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Jaguar XJ-S

Mein XJ-S. Den gab es leider nur fast.

Ein Traum in Coupé-Form

Lang, flach, breite Schultern und hinten diese markanten Finnen, die vom Dach zum Heck laufen. Der XJ-S ist kein Auto, das man vernünftig findet. Man findet ihn einfach schön. Oder man versteht ihn nicht. Dazwischen gibt es wenig.

1975 sollte er den E-Type beerben. Das war ein schweres Erbe, und die Presse war anfangs alles andere als begeistert. Zu groß, zu schwer, zu durstig, und mitten in der Ölkrise kam er mit einem V12. Doch der XJ-S hielt durch. 21 Jahre lang, bis 1996. Damit ist er einer der am längsten gebauten Jaguar überhaupt. Am Ende hatte Coventry rund 115.000 Stück gebaut, dann übernahm der XK8.

Die Motoren

  • 5,3-Liter-V12: der Klassiker, abgeleitet vom Motor des E-Type der Serie 3. Ab 1981 als HE (High Efficiency) mit den „Fireball“-Brennräumen von Michael May. Die sollten den Durst etwas zügeln. Etwas.
  • 3,6-Liter-AJ6: Ab 1983 gab es den neuen Reihensechser, den gleichen Motorentyp, den ich später im XJ40 lieben lernte.
  • 4,0-Liter-AJ6: ab 1991, nach der großen Modellpflege
  • 6,0-Liter-V12: ab 1993, der krönende Abschluss

Die Karosserien

  • Coupé - die klassische Form mit den „Flying Buttresses“, den Finnen am Heck
  • XJ-SC - ab 1983 ein Cabriolet mit Targadach und Überrollbügel, ein ziemlich eigenwilliger Kompromiss
  • Convertible - ab 1988 endlich ein richtiges Cabrio mit elektrischem Verdeck

Mit der Modellpflege 1991 verschwand übrigens der Bindestrich. Aus dem XJ-S wurde der XJS.


Die Jagd

eBay. Wie so oft fing es mit einem Klick an. Ein XJ-S, geschossen über eBay. Standort: England. Genauer gesagt Coventry, die Heimat von Jaguar. Wenn nicht dort, wo dann?

Also Flug gebucht, Koffer gepackt, und ab auf die Insel, die Katze abholen.

Die Adresse führte mich zu einem drittklassigen Hinterhof-Reifenhändler. Schon die Anfahrt war kein gutes Omen. Alte Reifen, Pfützen, ein Container. Und dann stand er da, auf dem Hof:

Das traurigste Stück Rost, das man sich vorstellen kann.

Von den Fotos aus der Anzeige war nicht viel übrig. Wo Blech sein sollte, war Braun. Wo Braun war, war manchmal gar nichts mehr. Der Verkäufer zuckte mit den Schultern. Ich zuckte zurück.

Der Deal wurde vor Ort abgebrochen.

Manchmal ist die beste Entscheidung bei einem Oldtimer die, die man nicht trifft.


Das Beste draus gemacht: Warwick

Wenn man schon in Mittelengland ist, ohne Auto, dafür mit Zeit und schlechter Laune, dann kann man zwei Dinge tun: sich ärgern oder sich amüsieren. Ich entschied mich für Letzteres.

Ein paar Kilometer südlich von Coventry liegt Warwick. Burg, Fachwerk, Pubs und dieses typisch englische Gefühl, dass hier seit dem Mittelalter niemand mehr in Eile war. Zwei tolle Tage, die mich für die Pleite auf dem Reifenhof mehr als entschädigt haben.

Einen XJ-S hatte ich am Ende nicht. Aber eine gute Geschichte. Und die rostet wenigstens nicht.


Für alle, die es besser machen wollen

Was ich in Coventry gelernt habe, als kleine Checkliste für den XJ-S-Kauf:

  • Nie ungesehen kaufen. Fotos lügen, vor allem bei Rost. Wenn möglich, vorher jemanden vor Ort zur Besichtigung schicken. In England helfen die Jaguar-Clubs gerne weiter.
  • Die Problemzonen kennen: Schweller, Radläufe hinten, die Unterkanten der A-Säulen, der Kofferraumboden und die Ansätze der Finnen am Heck. Wasser sammelt sich dort gerne und bleibt.
  • V12 oder Sechszylinder? Der V12 ist die Legende, aber Wartung und Verbrauch sind entsprechend. Der AJ6 ist die vernünftige Wahl, wenn man beim XJ-S von Vernunft sprechen will.
  • Rechtslenker aus England sind oft günstiger, aber Rostvorsorge gegen Streusalz war auf der Insel nicht immer ein Thema. Genau hinschauen.
  • Die Restaurierung kostet immer mehr als der Kauf. Wer ein gutes Auto kauft, spart am Ende fast immer.

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