieren:
#dtparam=audio=on
 
# Je nach DAC-Modell eine der folgenden Zeilen hinzufügen:
dtoverlay=hifiberry-dac          # DAC+ Standard / DAC+ Light
dtoverlay=hifiberry-dacplus      # DAC+ Pro
dtoverlay=hifiberry-dacplus-pro  # DAC2 Pro

2.3 Audio-Ausgabe verifizieren

# Nach Reboot: ALSA-Geräte auflisten
aplay -l
# Erwartete Ausgabe:
# card 0: sndrpihifiberry [snd_rpi_hifiberry_dacplus], device 0 ...
 
# Testton abspielen (Ctrl+C zum Stoppen):
speaker-test -D plughw:0 -c 2 -t sine

Falls kein Ton kommt: Lautstärkeregler mit alsamixer prüfen — nach Installation oft auf 0% oder Mute. Mit den Pfeiltasten hochregeln, M zum Unmute.

2.4 ALSA Default-Device setzen

nano /etc/asound.conf
pcm.!default {
    type hw
    card 0
    device 0
}
ctl.!default {
    type hw
    card 0
}

Audiophiler Hinweis: type hw erzwingt direkten Hardware-Zugriff ohne Software-Resampling — bit-perfekte Ausgabe. DietPi trägt device 0 automatisch ein, was technisch präziser ist und so bleiben kann.

2.5 Audio-Einstellungen in dietpi-config

Einstellung Wert Begründung
Sound Card hifiberry-dacplus-std Erkannter Hardware-Treiber
Auto-conversion Off Erhält bit-perfekte Qualität
PSU noise reduction On Minimiert elektrische Interferenzen
DietPi-JustBoom Ignorieren, nur für JustBoom-Karten

3. Spotify Connect mit Raspotify

3.1 Installation über dietpi-software

Trixie-Hinweis: Das offizielle Raspotify-Installations-Script schlägt auf Debian Trixie fehl, weil das Paket libasound2 in libasound2t64 umbenannt wurde. Die zuverlässige Methode ist ausschließlich dietpi-software.

dietpi-software
# → Browse Software → Raspotify (ID 170)
# → Mit Leertaste auswählen → Install

DietPi erkennt Trixie automatisch und umgeht die Abhängigkeitsprobleme intern.

3.2 Konfiguration

nano /etc/raspotify/conf
# ── Gerätename (erscheint in der Spotify-App) ──────────────────
LIBRESPOT_NAME='Office UG'
 
# ── Audioqualität ──────────────────────────────────────────────
LIBRESPOT_BITRATE='320'
 
# ── ALSA-Device explizit auf HifiBerry setzen ──────────────────
LIBRESPOT_BACKEND='alsa'
LIBRESPOT_DEVICE='hw:0,0'
 
# ── Audiophile Optionen ────────────────────────────────────────
LIBRESPOT_VOLUME_NORMALISATION=''   # leer = deaktiviert
LIBRESPOT_DITHERING='none'          # kein Dithering bei 32-Bit-DAC
LIBRESPOT_FORMAT='S32'              # 32-Bit-Output für DAC+
 
# ── Zeroconf-Port fixieren (verhindert random port bei Restart) ─
LIBRESPOT_ZEROCONF_PORT='44677'
 
# ── Device-Typ (erscheint als Icon in Spotify) ─────────────────
LIBRESPOT_DEVICE_TYPE='avr'

3.3 Service starten und aktivieren

systemctl restart raspotify
systemctl enable raspotify
systemctl status raspotify      # Sollte 'active (running)' zeigen
 
# Log bei Problemen:
journalctl -u raspotify -f

Nach dem Neustart erscheint Office UG in der Spotify-App unter Geräte. Falls der alte Name noch erscheint: Spotify-App vollständig schließen und neu öffnen — der Cache aktualisiert sich nach ca. 10 Sekunden.


4. Webradio mit MPD

4.1 MPD installieren

apt-get install -y mpd mpc

Die Abhängigkeitsliste ist auf Trixie sehr lang — einfach mit Y bestätigen, alle Pakete sind notwendig.

4.2 MPD konfigurieren

nano /etc/mpd.conf
# ── Grundeinstellungen ─────────────────────────────────────────
music_directory     "/var/lib/mpd/music"
playlist_directory  "/var/lib/mpd/playlists"
db_file             "/var/lib/mpd/database"
log_file            "/var/log/mpd/mpd.log"
pid_file            "/run/mpd/pid"
state_file          "/var/lib/mpd/state"
user                "mpd"
bind_to_address     "localhost"
port                "6600"

# ── Audio-Output: direkt auf HifiBerry ────────────────────────
audio_output {
    type            "alsa"
    name            "HifiBerry DAC"
    device          "hw:0,0"
    format          "*:*:*"
    mixer_type      "software"
}

# ── Logging ────────────────────────────────────────────────────
log_level           "default"
auto_update         "no"

Trixie-Hinweis: Den Parameter sticker_database nicht eintragen — er wurde in der MPD-Version auf Trixie entfernt und führt zu einem Start-Fehler.

4.3 Datenbankverzeichnis anlegen (Trixie)

Trixie-spezifisch: Das Datenbankverzeichnis existiert nach der Installation nicht automatisch und muss manuell angelegt werden, sonst startet MPD mit einem Fehler.

mkdir -p /var/lib/mpd
chown -R mpd:audio /var/lib/mpd
systemctl restart mpd
systemctl enable mpd
systemctl status mpd    # Sollte 'active (running)' zeigen

4.4 Radio Bob Streams einrichten

Jeder Sender bekommt eine eigene Playlist-Datei — so lassen sie sich in myMPD direkt per Tipp auswählen.

nano /var/lib/mpd/playlists/BOB-Grunge.m3u
#EXTM3U
#EXTINF:-1,Radio BOB! Grunge (Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden...)
http://streams.radiobob.de/bob-grunge/mp3-192/mediaplayer
nano /var/lib/mpd/playlists/BOB-ClassicRock.m3u
#EXTM3U
#EXTINF:-1,Radio BOB! Classic Rock (60er, 70er & 80er)
http://streams.radiobob.de/bob-classicrock/mp3-192/mediaplayer
nano /var/lib/mpd/playlists/BOB-BestOfRock.m3u
#EXTM3U
#EXTINF:-1,Radio BOB! Best of Rock (quer durch alle Jahrzehnte)
http://streams.radiobob.de/bob-bestofrock/mp3-192/mediaplayer
nano /var/lib/mpd/playlists/BOB-70erRock.m3u
#EXTM3U
#EXTINF:-1,Radio BOB! 70er Rock (Led Zeppelin, Queen, Pink Floyd...)
https://streams.radiobob.de/70errock/mp3-192/streams.radiobob.de/
# Datenbank aktualisieren und Testlauf:
mpc update
mpc clear
mpc load BOB-Grunge
mpc play
mpc status    # Sollte '[playing]' zeigen

Aktuelle Stream-URLs immer unter radiobob.de/empfang/livestream prüfen. Radio Bob bietet über 60 Streams — weitere Genres lassen sich nach demselben Schema ergänzen.


5. Web-UI mit myMPD (PWA)

5.1 Warum myMPD?

myMPD ist in C geschrieben, läuft als eigenständiger Webserver ohne Apache/nginx, ist als Progressive Web App (PWA) auf dem Smartphone installierbar und benötigt minimale Ressourcen — ideal für den Pi 2B.

Feature Beschreibung
PWA Zum Home-Screen hinzufügbar — wirkt wie eine native App
Standalone-Server Ports 8080/8443, kein Apache/nginx nötig
Mobile-optimiert Responsive Design, Touch-freundlich
Ressourcenschonend Backend in C, kein Node.js / PHP
Webradio-Verwaltung Streams direkt im UI hinzufügen
Aktiv gepflegt Regelmäßige Releases, armhf-Pakete vorhanden

5.2 myMPD installieren (Trixie)

Trixie-Hinweis: Weder das bullseye- noch das bookworm-Repository funktionieren zuverlässig auf Trixie. Der GPG-Key-Pfad auf GitHub gibt 404 zurück. Die einzige zuverlässige Methode ist dietpi-software.

dietpi-software
# → Browse Software → myMPD (ID 183)
# → Mit Leertaste auswählen → Install

DietPi löst alle Abhängigkeiten automatisch auf. Pakete wie libflac14, libid3tag0 und liblua5.4-0 werden automatisch mitinstalliert — keine manuelle Vorinstallation nötig.

5.3 Service starten

systemctl enable mympd
systemctl start mympd
systemctl status mympd    # Sollte 'active (running)' zeigen

myMPD läuft auf folgenden Ports:

Port Verwendung
8080 HTTP — funktioniert, aber Browser zeigt „unsicher„
8443 HTTPS — empfohlen, einmalig Sicherheitswarnung akzeptieren

Aufruf im Browser:

https://192.168.x.xxx:8443

Sicherheitswarnung beim ersten Aufruf einmalig akzeptieren (self-signed Zertifikat). Danach läuft myMPD normal. HTTPS auf Port 8443 ist Voraussetzung für die PWA-Installation auf dem Handy.

5.4 Erste Einrichtung

myMPD verbindet sich nach der Installation via dietpi-software automatisch mit MPD auf localhost:6600 — kein Setup-Assistent nötig.

Die myMPD-Startseite ist zunächst leer. Schnellzugriff-Icons hinzufügen:

  1. Browse → PlaylistsBOB-Grunge aufrufen
  2. Kontextmenü (drei Punkte) → „Zum Startbildschirm hinzufügen“ (add_to_home_screen)
  3. Dasselbe für BOB-ClassicRock, BOB-BestOfRock, BOB-70erRock

Einen Stream starten:

  1. Browse → Playlists → gewünschten Sender antippen
  2. „Alle hinzufügen„ → Warteschlange wird gefüllt → Play

5.5 Als PWA auf dem Smartphone installieren

Android (Chrome / Edge):

  1. https://192.168.x.xxx:8443 im Browser öffnen
  2. Sicherheitswarnung einmalig akzeptieren
  3. Drei-Punkte-Menü → „Zum Startbildschirm hinzufügen“
  4. myMPD öffnet sich danach als Vollbild-App ohne Browser-Chrome

iOS (Safari):

  1. https://192.168.x.xxx:8443 in Safari öffnen
  2. Teilen-Symbol → „Zum Home-Bildschirm„
  3. Hinweis: Nur Safari unterstützt PWA-Installation auf iOS

6. Multiroom mit Snapcast

6.1 Konzept

Snapcast ermöglicht zeitsynchrone Wiedergabe auf mehreren Geräten. Der Pi 2B läuft als Server und gleichzeitig als Client. Weitere Räume erhalten einen eigenen Pi als Snapcast-Client.

Snapcast Server (dieser Pi 2B) Snapcast Client(s)
Empfängt Audio von MPD via named pipe Beliebige weitere Linux-Geräte / Pis im Netzwerk
Verteilt den Stream mit Timing-Informationen Verbinden sich mit dem Server, spielen zeitsynchron ab

6.2 Snapcast installieren

apt-get install -y snapserver snapclient

6.3 MPD für Snapcast — Named Pipe anlegen

# Named Pipe erstellen:
mkfifo /tmp/snapfifo
chown mpd:audio /tmp/snapfifo

FIFO-Output in /etc/mpd.conf ergänzen (zusätzlich zum bestehenden ALSA-Output):

audio_output {
    type            "fifo"
    name            "Snapcast Pipe"
    path            "/tmp/snapfifo"
    format          "48000:16:2"
    mixer_type      "software"
}

6.4 Snapserver konfigurieren

nano /etc/snapserver.conf
[stream]
source = pipe:///tmp/snapfifo?name=MPD&sampleformat=48000:16:2&codec=flac
 
[server]
# Web-UI auf Port 1780 (optional, für Lautstärke-Anpassung pro Client)
systemctl restart snapserver snapclient
systemctl enable snapserver snapclient
systemctl status snapserver

6.5 Snapcast-Clients in weiteren Räumen

Auf jedem weiteren Gerät (z. B. Raspberry Pi Zero 2 W, Pi 3/4):

apt-get install -y snapclient
 
nano /etc/default/snapclient
# START_SNAPCLIENT=true
# SNAPCLIENT_OPTS="--host 192.168.x.xxx"   ← IP des Pi 2B (stream01)
 
systemctl enable snapclient
systemctl start snapclient

Snapcast bietet eine eigene Web-UI auf Port 1780 (http://stream01:1780) zur Anpassung der Client-Lautstärken und Latenz-Delays. myMPD steuert die Wiedergabe selbst — Snapcast übernimmt nur die Verteilung.


7. Zusammenspiel & Signalfluss

7.1 Signalfluss

┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│  Spotify App (Smartphone / PC)                                  │
│      └─→ Raspotify (librespot) ──→ ALSA hw:0,0                 │
│                                       └─→ HifiBerry DAC+        │
│                                               └─→ Kenwood HD 1000│
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│  myMPD Web-UI (Browser / PWA)                                   │
│      └─→ MPD ──→ ALSA hw:0,0 ──→ HifiBerry DAC+ → Kenwood      │
│               └─→ FIFO /tmp/snapfifo                            │
│                       └─→ Snapcast Server                       │
│                               └─→ Snapcast Client(s) → Räume   │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘

7.2 ALSA-Konflikt zwischen Raspotify und MPD

Wichtig: Raspotify und MPD können nicht gleichzeitig auf hw:0,0 zugreifen. Wenn Spotify aktiv ist, muss MPD gestoppt sein — und umgekehrt. Für audiophilen Betrieb ist das die saubere Lösung: immer nur eine Quelle aktiv.

7.3 Optionale dmix-Lösung (Klangkompromiss)

Falls gleichzeitiger Zugriff dennoch gewünscht ist, kann ALSA-dmix als Software-Mixer dienen. Für audiophile Ansprüche nicht empfohlen, da Software-Resampling eingeführt wird:

# /etc/asound.conf (dmix-Variante — nur falls unbedingt nötig):
pcm.dmixed {
    type dmix
    ipc_key 1024
    slave {
        pcm "hw:0,0"
        rate 48000
        format S32_LE
        period_size 1024
        buffer_size 8192
    }
}
pcm.!default {
    type plug
    slave.pcm dmixed
}

7.4 Wechsel zwischen Spotify und Webradio

Von Spotify → Webradio (myMPD):

  1. In der Spotify-App die Wiedergabe pausieren
  2. Ca. 3–5 Sekunden warten bis Raspotify den DAC freigibt
  3. In myMPD den gewünschten Stream starten
# Falls myMPD den DAC nicht bekommt — Raspotify manuell stoppen:
systemctl stop raspotify
mpc clear
mpc load BOB-Grunge
mpc play
# Raspotify danach wieder starten (wartet still im Hintergrund):
systemctl start raspotify

Von Webradio (myMPD) → Spotify:

  1. In myMPD auf Stop drücken (nicht nur Pause!)
  2. In der Spotify-App auf „Office UG“ als Ausgabegerät tippen
  3. Wiedergabe starten
# Falls Spotify den DAC nicht bekommt — MPD manuell stoppen:
mpc stop
# Spotify-App neu verbinden

Faustregel: Stop statt Pause. mpc pause hält den Stream an, gibt hw:0,0 aber nicht frei. Nur mpc stop gibt den DAC vollständig frei. Dasselbe gilt für Spotify: Pause hält die ALSA-Verbindung offen.


8. Autostart, Updates & Wartung

8.1 Alle Services auf Autostart setzen

systemctl enable raspotify mpd mympd
 
# Bei installiertem Snapcast zusätzlich:
systemctl enable snapserver snapclient
 
# Gesamtüberblick aller Service-Status:
systemctl status raspotify mpd mympd

8.2 Statische IP vergeben

# Über DietPi-Config (empfohlen):
dietpi-config
# → Network Options → Adapters → Ethernet → Static
 
# Oder manuell /etc/network/interfaces:
auto eth0
iface eth0 inet static
    address 192.168.1.100
    netmask 255.255.255.0
    gateway 192.168.1.1
    dns-nameservers 192.168.1.1 8.8.8.8

8.3 Updates einspielen

# DietPi-eigenes Update-System:
dietpi-update
 
# System-Pakete (MPD, Snapcast):
apt-get update && apt-get upgrade -y
 
# Raspotify und myMPD wurden über dietpi-software installiert:
dietpi-software reinstall 170    # Raspotify
dietpi-software reinstall 183    # myMPD

Die Konfigurationsdateien bleiben bei dietpi-software reinstall erhalten — /etc/raspotify/conf und die MPD-Playlists werden nicht überschrieben.

8.4 Nützliche Diagnosebefehle

# Lautstärkeregler prüfen und anpassen:
alsamixer
 
# ALSA-Gerätebelegung prüfen (wer blockiert hw:0,0?):
fuser /dev/snd/*
 
# MPD-Logs live verfolgen:
tail -f /var/log/mpd/mpd.log
 
# Snapcast-Verbindungen prüfen:
journalctl -u snapserver -f
 
# Aktuell spielenden Titel anzeigen:
mpc current
 
# Systemressourcen (CPU/RAM) des Pi 2B:
htop

9. Quick Reference — Ports & URLs

Service Port URL / Zweck
myMPD Web-UI (HTTPS) 8443 https://192.168.x.xxx:8443 — Hauptsteuerung, PWA
myMPD Web-UI (HTTP) 8080 http://192.168.x.xxx:8080 — alternativ, kein PWA
Snapcast Web-UI 1780 http://stream01:1780 — Multiroom-Pegel
MPD 6600 localhost only — via myMPD oder mpc
Raspotify (Zeroconf) 44677 Spotify-Connect-Discovery (intern)
SSH 22 ssh root@stream01

10. Fehlerbehebung

Spotify Connect-Gerät erscheint nicht

systemctl status raspotify
journalctl -u raspotify -n 50
 
# Zeroconf / mDNS sicherstellen:
apt-get install -y avahi-daemon
systemctl enable avahi-daemon && systemctl start avahi-daemon

Kein Ton / ALSA-Fehler

# Lautstärke prüfen (oft nach Installation auf 0 oder Mute):
alsamixer
 
# Wer blockiert den DAC?
fuser /dev/snd/*
 
# ALSA-Konfiguration direkt testen:
aplay -D hw:0,0 /usr/share/sounds/alsa/Front_Center.wav
 
# HifiBerry-Overlay aktiv?
dtoverlay -l

MPD startet nicht — exit-code Fehler

# Detaillierte Fehlerausgabe:
journalctl -xeu mpd.service
 
# Häufigste Ursache auf Trixie: sticker_database noch in mpd.conf
# → Zeile entfernen:
nano /etc/mpd.conf
# sticker_database    "/var/lib/mpd/sticker.sql"  ← diese Zeile löschen
 
# Zweithäufigste Ursache: Datenbankverzeichnis fehlt
mkdir -p /var/lib/mpd
chown -R mpd:audio /var/lib/mpd
 
systemctl restart mpd

MPD startet nicht — Berechtigungsfehler

chown -R mpd:audio /var/lib/mpd
chmod 750 /var/lib/mpd
 
# Named Pipe neu anlegen (falls Snapcast genutzt wird):
rm -f /tmp/snapfifo
mkfifo /tmp/snapfifo
chown mpd:audio /tmp/snapfifo
 
systemctl restart mpd

Radio Bob streamt nicht

# Stream-URL direkt testen:
mpc clear
mpc add http://streams.radiobob.de/bob-grunge/mp3-192/mediaplayer
mpc play
mpc status
 
# Internetverbindung prüfen:
ping radiobob.de -c 4

Aktuelle Stream-URLs immer unter radiobob.de/empfang/livestream prüfen.

myMPD nicht erreichbar

# Auf welchem Port läuft myMPD?
ss -tlnp | grep mympd
# → Ausgabe zeigt Port 8080 (HTTP) und 8443 (HTTPS)
 
# Aufruf im Browser:
# https://192.168.x.xxx:8443   (empfohlen, für PWA)
# http://192.168.x.xxx:8080    (alternativ)
 
systemctl status mympd
journalctl -u mympd -n 50

Warteschlange leer / kein Stream startet

In myMPD muss die Playlist erst in die Warteschlange geladen werden:

  1. Browse → Playlists → Stream antippen → „Alle hinzufügen„
  2. Dann Play drücken

Oder per Kommandozeile:

mpc clear
mpc load BOB-Grunge
mpc play

Raspotify oder myMPD Update nach Trixie-Upgrade

# Nach einem System-Upgrade neu installieren:
dietpi-software reinstall 170    # Raspotify
dietpi-software reinstall 183    # myMPD
 
# Konfiguration prüfen:
cat /etc/raspotify/conf
ls /var/lib/mpd/playlists/


Getestet auf: Raspberry Pi 2B v1.1 + HifiBerry DAC+ → Kenwood HD 1000 · DietPi ARMv7 / Debian Trixie (13) · Stand: März 2026